Projekt an Cato-Gymnasium gestartet

Schüler sagen Mobbing den Kampf an

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Die Youtuber Gronkh, Sally, Bibi und Dagi werden gefeiert wie Popstars. Aber wo hört Unterhaltung auf und fängt geschicktes „Product Placement“ an?

Achim - Von Lisa Duncan. Das Problem Mobbing in der Schule existiert nicht erst seit gestern. Doch mit Youtube, Facebook und Co. hat diese antisoziale Praxis eine neue Dimension angenommen: Es passiert nicht nur während der Schulzeit, sondern im schlimmsten Fall „24 Stunden am Tag, sieben Tage die Woche“, sagt Markus Gerstmann vom Servicebureau Jugendinformation. Der Bremer kam auf Einladung dreier Schüler ins Cato-Bontjes-van-Beek-Gymnasium, um vor Siebtklässlern zu referieren. Diese Altersgruppe sei laut einer Umfrage der Projektinitiatoren besonders von sozialer Ausgrenzung betroffen.

Umfrage und Vortrag bildeten nur den Einstieg in ein langfristiges soziales Projekt, das Marc Babendererde, Alina Baszulewski und Oliver Behn unter dem Titel „Stop Talking – Start Acting“ für ihr Seminarfach am Cato-Gymnasium angeschoben haben. „Wir haben Mobbing ausgewählt, weil es jeden betreffen kann“, sagt Marc Babendererde.

Bevor Markus Gerstmann das Thema „Mobbing – betrifft es dich auch?“ anhand von Internet-Phänomenen erklärte, ließ er die Zuhörer zu Wort kommen: Er erstellte ein Meinungsbild zur Smartphone-, Konsolen-, TV- und Internetnutzung. Dieser Dialog lockerte den Vortrag so weit auf, dass ein Großteil der Siebtklässler tatsächlich anderthalb Stunden am Ball blieb. Fast alle Schüler in der Aula gaben zu, ein Smartphone zu besitzen und mindestens die Hälfte, regelmäßig Whatsapp zu nutzen. Erschreckend: Während auch Fernsehen auf der Beliebtheitsskala sinkt, zeigten bei der Frage, wie viele morgens Zeitung lesen, höchstens zehn Zuhörer zaghaft auf.

Bei aller Kritik betonte Gerstmann die guten Seiten der ständigen Internetverfügbarkeit, etwa, dass Youtube helfen könne, etwas im Selbststudium zu betreiben, ob Hausaufgaben oder Hobby. Andererseits kritisierte er die Geschäftemacherei der Film- und Musikvideo-Plattform. Es gebe rund 52 Youtuber und Let‘s Player (so nennt man die Leute, die selbst Clips für den Channel erstellen) in Deutschland, die jeweils über mehr als eine Million Abonnenten verfügten. Wenn „Dagi Bee“ Produkte eines Drogeriemarktes testet und „Bibi“ auf Kosten eines deutschen Reiseanbieters in Thailand auf Elefanten reite, sei Werbung und Unterhaltung schwer zu trennen. Ebenfalls informativ die Warnung, dass viele Apps auch private Informationen (bis hin zur Telefonnummer der Oma) zentral auf Servern in Amerika speichern. Auf WhatsApp versendete Fotos bildeten da keine Ausnahme.

Kleines Manko: Bis Gerstmann zu seinem eigentlichen Thema vordrang, verging rund eine Stunde. „Den Satz ‚Markus ist doof‘ kann man auf der Schultafel wegwischen, im Internet ist man hilflos dagegen“, verdeutlichte Gerstmann die Dimension des Schadens durch Mobbing im Netz. Beim Thema gefälschte Identität stellte er klar: „Wir haben bisher immer rausgefunden, wer dahinter steckt, denn es ist ja alles im Internet zu finden.“ Etwas mehr Informationen zur Arbeitsweise des Servicebureaus wären hier hilfreich gewesen. Da hätte man die abschließenden praktischen Tipps (selbst soziale Regeln aufstellen, Hilfe bei Beratungsstellen suchen) gleich mit einbinden können.

Finanziert wird das Projekt über die „Jugendjury“ der Stadt Achim. Die Fördergelder haben die Zwölftklässler selbst beantragt. Zudem haben sie ein Konzept für den anschließenden Unterricht ausgearbeitet: Das umfasst einen Fragebogen, ein Rollenspiel, bei dem die Schüler Mobbing am eigenen Leib erfahren sollen, und die Aufgabe, anschließend ein Plakat zum Thema zu entwerfen. „Die Schüler haben das gut gemacht und professionell vorbereitet“, lobt Gesa Kaemena von der Abteilung Kinder und Jugend der Stadt Achim. Das über mehrere Jahre angelegte Projekt soll anschließend von anderen Ehrenamtlichen weitergeführt werden.

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