Vortrag rund ums Leben im Alter 

Professorin Keil: „Sich zu Dingen anstiften, die man bisher nicht gemacht hat“

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Annelie Keil bei ihrem Vortrag.

Achim - Professorin Dr. Annelie Keil ist alles andere als eine staubtrockene Wissenschaftlerin. Beim Vortrag rund ums Leben im Alter auf Einladung der Bürgerstiftung Achim am Montagabend im prall gefüllten Blauen Kasch-Saal erntete die Bremer Gesundheitsforscherin einen Lacher nach dem anderen. Die Gag-Dichte war anfangs riesig und ließ die Inhalte etwas in den Hintergrund rücken, was sich allerdings im Verlauf des Abends ändern sollte.

„Es geht schon damit los, dass man geboren werden muss – keineswegs selbstverständlich. Wenn die Samenzelle im Eileiter stecken bleibt, kann der Bestatter gerufen werden“, gab Keil zu Beginn zum Besten.

„Wer leben will, muss älter werden! Leben ist eine lebenslange Provokation“, hatte sie ihren Vortrag humorvoll betitelt. Die Veranstaltung bildete den Auftakt zu einer neuen, von Kuratoriumsmitglied Hans-Jürgen Wächter initiierten Gesprächsreihe der Bürgerstiftung. Zusammen mit dem Vorsitzenden, Rolf Wiesner, begrüßte er dazu das vor allem aus Frauen aus eher der zweiten Lebenshälfte bestehende Publikum. Und natürlich die Referentin, die angesichts des Themas sogleich bekannte: „Ich gehe streng auf die 80 zu.“

Das Leben sei ein schwieriges Unterfangen, was mitunter nur mit makabrem Humor zu ertragen sei, verdeutlichte Keil an einem Beispiel. „Nach Jahrzehnten Ehe sagt die Frau zu ihrem mürrischen Mann: Wenn du jetzt nicht bald stirbst, dann lasse ich mich scheiden.“

Der Blaue Saal im Kulturhaus Alter Schützenhof war bis auf den letzten Platz besetzt.

Jeder trage ein Stiftungspotenzial in sich, nämlich die Geburt. Es liege aber an jedem selbst, daraus etwas zu machen. Methusalem müsse dabei jedoch nicht der Maßstab sein. Programme à la „Gesund und fit bis 100“ hielt die 78-jährige Wissenschaftlerin für zweifelhaft. „Ich will nicht mit einer Rolle vorwärts im Sarg landen.“

Dem Leben einen Sinn geben

Spätestens wenn die Kinder aus dem Haus sind und die berufliche Tätigkeit beendet ist, sei es aber wichtig, dem Leben einen Sinn zu geben, mahnte Annelie Keil. Sie riet dazu, ein „Projekt für das Alter“ in Angriff zu nehmen und sich etwa in der Hospizbewegung zu engagieren. Sich in einem Verein oder in einer Inititative für andere einzusetzen, sei auch für einen selbst gewinnbringend. „Davon können alle Seiten profitieren.“

Das gelte genauso für familiäre Bezüge. Ein gutes, inniges Verhältnis zu den Kindern und Enkeln stelle eine Glücksquelle dar. „Insbesondere dann, wenn man im Alter im Heim lebt und dort regelmäßig besucht wird.“

Unser ganzes Sozialsystem sei auf Solidarität und Nächstenliebe aufgebaut, sagte Keil. „Einer trage des anderen Last“, laute der Grundsatz.

„Wir benötigen hilfsbereite Nachbarn“

Aber vielfach herrsche doch der Ellenbogen und materielles Denken vor, machte jemand aus dem Publikum geltend. In Zeiten, in denen die Kirche oder Werte wie die „Heimat“ stark an Bedeutung verloren hätten, werde immer mehr die Frage, wie der Zusammenhalt der Gesellschaft wiederhergestellt werden könne, in den Vordergrund rücken, antwortete die Soziologin. „Wir benötigen hilfsbereite Nachbarn, vertrauenswürdige Arbeitskollegen, einen guten Zusammenhalt in der Familie.“

Es sei schon mal ein „Riesenglück“, hierzulande seit Jahrzehnten in Frieden, Freiheit und Wohlstand leben zu können, fügte Professorin Annelie Keil an und gab allen vor dem lang anhaltenden Schlussbeifall noch Folgendes mit auf den Weg: „Älter werden als Aufgabe, sich zu Dingen anzustiften, die man bisher vielleicht nicht gemacht hat.“ 

mm

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