Professor Greiser: Gefahr schon ab 40 Dezibel / Landkreis plant „Runden Tisch“

Lärm betrifft die Achimer beinahe flächendeckend

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Professor Dr. Eberhard Greiser (stehend) hat in Studien den Zusammenhang zischen Lärmbelastung und Krankheitsraten erforscht. Er sprach jetzt im Hotel Gieschen auf Einladung der Initiative „Achimer Bürger gegen Verkehrslärm“. Auch Bürgermeister Rainer Ditzfeld und Vertreter aller Ratsparteien waren neben anderen Interessierten zu der Veranstaltung gekommen.

Achim - Wenn man Professor Eberhard Greisers Aussage folgt, dass Lärm schon ab 40 Dezibel gesundheitsgefährdend wirkt, dann hat Achim ein fast flächendeckendes Verkehrslärmproblem. Es geht von Autobahnen und Landesstraßen, von der Schienenstrecke und möglicherweise auch von Bremer Einflugschneisen aus.

Allein vom Schienenlärm seien selbst nach Angaben der Bahn gut 16 000 Achimer betroffen, machte der emeritierte Epidemiologe vom Zentrum für Sozialpolitik der Universität Bremen deutlich.

Greiser sprach als Gast einer Veranstaltung der Bürgerinitiative (BI) „Achimer Bürger gegen Verkehrslärm“ im Hotel Gieschen, wo BI-Sprecher Paul Brandt ihn und etwa 20 Interessierte begrüßte.

Dass sich das Risiko für Herz- und Kreislauferkrankungen vor allem durch nächtlichen Lärm stark erhöhe, sei mittlerweile wissenschaftlich unumstritten, betonte der Bremer Wissenschaftler.

Epidemiologen wie er untersuchen Verbreitung und Verlauf von Krankheiten in Bevölkerungsgruppen sowie Faktoren, die Verbreitung und Verlauf beeinflussen.

Studien über Folgen der Belastungen rund um den Flughafen Köln hat Greiser schon erarbeitet und hofft nun auf baldigen Abschluss einer entsprechenden Arbeit über Bremen. Allerdings behinderte ihn dort ständig die Datenschutzbeauftragte Dr. Sommer, auch wenn es um anonymisierte Angaben zu Patienten gehe, beklagte der Professor.

„Wie stimmen wir Mobilität und Gesundheit aufeinander ab?“ formulierte Paul Brandt die schwierige Grundfrage bei der Verkehrslärmdiskussion. Sein Vorschlag: Menschen das Lärm-Thema so ins Bewusstsein zu rücken, dass auch Autobahnfahrer sich beim Tritt aufs Gaspedal mehr zurücknehmen.

In Frankreich und Luxemburg gelte ein Tempolimit von 130, in Spanien von 120 Stundenkilometern. Das müsse doch auch bei uns möglich sein, zumal es sich dann viel entspannter fahren lasse, meinte Greiser.

Und beim Güterverkehr auf Schienen würden nächtliche Spitzenwerte von 75 Dezibel auch erreicht, weil immer noch überlaute Bremsen im Einsatz seien. Diese gegen modernere, leisere auszutauschen, koste letztlich viel weniger als die von der Allgemeinheit zu tragende Behandlung von Lärmgeschädigten.

Achims Bürgermeister Rainer Ditzfeld wies als Gast der Veranstaltung auf den vom Landkreis geplanten „Runden Tisch“ zur Verkehrslärmproblematik hin. Vertreter aus Kommunen, Land und Bund würden dabei nach den Sommerferien gemeinsam über Wege zu weniger Straßen- und Schienenlärm beraten.

Professor Greiser riet den Bürgerinitiativen, sich überregional zu vernetzen, ihre Medienarbeit zu verstärken und sich im Übrigen darauf gefasst zu machen, „dicke Bretter bohren zu müssen“.

SPD-Ratsherr Fritz Heiner Hepke nannte als konkretes Ziel schon mal ein Tempolimit 30 an der Embser Ortsdurchfahrt.

la

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