Finanzexperte bei Clubabend in Hünenburg

„Prinzip Kopfkissen“ hat noch nicht ausgedient

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Wohin führt die Geldpolitik der Europäischen Zentralbank? Das erläuterte Gastredner Dr. Jan Holthusen von der DZ-Bank beim Clubabend in der Hünenburg.

Baden - Die Geldpolitik der Europäischen Zentralbank (EZB) scheint in einer Sackgasse angelangt zu sein: EZB-Chef Mario Draghi hat den Leitzins immer weiter abgesenkt. Niedrigzins, Nullzins, Negativzins – so der Abwärtstrend.

Mit dem Ankauf von Staatsanleihen will die EZB den europäischen Ländern Luft verschaffen, um ihre Schulden abzubauen. Doch einige Länder, zum Beispiel Italien, nutzen diese Möglichkeit nicht. Mit dem Ergebnis, dass die Staatsverschuldung hoch bleibt. 

Ist Europa bald pleite? Und welche Auswirkungen hat der bevorstehende Regierungswechsel in den USA nach der Wahl Donald Trumps zum Präsidenten? Diese Themen betrachtete Dr. Jan Holthusen, Leiter Fixed Income Research bei der Deutschen Zentral-Genossenschaftsbank (DZ Bank), als Gastredner beim Clubabend des Vereins Haus Hünenburg.

In seinem Vortrag „Geldpolitik der EZB in der Sackgasse – übernimmt jetzt die europäische Fiskalpolitik?“ ging er die Strategie der EZB hart an. „Den Euro schützen“ hat seit 2012 oberste Priorität.

Bedingt durch die weltweite Finanzkrise, die 2008 mit der US-Immobilienkrise begann, sei zu einem alten Instrument der Geldpolitik, den Leitzins zu senken, ein neues hinzugekommen: Seit 2015 schleust die EZB ihre Bilanzsumme massiv nach oben, indem sie Staatsanleihen kauft. „Das ist Staatsfinanzierung durch die Notenbank. Früher war das in der Geldpolitik tabu“, sagte Holthusen.

80 Milliarden Euro gibt die EZB monatlich für Staatsanleihen aus. Das führt zu einer Entwertung: 60 Prozent der Staatsanleihen haben eine negative Rendite. Beispielsweise lohne sich der Kauf von Bundesobligationen (mit einer Rendite von -0,6 Prozent) für Privatanleger schon lange nicht mehr. Dafür freue sich die Bundesregierung, die dank der „Draghi-Dividende“ in zehn Jahren rund 90 Milliarden Euro spart.

Durch einen US-Präsidenten Trump könnte sich in der Weltwirtschaft wiederum einiges verschieben. Trump will zwei Dinge, die bisher als nicht vereinbar galten, miteinander kombinieren, um die Staatsverschuldung abzubauen: den konservativen Ansatz den Spitzen- und Unternehmenssteuersatz zu senken und den sozialdemokratischen Ansatz, Infrastrukturprogramme anzukurbeln. 

Damit könne der Druck auf europäische Staaten steigen, ebenfalls mehr Geld in die Hand zu nehmen. Aber: Die Strategie führe nicht zwangsläufig zum Schuldenabbau, sondern könne auch den gegenteiligen Effekt erzielen, betonte Holthusen. Es sei jedoch unwahrscheinlich, dass Trump sein kostspieliges Wahlprogramm überhaupt umsetzen könne.

Abschließend gab der Experte der DZ Bank Prognosen ab. Demnach werde die weltweite Wirtschaftsleistung 2017 um etwa 3 Prozent wachsen, die Wirtschaft in der Eurozone sei etwas später dran. Einer langfristigen Zinsprognose zufolge könnten die Zinsen für Sparer 2018 steigen. Die Gewinne der Dax-Unternehmen werden sich voraussichtlich 2017 leicht erhöhen.

Für Sparer sei das „Prinzip Kopfkissen“ angesichts der erwartbaren geringen Rendite weiterhin nicht verkehrt, ging Holthusen auf eine Frage aus dem Auditorium ein. Eine andere, tatsächlich gewinnbringende Lösung, die aber Risikobereitschaft voraussetze, sei der Aktienkauf: „Wer ruhig schlafen will, verdient kein Geld.“

Wichtig sei, nach dem sogenannten Durchschnittskosten-Prinzip über Jahre immer gleichbleibende Beträge zu investieren. Dadurch glichen sich Verluste mit der Zeit aus.

ldu

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