Konzept für Bebauung des alten Postgrundstücks

„Powervoller Schwerpunkt“ am Bahnhof

Markant und dominant erscheint der Entwurf der Hegemann-Architekten für die Bebauung des früheren Postareals. Skizze: Hegemann-Immobilien / dt+p Architekten
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Markant und dominant erscheint der Entwurf der Hegemann-Architekten für die Bebauung des früheren Postareals. Skizze: Hegemann-Immobilien / dt+p Architekten

Achim – Nördlich des Bahnhofs entsteht auf dem ehemaligen Lieken-Gelände ein neues urbanes Viertel, aber auch südlich der Station, in Richtung Innenstadt, soll Achim ein attraktiveres Gesicht bekommen. Das frühere Postgrundstück, das die Stadt mit Hilfe von Fördermitteln für 300 000 Euro erworben hat und an einen Investor weiterverkaufen will, spielt dabei eine wesentliche Rolle.

Ein von Politik und Verwaltung favorisiertes städtebauliches Konzept sieht einen spektakulären Neubau mit vier Stockwerken, auf denen sowohl Gewerbe als auch neun Wohnungen Platz haben sollen, auf dem Areal vor.

Stadtplaner Andreas Graefe stellte am Dienstag Einzelheiten in der Sitzung des Ratsausschusses für Wirtschaft, Stadtentwicklung, Umwelt und Verkehr im Ratssaal vor. Für die Gestaltung des Grundstücks gebe es „hohe Anforderungen“. Es solle die Ziele des Sanierungsgebiets „Nördliche Innenstadt“ erfüllen. Stichworte dazu sind nach seinen Angaben: „Städtebau und Quartiersentwicklung, Architektur, soziale Infrastruktur / Wohnungspolitik, Ökologie und Klimaschutz, Nutzung und Betrieb“. Aber die Fläche südlich des Bahnhofsgebäudes solle auch die „Eingangspforte für die Innenstadt“ darstellen und sich zugleich in die bestehende Bebauung einfügen, erläuterte Graefe. Die Frage sei: „Wer bietet das beste Konzept?“

Zwei Investorengruppen, Hegemann-Immobilien / dt+p Architekten und Buhlmann-Immobilien / Lohmann-Architekten, hätten sich dabei hervorgetan. Über deren eingereichte „qualifizierte Konzepte“ habe eine Jury auf einem Workshop „vier Stunden lang“ beraten. Mit den beiden Entwürfen befassten sich Bürgermeister Rainer Ditzfeld, Werner Meinken, Vorsitzender des Ausschusses für Stadtentwicklung, Karin Kellner vom Vorstand der niedersächsischen Architektenkammer, Projekt- und Stadtentwicklerin Brigitte Vorwerk und Achims Stadtplanungsleiterin Christa Meiering.

Aus Sicht der Jury habe das Konzept der Bietergemeinschaft Hegemann-Immobilien / dt+pArchitekten am meisten überzeugen können, berichtete Graefe. „Damit würde ein Pendant zur geplanten Bebauung nördlich des Bahnhofs geschaffen.“ Die Lenkungsgruppe „Nördliche Innenstadt“ sei zum gleichen Votum gekommen.

„Der Jury war bei ihrer Entscheidung durchaus bewusst, dass sich der neue Baukörper deutlich von der Architektur der bestehenden Bebauung südlich des Bahnhofs unterscheidet und sich davon abhebt“, heißt es in der Beschlussvorlage der Verwaltung für die Sitzung. Der Entwurf könne durchaus als „Paukenschlag“ bezeichnet werden. „Das Gebäude wirkt markant und dominant und positioniert sich selbstbewusst an der Schlüsselstelle Richtung Innenstadt.“

Planer Graefe verriet noch, dass die Waldheim-Werkstätten das 500 bis 600 Quadratmeter große Erdgeschoss beziehen wollten. Auf den Etagen darüber sei an der Flanke zum Bahnhof gewerbliche Nutzung vorgesehen, etwa durch eine Arztpraxis. Die neun Wohnungen sollen auf der anderen Seite des kleinen Hochhauses Platz haben.

Aber beinhalte das Konzept denn auch genügend Parkplätze für das Grundstück?, wollte Volker Wrede (CDU) wissen. Graefe nannte die Zahl 18. Der übliche Stellplatzschlüssel von 1,5 pro Wohnpartei und sonstiger Gebäudenutzer werde damit nicht ganz erreicht. Die Alternative, den Bau einer Tiefgarage, hätten die Architekten wegen der höheren Kosten verworfen, aber auch aus ökologischen Gründen, denn damit wäre ja eine erhebliche Betonierung verbunden, merkte Andreas Graefe an.

„Wenn wir die Mobilitätswende in Angriff nehmen, dann ja wohl am Bahnhof“, schaltete sich Steffen Zorn, Leiter des Fachbereichs für Bauen und Stadtentwicklung im Rathaus, ein. Gerade im direkten Umfeld eines großen Angebots an Bahnen, Bussen und Radstationen müsse ja wohl nicht jeder ins Auto steigen. „Und auch für das Gebiet nördlich des Bahnhofs ist nur ein Stellplatzschlüssel von 1,35 geplant.“

Peter Bartram (Grüne) bekannte, dass er beim ersten Blick auf die Visualisierung für das neue Gebäude gedacht habe: „Das geht ja gar nicht!“ Denn es füge sich ja nicht gerade optimal in die Umgebung ein. „Aber mittlerweile finde ich die Arkaden und andere Gestaltungselemente sogar ansprechend.“ Dennoch ist der „powervolle Schwerpunkt“ aus Sicht des Architekten Bartram „gewöhnungsbedürftig“.

Um wieviel würde denn der beabsichtigte Neubau höher als das derzeitige Postgebäude sein?, fragte Petra Geisler (SPD). Das bestehende Haus sei wohl 12 oder 13 Meter hoch, antwortete Graefe. Der von Hegemanns Architekten konzipierte Bau rage an der Ostseite, zur Embser Landstraße hin, 18 Meter in den Himmel, im Westen falle er mit 14 Metern flacher aus.

Eine Bürgerin brandmarkte den Entwurf später in der Einwohnerfragestunde als „Klotz in der Landschaft“ und als „zu hohe Klinkerkiste“. Außerdem würde die geplante Anzahl der Parkplätze nicht ausreichen.

Die Politik war sich einig. Einhellig beauftragte der Ausschuss die Verwaltung, den Verkauf des alten Postgrundstücks einzuleiten und einen städtebaulichen Vertrag mit der Bietergemeinschaft Hegemann-Immobilien / dt+p-Architekten herbeizuführen.

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