Als die „Schweiz“ Soldaten lockte

„Es war einmal“: Alte Postkarten zeigen Wandel in Achim auf

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Marlies Migowsky vor einigen der von ihr zusammengestellten Postkartenmotive in der Teehaus-Galerie.

Achim - Achim wandelt sich; immer mehr alte Gebäude verschwinden aus dem Stadtbild, neue entstehen. Es gibt aber auch noch etliche „historische Adressen“, die im Laufe der Jahre lediglich mehr oder weniger aufgehübscht wurden. Zu besichtigen ist das in einer Ausstellung im Teehaus Hashagen.

Marlies Migowsky hat alte Postkarten aus der Sammlung von Karlheinz Gerhold, Gründer und langjähriger Vorsitzender der Geschichtswerkstatt Achim, reproduziert. Unter dem Titel „Es war einmal: Leben in Achim – Geschäfte, Gaststätten, Hotels“ sind die schwarz-weißen Ansichten noch bis Ende August in der Teehaus-Galerie am Alten Markt zu sehen.

Streifzug durch die Gaststätten der Stadt

Die meisten Motive zeigen Gebäude und „Innenleben“ aus dem Jahr 1960. Der Betrachter kann dabei vor allem einen Streifzug durch die Welt der damaligen Gaststätten von Baden bis Bollen unternehmen.

Einige der abgebildeten Gastronomiebetriebe existieren bis heute. Etwa Gieschens Hotel mitten in Achim. Nur, dass dort die Tankstelle vor der Tür längst verschwunden ist. Auch Meyer-Bierden, Gerken und Haberkamp in Uphusen locken beständig Gäste an. „Aber wie die Tische und Stühle damals aussahen – viel dunkles Holz eben“, merkt Migowsky mit Blick auf die übliche Einrichtung jener Zeit an.

Aus „Osmers Sommergarten“ in Bollen mit seinem speziellen Charme ist inzwischen das moderne „Deichkind“ geworden. Das Gasthaus „Zum alten Dorfkrug“ in Embsen beherbergte zuletzt einen „Chinesen“, steht aber jetzt leer. Das gilt auch für Segelkens Gasthaus in Borstel, in dem später ein Steak- und ein Landhaus ihr Glück versuchten. Geschichte sind ebenso das Eiscafé Inge Rust in Baden und das dortige Ausflugslokal „Zur Alten Wasserburg“, das erst vor kurzem zugunsten von Wohnbauten mit Weserblick abgerissen wurde.

Aufleben der früheren Geschäftswelt

Einen legendären Ruf genoss Pape. „Da, wo heute das Altenheim am Badener Berg steht, war früher richtig was los“, weiß Marlies Migowsky, Fotografie- und Grafikexpertin der Geschichtswerkstatt. „Da legten die Ausflugsschiffe aus Bremen an, da wurde die Pfingstwiese gefeiert.“ Und zuletzt, bis in die 90er-Jahre hinein, zog dort die Diskothek „Mic Mac“ viel junges Publikum an.

Als nächstes tippt Migowsky beim Rundgang durch die kleine Ausstellung auf die Karte mit dem Gasthaus „Zur Schweiz“ drauf. Das Lokal an der Bergstraße, gegenüber vom „Cato“ gelegen, „war ein berühmter Treffpunkt für Soldaten aus der nahen Kaserne“, weiß die 71-Jährige.

Ein Stück weit lebt in der Schau auch die frühere Achimer Geschäftswelt auf. Migowsky hebt „Achims erstes Kaufhaus Marschhausen“ auf einer Aufnahme von 1928 hervor. An der Stelle an der Obernstraße residiert heute „Enterprise“.

Auf den von Karlheinz Gerhold, der im vorigen Jahr im Mai gestorben ist und heute seinen 59. Geburtstag gefeiert hätte, gesammelten und von Marlies Migowsky bearbeiteten Postkarten ist noch manches mehr zu entdecken. Für alle, die etwas für die lokale Geschichte übrig haben, dürfte ein Besuch lohnend sein.

mm

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