Polizeichef berichtet über Kriminalitätslage / Ermittlungserfolg für Opfer wichtig

Wohnungseinbruch in Achim weiterhin häufige Straftat

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Polizeichef Thorsten Strier gibt sein Bestes.

Achim - „Das subjektive Empfinden der Bevölkerung geht von einer Zunahme bei den Wohnungseinbrüchen aus“, bekannte Achims Polizeichef Thorsten Strier. Tatsächlich sei diese Art der Delikte in Achim im Zeitraum von 2010 bis 2014 von 57 auf 163 pro Jahr stark angestiegen, wobei die Zahlen 2012 (196) und 2013 (171) noch höher gelegen hätten als 2014, berichtete der Polizeioberrat am Mittwochabend im Präventionsrat.

Immerhin habe die Achimer Polizei hinsichtlich der Wohnungseinbrüche im vergangenen Jahr im Stadtgebiet eine Aufklärungsquote von 68 Prozent erzielen können. „Hinter dieser guten Quote verbirgt sich eine Tätergruppe von drei alten Achimern, die wir geschnappt haben“, erläuterte Strier. Das Trio sei nachts durch die Straßen gefahren, meistens in Achim-Nord, und habe Steine in Fensterscheiben von Wohnungen geworfen – „blieb dann alles ruhig, sind sie rein“, beschrieb er die Masche der Männer.

Der Leiter des Polizeikommissariats Achim betrachtete in der öffentlichen Sitzung des Präventionsrats im Ratssaal die aktuelle „Kriminalitätslage in der Stadt Achim“. Die versammelten Vertreter der zahlreichen Gruppen und Institutionen, die sich ehrenamtlich in dem Gremium engagieren, um insbesondere Jugendliche vor Gewalt oder Drogen besser zu schützen, verfolgten den spannenden Vortrag aufmerksam.

Die Zahl der Straftaten in Achim sei in den vergangenen Jahren leicht schwankend gewesen, informierte Strier. So registrierte das Kommissariat für das Stadtgebiet 2009 2050 Fälle, 2013 aber schon 2352 und im vorigen Jahr dann 2115. Die Aufklärungsquote habe zuletzt bei 64,8 Prozent gelegen und damit deutlich über dem niedersächsischen Durchschnitt von 60,6 Prozent.

Von den 947 ermittelten Tatverdächtigen im Jahr 2014 kamen nach Angaben von Strier die Hälfte aus Achim, 22 Prozent seien „Nichtdeutsche“ gewesen und der Löwenanteil, nämlich 80 Prozent, Erwachsene. „Der Anteil der Jugendlichen ist glücklicherweise rückläufig“, stellte der Polizeioberrat erfreut fest und lobte: Da wirke sich die „hervorragende Präventionsarbeit in Achim“, die von verschiedenen Akteuren wie zum Beispiel den Sozialarbeitern im Bürgerzentrum an der Magdeburger Straße betrieben werde, offenbar positiv aus.

Der Großteil der hiesigen Straftaten, nämlich 43 Prozent, seien Diebstähle. Damit liege Achim um fünf Prozent über dem Landesdurchschnitt. Gab es von Badenermoor bis Bollen 2010 noch 771 Diebstahlsdelikte, waren es im vergangenen Jahr schon 911. Immerhin sei es „seinen“ Beamten vor kurzem gelungen, eine zehnköpfige Tätergruppe, die sich auf Autoaufbrüche spezialisiert hatte, zu schnappen.

Zweithäufigste Straftaten in Achim seien Betrugsdelikte. „Da gehört das ganze Feld der Cyberkriminalität im Internet mit dazu“, merkte Strier an.

Im Mittelfeld bei den Deliktgruppen siedelte der Kommissariatsleiter die körperliche Gewalt an. Als erfreulich bewertete er, dass Raub in Achim von 23 Fällen 2010 auf elf im vorigen Jahr gesunken sei. Bei den Körperverletzungen weist die Statistik für diesen Zeitraum allerdings einen Anstieg von 120 auf 153 Fälle aus, während die gefährliche Körperverletzung (mit Waffengewalt) mit 29 beziehungsweise 28 Fällen nahezu gleich geblieben ist.

Opfer von solchen Rohheitsdelikten werden laut Strier am ehesten 20- bis 40-Jährige. „In diesem Alter ziehen viele um die Häuser, ecken auch schon mal an.“

Die Ordnungshüter, bemerkte er abschließend, leisteten nicht zuletzt eine Menge Präventionsarbeit, insbesondere in Sachen Einbruchsschutz. Möglichkeiten auf diesem Feld bringe ein Fachmann der Polizeiinspektion Verden/Osterholz Interessierten auch gerne zu Hause näher. Um insbesondere Einbrechern das Handwerk zu legen, betonte Achims Polizeichef Thorsten Strier, „sind wir für Hinweise aus der Bevölkerung dankbar“.

„Es ist hilfreich, wenn man wachsame Nachbarn hat“, unterstrich Staatsanwältin Lühning, die am Mittwoch ebenfalls im Präventionsrat zu Gast war. „Wohnungseinbruch ist eines der schlimmsten Delikte, die wir haben“, meinte die für Achim zuständige Vertreterin der Staatsanwaltschaft Verden. Denn die Opfer litten danach unter dem „ganz schlechten Gefühl, da ist jemand in meinen persönlichen Bereich eingedrungen“.

Erfolgreiche Ermittlungsarbeit ist nach dem Dafürhalten von Lühning nicht nur vonnöten, um weitere Straftaten zu verhindern und angerichtete materielle Schäden regulieren zu können. „Für die Opfer ist es wichtig, dass der Täter ein Gesicht kriegt.“

mm

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