Planungen für Bauernviertel

Politik in Achim lehnt Residenz für „elitäre Klientel“ ab

Das große Wohn- und Wirtschaftsgebäude an der Unterstraße wird abgerissen.
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Das große Wohn- und Wirtschaftsgebäude an der Unterstraße wird abgerissen.

Achim – Die vom städtischen Wirtschaftsbeirat angestrebte „hochwertige Seniorenresidenz“ auf der bald freiwerdenden Hofstelle Osmers an der Unterstraße bleibt ein Luftschloss. Die Idee, auf dem gut 10 000 Quadratmeter großen Grundstück am Rand des Bauernviertels und der Achimer Marsch eine Vielzahl von altersgerechten, komfortablen Wohnungen für betuchte Bürgerinnen und Bürger samt öffentlichem Restaurant, Café und weiteren Einrichtungen zu schaffen (wir berichteten), stieß in der Sitzung des Ratsausschusses für Wirtschaft, Stadtentwicklung, Umwelt und Verkehr am Dienstag auf keine Gegenliebe, ganz im Gegenteil.

Der Vorstoß des Beirats erinnere an eine Zwei-Klassen-Gesellschaft, echauffierte sich Volker Wrede (CDU). Wenn Vermögende einen Alterswohnsitz in Innenstadtnähe wünschten, könnten sie ja das freie, von der Kreissparkasse verschmähte Grundstück am Gieschen-Kreisel für diesen Zweck erwerben, schlug der Christdemokrat vor. „Wir wollen im Bauernviertel keine Seniorenresidenz für eine elitäre Klientel“, äußerte Wolfgang Heckel (WGA). Aufgrund der „teuren Grundstückssituation“ ließen sich dort allerdings auch keine Sozialwohnungen verwirklichen, merkte Hans Baum (FDP) an.

Aber nicht nur der Wirtschaftsbeirat bekam sein Fett weg, sondern auch die Stadtverwaltung. Es sei schlecht, dass diese einen „fertigen Plan“ für ein „Schlüsselgrundstück“ im Bauernviertel auf den Tisch gelegt habe, ohne sich dabei mit der Politik abzustimmen, kritisierte Petra Geisler (SPD). „Das halten wir für hochgradig unglücklich.“ Gemeint war damit das von einem Investor ersonnene und von der Verwaltung befürwortete Bebauungskonzept für die Hofstelle mit drei Doppelhäusern und zwei Einfamilienhäusern.

Steffen Zorn, Leiter des Fachbereichs für Bauen und Stadtentwicklung im Rathaus, gelobte Besserung und berichtete von „konstruktiven Gesprächen mit dem Vorhabenträger“. Nunmehr liege ein Konzept vor, „dass an die traditionellen baulichen Elemente des Bauernviertels anknüpft und sich in seinem äußeren Erscheinungsbild harmonisch in die dörfliche Umgebung einfügt“.

Der Investor habe zudem signalisiert, der Stadt bei der Lösung des Radverkehrproblems in der Ecke mit dem schmalen Weg entlang des Kopfsteinpflasters der Unterstraße und der gefährlichen Strecke am Berg der Bremer Straße entgegenzukommen. Er könne sich vorstellen, rückwärtige Flächen des Grundstücks an die Kommune zu veräußern. Was ganz neue Perspektiven für den Radverkehr eröffnen würde. Dann könnte der Weg von der Straße Am Werder gleich Richtung Marsch abzweigen und hinter den an der Unterstraße liegenden Grundstücken bis zur Dunkerstraße geführt werden, erläuterte Zorn. Allerdings müsste der Landkreis als Baugenehmigungs- und Wasserbehörde solch einer Route am Rand des Hochwasserschutzgebiets zustimmen. „Auf jeden Fall muss die Bebauungsgrenze Richtung Marsch eingehalten werden“, mahnte Peter Bartram (Grüne).

Der Ausschuss nahm die genannten neuen Entwicklungen wohlwollend zur Kenntnis und unterstützte den Antrag der Gruppe SPD/Mindermann, dass der Fachbereich eine „Bestandsanalyse“ der Bauten im westlichen Teil des Bauernviertels vornehmen solle. Die dabei gewonnenen Erkenntnisse will die Politik dann als Orientierungsmaßstab für die künftige Gestaltung des Areals nutzen. Die Fraktionen waren sich weitgehend darin einig, dass Geschosswohnungsbau oder üppige Villen nicht in das Gebiet passten, sondern „kleinteilige Bebauung“ vorzuziehen sei. Sollten sich Investoren jedoch nicht an die „Ortsrahmenplanung“ halten, müsse eventuell auch über eine strengere Bauleitplanung für das Viertel nachgedacht werden, stellte Ausschussvorsitzender Werner Meinken (SPD) fest.

Auf dem rückwärtigen Teil des Grundstücks könnte ein Radweg angelegt werden.
Sammelsurium von Haustypen: „Wildwuchs“ will die Stadt künftig verhindern. skizze: Stadt

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