Plötzlich horrender Spritverbrauch laut Rechnung / Fahrer verurteilt

5200 Liter Diesel spurlos verschwunden

Achim - Von Manfred Brodt. Ein langer Prozess um länger begangenen Dieseldiebstahl fand nun vor dem Achimer Amtsgericht sein Ende. Angeklagt war der 63-jährige Langwedeler Fahrer eines Speditionsunternehmens aus Syke, das im Auftrag eines weitaus größeren Logistikunternehmens am Bremer Kreuz fährt.

Usus ist, dass die Fahrer auch des Subunternehmens die Laster an einer Tankstelle des Logistikunternehmens in Mahndorf betanken mit Tankkarte und Pin. Das Logistikunternehmen stellt dann später den beauftragten Firmen die Dieselrechnung zu.

Die fiel dann jedoch für den Zeitraum vom September 2013 bis Februar 2014 saftig aus. Auch die Syker Subfirma des 63-jährigen Fahrers und Angeklagten aus Langwedel wunderte sich über die hohen Beträge. Berechnungen ergaben, dass die Laster im Schnitt 30 Liter pro 100 Kilometer verbrauchen, in gewissen Zeiträumen aber 50 Liter und weitaus mehr im Durchschnitt gefressen haben müssen. Oder wo war der Treibstoff verblieben? Auffällig war, dass gewisse in der Rechnung auftauchende Tanktermine im Fahrtenbuch/Tagesprotokoll des Fahrers nicht verzeichnet waren. Deshalb war die Unregelmäßigkeit seiner Firma auch so lange nicht aufgefallen.

Nach dem Verdacht wurde die Polizei auf die Sache angesetzt, und sie fand bei einer Hausdurchsuchung im Carport des Angeklagten aus Langwedel eine mit einer Bohrmaschine betriebene Spritpumpe, einen Benzinschlauch, einen Trichter sowie Dieselflecken vor dem Carport. Einen gefüllten Dieseltank hatte die Polizei allerdings nicht entdeckt.

Weiteres Indiz waren allerdings die Aufzeichnungen des Navigationsgerätes, die auswiesen, dass der Fahrer an mindestens zwei Tagen mit dem Laster mehrere Stunden zu Hause war, obwohl ihm das von seinem Unternehmen untersagt war.

Für die Firma war der Fall klar. Sie kündigte dem Mann fristlos, der nicht gegen die Kündigung vorging.

Klar war die Angelegenheit auch für Staatsanwalt Dieter Freese, der den Dieseldiebstahl als erwiesen ansah und 125 Tagessätze zu 25 Euro als Strafe forderte.

Verteidiger Jan van Legerich aus Bremen dagegen warf der Polizei und der Staatsanwaltschaft vor, einseitig gegen seinen Mandanten ermittelt zu haben und andere Tatverdächtige aus den Augen gelassen zu haben. Er plädierte auf Freispruch.

Richter Matthias Hahn jedoch sah den Angeklagten als überführt an und verurteilte ihn zu 120 Tagessätzen á 25 Euro. Der Angeklagte hatte nach Erkenntnissen des Gerichts immerhin 5200 Liter Diesel abgepumpt und einen Schaden von 6848 Euro angerichtet.

Der Verteidiger kündigte an, in die Berufung zu gehen.

Rubriklistenbild: © dpa

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