Jan Plewka und Marco Schmedtje geben im Kulturhaus rauschendes Konzert-Fest

Heimspiel mit Rio Reiser

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Zwei Männer (Marco Schmedtje, Jan Plewka, v.l.), zwei Flaschen Wein und Hits auf der Gitarre – was will man mehr?

Achim - Von Lisa Duncan. „Kennt ihr das, wenn man nackt durchs Kornfeld läuft?“ – hebt Jan Plewka an, die Herkunft seines Namens zu erklären. „Plew“ sei polnisch und bezeichne die Gerstenfasern, die auf bloßer Haut eben leicht kitzeln, in der Verkleinerungsform „Plewka“ – Gerstenhärchen – genannt. Am Freitagabend gastierte der „Selig“-Frontmann gemeinsam mit seinem Freund und musikalischen Weggefährten Marco Schmedtje im Kulturhaus Alter Schützenhof (Kasch).

Eine Rückkehr nach langer Zeit, denn Plewka, der aus Ahrensburg (Schleswig-Holstein) stammt, hat Achimer Wurzeln: Sein Vater wäre vom örtlichen Fußballverein einst beinahe als Profi zu Werder Bremen gewechselt, wenn seine Mutter es ihm nicht verboten hätte. Eine Anekdote, die Jan Plewka eingangs erzählt, bevor er – um im Bild zu bleiben – sein eigenes Heimspiel rockt.

Schlüssig dabei vor allem die Wirkung, die das Duo gemeinsam auf der Bühne entfaltet: Mit Plewkas Stimme, die von sanft-zerbrechlich bis rebellisch-krakeelend eine beachtliche Bandbreite umfasst, und Schmedtjes rhythmisch-akzentuiertem, in den Solopassagen auch virtuosem Gitarrenspiel. Zwei Männer, zwei Flaschen Wein und ein paar Gassenhauer (O-Ton Plewka: „heute gibt‘s nur Hits“) neu interpretiert – was braucht man mehr für einen tollen Konzertabend völlig frei von quälenden Längen?

Die sonst im Blauen Saal übliche Komplett-Bestuhlung wurde übrigens zugunsten von Sitzkissen in den ersten vier Reihen aufgelöst. Eine weise Entscheidung, da es die Nähe zwischen Band und Publikum begünstigte.

In ihrem Tourprogramm „Between the Bars“ gehen Plewka und Schmedtje nach bewährtem Plan vor: Nach Art eines Wunschkonzerts zieht das Publikum Songtitel aus einem Hut – und bestimmt so die Reihenfolge der Songs. Vielleicht auch ein Modus für Jan Plewka, sich dem Programm, mit dem er schon seit etwa einem Jahrzehnt in Variationen unterwegs ist, jedes Mal von einem anderen Blickwinkel zu nähern. Denn die Musiker überzeugten sowohl in den leisen, meist aus selbst gedichteten Liedern bestehenden Passagen als auch in den mehr auf die kollektive Erfahrung ausgerichteten Hits, wie Simon and Garfunkels „Mrs. Robinson“ oder Rio Reisers „Junimond“.

Wo die Songs aus Schmedtjes Feder durch fein beobachtete Lebensweisheiten („im Käfig des anderen zu sein, fängt uns nicht ein“) brillierten, gab Plewka den Entertainer. Der Vollbartträger ohne Hipster-Attitüden betrat anfangs noch scheinbar verschüchtert die Bühne, brachte seine Bühnenpräsenz aber bald zur vollen Geltung. Und das egal, ob er von Sehnsucht und der Unmöglichkeit von Nähe („War da alles, nur Liebe nicht“) oder über Verzweiflung und Dunkel und „die Sonne, die wieder scheinen wird“ singt. Routiniert und doch glaubwürdig schlüpft er von der Rolle des Romantikers („Für immer und dich/ Per sempre e te“) in die des Kumpels von nebenan. So bittet er seinen Ahrensburger Schulfreund „Chaos“ vom Publikum auf die Bühne, um gemeinsam „Halt dich an deiner Liebe fest“ zu schmettern.

Nach kräftigem Applaus serviert das Duo in gespielt-freudiger Überraschung noch zwei Zugaben (Reisers „Rauchhaus-Song“, unbestrittener Klassiker der Hausbesetzer-Szene, und Plewkas „Lass uns ein Wunder sein“). Und der Saal grölt mit. Wen wundert es da, dass die beiden mit der anschließenden Aufforderung „Kommt ihr noch mit in die Katakomben?“ tatsächlich ernst machen?

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