Plädoyer für mehr Unternehmergeist

Neujahrsempfang der Achimer CDU mit Carsten Meyer-Heder

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Viele bekannte Leute aus Politik und Vereinswesen kamen am Sonntag zum CDU-Neujahrsempfang. Darunter etwa (im Uhrzeigersinn, v.l.) Ehrenbürgermeister Christoph Rippich (SPD), die CDU-Fraktionsvorsitzende Isabel Gottschewsky, Annameta Rippich, CDU-Ratsfrau und Kreisvorsitzende der Landfrauen, der Bremer Landeschef der CDU Carsten Meyer-Heder, MdL Adrian Mohr, Jens Richter, Geschäftsführer der CDU Verden, und MdB Andreas Mattfeldt (Mitte, vorn).

Nur kurz blitzten zwischendurch regionale Bezüge auf, als der Bremer Landeschef der CDU, Carsten Meyer-Heder beim Neujahrsempfang der Achimer Christdemokraten am Sonntagvormittag im Gasthaus „Zur Linde“ (Meyer-Bierden) über Innovationen sprach. Ansonsten konzentrierte sich der IT-Unternehmer und Politik-Neuling auf Angelegenheiten der Hansestadt.

Achim - Zumindest sei ihm das „Umzu“ von Achim nicht gänzlich unbekannt, denn er habe zwei Jahre in Felde gewohnt, erzählte der 58-Jährige. Jedoch sei das Provinzielle auch der Hansestadt nicht ganz fremd, spielte er augenzwinkernd auf das Bremer Bürgerschaftswahlergebnis von 2019 an, bei der die CDU erstmals stärkste Fraktion wurde: „Das war insofern gut, als dass die Bundes-CDU nun weiß, dass es sowas wie Bremen gibt.“ Dass dennoch die alte SPD-Regierung gemeinsam mit der Linken am Ruder ist, nimmt er, so scheint’s, gelassen: „Nachtragend wollen wir auch nicht sein.“

Den Koalitionsvertrag nannte er eine Wunschliste. „Der Mut, strukturelle Veränderungen vorzunehmen, fehlt.“ Für den Haushalt herrsche indes Stillstand, angesichts von Baustellen wie der drohenden Pleite des Klinikverbunds Gesundheit Nord und dem Investitionsstau des Flughafens. Die Stadt unternehme jedoch nichts, um die gute Konjunktur mitzunehmen und Gewerbeflächen zu vermarkten. Als Beispiel für ein gutes, kommunenübergreifendes wirtschaftliches Projekt nannte er Achim-West. „Das ist der richtige Weg.“

„Wir müssen den Mut haben, neuen Technologien und neuen Geschäftsmodellen den Vorrang zu geben“, argumentierte er unternehmerisch. Generell plädierte er für „Entscheidungen und keine Grundsatzdebatten“. Wirtschaftswachstum habe für die „Fridays-for-Future“-Generation keine Priorität – zu unrecht: „Das ist leicht zu sagen für jemanden, der alles hat.“ Bremen müsse mehr vorausdenken, zum Beispiel bei der Digitalisierung in der Bildungspolitik. Da seien andere Länder weiter. „Während wir diskutieren, schaffen andere Fakten. Wir müssen uns vor die Welle stellen“, so Meyer-Heder.

„Ich weiß nicht, wie Politik geht“, gab Carsten Meyer-Heder zu, aber er sei bereit, Verantwortung zu übernehmen und dazuzulernen.

Eine andere Fehlerkultur zu entwickeln, sei hilfreich. „Wenn ich zehn Sachen mache und drei sind falsch, habe ich immer noch – na, wie viele? – sieben richtig gemacht.“ Es sei bsser, etwas zu starten und nachzusteuern, wenn es nicht funktioniert, als gar nicht zu handeln. In Sachen Klimaschutz und Energiepolitik, Gesundheit und Bildung plädierte er für neue Technologien.

Im Umgang mit sozialer Ungleichheit sei das – einst von SPD-Kanzler Gerhard Schröder postulierte – „Fördern und Fordern“ immer noch das richtige Prinzip, fand der Bremer und zitierte dazu die Vorsitzende der Bundes-CDU, Annegret Kramp-Karrenbauer: „Wohlstand ja, aber nicht pauschale Wohlfahrt für alle.“ Die gleiche Linie vertritt offenbar Martin Puls, Vorsitzender des CDU-Stadtverbands Achim. Das hatte er in seiner Rede zuvor betont: „Umverteilung klingt gut, aber dadurch muss man anderen nicht wegnehmen, was sich erarbeitet haben. Diesen Weg muss jeder für sich selber gehen.“

Martin Puls, CDU-Stadtverbandsvorsitzender.

Puls, der den Neujahrsempfang zum ersten Mal moderierte, stellte ansonsten seine eigene Vita vor dem Hintergrund der Klimadebatte dar. In seinem Geburtsjahr 1970 wurde in den USA der erste „Earth Day“ veranstaltet, bei dem bis dato 200 Millionen Menschen auf die Straße gingen. Im Vergleich: Seit Beginn der „Fridays-for-Future“- Bewegung hätten bislang 1,8 Millionen Bürger demonstriert. „Seit 50 Jahren erfährt das Klima Beachtung, aber erst seit Kurzem medial“, resümierte Puls. Er selbst habe noch eine Zeit jenseits von Smartphones und Wegwerfgesellschaft erlebt, als „Milch noch vom Bauern geholt und Socken gestopft“ wurden. Der Pauschalvorwurf, dass gerade Ältere sich klimaschädlich verhielten, stimme daher nicht. Prinzipiell verdiene das Thema Klima weiterhin Beachtung: „Es muss medial weiter bedient werden, sonst verschwindet es wieder aus den Köpfen.“

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