Vergewaltigungsprozess: Vernehmung des Opfers zieht sich hin

Pikante Fragen der Verteidigung

Achim/Verden – Während der 37 Jahre alte Angeklagte, der sich in einem Vergewaltigungsprozess am Landgericht Verden verantworten muss, von seinem Schweigerecht Gebrauch macht, hat das Opfer bereits an drei Verhandlungstagen aussagen müssen. Und die Befragung der 38-Jährigen ist noch immer nicht abgeschlossen.

In der Nacht zum 8. September 2019 soll der Angeklagte die damalige Lebensgefährtin seines Bruders in ihrer Wohnung wiederholt zu sexuellen Handlungen gezwungen haben. Spätabends soll der Angeklagte bei der Frau aufgetaucht sein. Unstrittig ist bislang, dass sie alleine in der Wohnung war. Gestern verlesene molekularbiologischen Gutachten des niedersächsischen Landeskriminalamtes sprechen für einen sexuellen Kontakt. Es wurden Abstriche bei der Nebenklägerin und dem Angeklagten genommen.

Diese „DNA-Geschichten“ würden „nicht die entscheidende Rolle spielen“, merkte ein Verteidiger anschließend an und begründete dies mit der „Spontanauskunft“, die sein Mandant am nächsten Morgen bei einer Polizeidienststelle seines damaligen Wohnortes Bremen gemacht habe.

Was der 37-Jährige bei der Polizei ausgesagt hat, wurde noch nicht thematisiert. Er hatte sich freiwillig gemeldet. Dass die Polizei nach ihm suchte, war ihm bekannt. Dies ergibt sich aus gestern verlesenen Whatsapp-Nachrichten, die er und die Ehefrau eines anderen Bruders sich geschickt hatten.

In ihrer bisherigen Aussage, die von einer Dolmetscherin übersetzt wird, hat das Opfer an den Vorwürfen festgehalten. Der Angeklagte habe ihr während der Tat vorgehalten, einen seiner Brüder mit der Ablehnung eines Heiratsantrages „erniedrigt“ zu haben. Er habe ihr gesagt, dass sie den Bruder heiraten und so schnell wie möglich Kinder bekommen solle, so die Aussage der 38-Jährigen.

Einer der beiden Verteidiger kündigte einen Fragenkatalog mit mehr als 100 Fragen an, und dieser ist längst noch nicht abgearbeitet. Insbesondere interessieren sich die Anwälte dafür, was die Nebenklägerin über die Beziehung des Angeklagten zu seiner Ehefrau weiß. Wann und bei welcher Gelegenheit sie die Frau kennengelernt habe, was sie über die Sexualpraktiken der Eheleute wisse. „Ich will alles wissen“, betonte einer der Anwälte. Und so kam auch zur Sprache, dass der Angeklagte seiner Tochter mal in die Schulter gebissen haben soll und „nicht immer lieb“ zu seiner Frau gewesen sei.

Die Nebenklägerin beantwortete die Fragen mit beachtlicher Geduld. Doch auch der zweite Verteidiger hat reichlich Fragen und so reichte die Zeit auch am vierten Verhandlungstag nicht für den Abschluss der Befragung aus. Diese soll nun Ende April fortgesetzt werden.  wb

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