Erspartes aufgebraucht

Auszug droht: 96-Jährige kann Platz im Pflegeheim nicht mehr bezahlen

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Entsetzt: Elfriede Ullrich mit ihrer Mutter Irene Weigt.

Eine 96-jährige Frau aus Achim droht der Rauswurf aus dem Pflegeheim: Sie kann die Kosten dafür nicht mehr zahlen, weil ihre Ersparnisse aufgebraucht sind.

  • 96-Jährige lebt seit sechs Jahren in Seniorenresidenz in Achim
  • Ersparnisse der Seniorin sind aufgebraucht
  • Heimleitung ist zu keinem Entgegenkommen bereit

Achim - Die Aufgabe der eigenen Wohnung und der Umzug ins Seniorenzentrum ist für die allermeisten schon schlimm genug. Oft kommen aber auch noch finanzielle Probleme hinzu. Denn ein Platz im Pflegeheim kostet eine Menge Geld.

Die Seniorenresidenz am Paulsberg ist zu keinem Entgegenkommen bereit.

Mitunter treten unerwartete Finanzierungslücken auf, so wie bei Irene Weigt, die seit sechs Jahren in der Seniorenresidenz am Paulsberg in Achim lebt. „Jetzt sind die Ersparnisse meiner Mutter aufgebraucht. Ihre Rente reicht nicht aus, um den Heimplatz im vollen Umfang zu bezahlen“, erzählt ihre Tochter Elfriede Ullrich. „Und mein Bruder und ich sind auch nicht in der Lage, etwas beizusteuern.“ Ullrich ist fassungslos: „Meiner 96-jährigen, dementen Mutter droht der Auszug.“ Aber wie kann das sein?

Das Problem seien die sogenannten Investitionskosten für das „Komfortzimmer“ in Höhe von 26 Euro pro Tag. Zusammen mit dem Eigenanteil für die Pflege, Unterkunft und Verpflegung belaufe sich der jeden Monat zu zahlende Betrag auf knapp 1 900 Euro. Generell steigen die Kosten für Pflegeheime in Deutschland immer weiter. Das Problem ist dabei nicht regional begrenzt. So verkündete Anfang 2020 auch ein Seniorenheim aus Diepholz, den finanziellen Eigenanteil für die Pflege zu erhöhen.

Pflegeheim in Achim lehnt Bitte der Seniorin ab

Leider habe die Seniorenresidenz am Paulsberg in Achim ihre Bitte abgelehnt, die im Ermessen des Heims liegende Höhe der Investitionskosten zu senken, berichtet Ullrich. Einrichtungsleiterin Kerstin Buchholz wollte sich zu der Angelegenheit auf Nachfrage dieser Zeitung nicht äußern.

Bernd Dannheisig, Leiter der Sozialbehörde beim Landkreis Verden, zeigte sich dagegen auskunftsfreudig. „Der Gesetzgeber hat zugelassen, dass die Heime unterschiedliche Investitionssätze in Rechnung stellen dürfen“, klärt er auf und übt damit leise Kritik an der „großen“ Politik.

Empfehlung des Landkreises Verden: Auf Heimleitung zugehen

Für Sozialhilfeempfänger schließen die Einrichtungen und die Sozialbehörde nach seinen Angaben Vergütungsverträge. Dabei liege der Investitionsbetrag zwischen 14 und 16 Euro pro Tag. Für Selbstzahler wie Irene Weigt könnten die Heime jedoch höhere Kosten in Rechnung stellen, „meist sind das um die 18 Euro“. 

Und auch, wenn die Bewohnerin, wie in diesem Fall, plötzlich nicht mehr über die nötigen Mittel verfüge, sei es unzulässig, die finanzielle Lücke über Sozialgeld zu stopfen, informiert Dannheisig. Angehörige könnten einen Beitrag leisten, gesetzlich verpflichtet seien sie dazu nicht. „Wir empfehlen den Leuten, auf die Heimleitung zuzugehen, um sich auf geringere Kosten zu einigen. Manche Einrichtungen machen das, andere nicht.“

Aufnahmestopp bei anderen Seniorenzentren in Achim

Eine andere Möglichkeit wäre, nach einer alternativen Unterbringung in einem Pflegeheim zu suchen. Die Tochter von Irene Weigt hat das gemacht. „Das Awo-Seniorenzentrum an der Leipziger Straße wäre zu einem finanziellen Entgegenkommen bereit“, sagt Elfriede Ullrich. „Allerdings gibt es dort derzeit einen Aufnahmestopp, weil Pflegekräfte fehlen.“ Das Phänomen des Fachkräftemangels in Pflegeheimen ist im gesamten Landkreis Verden bekannt. So können Einrichtungen teilweise nicht ausgelastet werden, weil Fachkräfte fehlen.

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