Pfarrer Busche verlässt St. Matthias / Kein Nachfolger / Laien sollen einspringen

Glaube an „pfiffige Achimer“ und Kirche, die sich einmischt

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Pfarrer Guido Busche nimmt in diesen Tagen auch Abschied von seinem Kräutergarten hinter dem Pfarrhaus.

Achim - Von Michael Mix. Der katholischen Kirchengemeinde St. Matthias steht ein Einschnitt bevor, der in ihrer 59-jährigen Geschichte einmalig ist. An diesem Sonntag wird nicht nur Pfarrer Guido Busche feierlich verabschiedet, sondern es gibt in Achim auch keinen Nachfolger mehr. Vom 1. August an wird St. Matthias von Verden aus geleitet, und Laien sollen vor Ort vieles erledigen.

In einem Interview mit dieser Zeitung blickt Busche bedingt optimistisch auf diesen „neuen Weg“ und hält es angesichts von wachsenden sozialen Spannungen in Deutschland und der Welt für „notwendig, dass die Kirche politischer werden muss und sich an die Seite der Benachteiligten stellt“.

Herr Busche, Sie feiern an diesem Sonntag um 15 Uhr in einem Festgottesdienst in der St.-Matthias-Kirche auch ihr 25. Priesterjubiläum. Die Hälfte dieser Zeit, also zwölfeinhalb Jahre, waren Sie Pfarrer in Achim. Mit welchen Gedanken und Gefühlen verlassen Sie die St.-Matthias-Gemeinde?

Ein Stück Abschiedsstimmung und Wehmut sind natürlich da. Ich spüre, dass ich hier verwurzelt bin, ich habe mich in Achim wohl gefühlt. Ich hatte hier viele gute Begegnungen und Erfahrungen.

Auf ihrem Weg als Geistlicher machen Sie nun „den nächsten Schritt“, wie im Gemeindebrief zu lesen ist. Wohin führt er Sie?

Am 9. September ist für mich Neustart in St. Marien in Soltau. Zu der Gemeinde mit knapp 4000 Katholiken gehört auch eine Filialkirche in Schneverdingen.

Sie sind vermutlich der letzte katholische Seelsorger in Achim mit dem Status eines Pfarrers. Künftig wird der Verdener Propst Bernd Kösling rechtlicher Leiter der St.-Matthias-Gemeinde. Einen Großteil der Arbeit vor Ort sollen nach dem Willen der Bistumsleitung in Hildesheim aber Laien verrichten. Was heißt das für die Zukunft von St. Matthias, insbesondere im Hinblick auf den Zusammenhalt der 5000 Katholiken in dem weitläufigen Gebiet von Ottersberg bis Thedinghausen? Kann das nach Ihrer Einschätzung gut gehen?

Ich sehe ein großes Potenzial von mehr als 100 Leuten, die bereit sind, sich zu engagieren. Die Laien sollen vor allem Wortgottesdienste halten und Beerdigungen einschließlich Trauerbegleitung übernehmen. Aber die meisten sind natürlich auch schon durch das Berufs- und Familienleben stark eingespannt, insofern könnte es auf Dauer schwierig werden. Ohne die Unterstützung der hauptamtlichen Kräfte geht das nicht. Propst Kösling, ein neuer Kaplan, unser Diakon Hend-rik Becker und die beiden Verdener Gemeindereferentinnen werden künftig im ganzen Kreis tätig sein.

Es gibt kleinere Gemeinden als St. Matthias in der Diözese Hildesheim, die weiterhin über einen eigenen Pfarrer verfügen. Warum trifft es gerade die katholischen Christen in Achim?

Angesichts des Priestermangels hat die Bistumsleitung nach Gemeinden Ausschau gehalten, die stark genug sein könnten, auch ohne einen „Hirten“ im Pfarrhaus klar zu kommen. Und die Katholiken in Achim zeigen sich selbstbewusst, selbstständig, pfiffig.

Zunehmend können Menschen mit dem Glauben nichts mehr anfangen, lassen ihre Kinder ungetauft, wenden sich nach Skandalen in der Institution Kirche von dieser ab. Welche Zukunft hat sie noch?

Die Kirche wird nicht mehr Massenbewegung wie noch vor 50 Jahren sein, sondern eine Gemeinschaft der Überzeugten. Darin sehe ich eine Chance. Es kommt ja nicht auf die Zahl an.

Auf der anderen Seite suchen in Zeiten des Materialismus, der Profitgier, der Arbeitsverdichtung und der damit oft dramatisch einhergehenden seelischen Leere immer mehr Menschen nach Spiritualität und dem Sinn des Lebens und sehen in Papst Franziskus einen Hoffnungsträger. Er fordert eindringlich eine Rückbesinnung auf christliche Werte wie Nächstenliebe, Solidarität, soziale Gerechtigkeit, Frieden, Bewahrung der Schöpfung – und tritt damit Mächtigen auf die Füße. Begrüßen Sie diese Haltung?

Der Papst ist eine Kristallisationsfigur, die wichtige Fragen anspricht und sich an die Seite der Armen und Benachteiligten stellt. Er steht für eine Kirche, die bereit ist, sich auch mal schmutzig zu machen, sich einzumischen. Und das ist gut so.

Die Welt steht in weiten Teilen in Flammen: so viele Kriege und Flüchtlinge wie seit 70 Jahren nicht mehr, Bedrohung durch Terror, Klimawandel, Umweltzerstörung, wachsende ökonomisch-soziale Kluft zwischen und innerhalb von Staaten. Ist die Welt noch zu retten und kann die katholische Kirche dazu beitragen?

Ich bin da etwas pessimistisch. Dekadenz richtet sich selbst. Aber es gibt auch ermutigende Zeichen wie die Unterstützung der Flüchtlinge durch weite Teile der Bevölkerung. Und Kirche ändert sich nicht von oben, sondern eher von unten.

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