Training beim Lauftreff des TSV Achim

Peter Böhm erfüllte sich mit 65 den Traum vom Deutschlandlauf

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Die Sportkameraden vom Lauftreff des TSV Achim sind stolz auf Extremsportler Peter Böhm (stehend, 5.v.l.), der zum 65. Geburtstag gerade seinen 100. Marathon vollendet und den Deutschlandlauf 2017 bewältigt hat.

Achim - Er wollte in die Berge – das war vor 15 Jahren Peter Böhms Motivationsgrund, um überhaupt mit dem Lauftraining zu beginnen. Kurz zuvor hatte sich die Mannschaft des einstigen Handballers aufgelöst. Darunter litt die Kondition, sodass sich Böhm eine mit Bekannten geplante Gebirgswanderung so ganz ohne Vorbereitung nicht zutraute. Also schloss er sich dem Lauftreff des TSV Achim an.

Nun hat Böhm bereits seinen 100. Marathon hinter sich. Nicht nur das: Er schloss mit dem Deutschlandlauf 2017, von Sylt bis zur Zugspitze, pünktlich zu seinem 65. Geburtstag ein Extremsport-Projekt ab, das ihn erneut – wenn auch auf die harte Tour – in die Berge führte.

Nur 155 Läufer haben Deutschlandlauf bisher erfolgreich absolviert

In der Geschichte des Deutschlandlaufs, der zuletzt 2010 veranstaltet wurde und stets eine andere Route nimmt, schafften es bislang nur 155 Läufer von Anfang bis Ende. Und Böhm gehört nun ebenfalls zu diesem exklusiven Club. Im Juli waren 61 Läufer gestartet – Anfang August erreichten 41 das Ziel. Böhm erlangte Platz 34.

1324 Kilometer in 19 Etappen – als erfahrener Marathonläufer wusste Böhm: „Auf diesen Lauf kann man sich nicht vorbereiten.“ Er versuchte es trotzdem, indem er im September 2016 am fünftägigen Schwarzwaldlauf teilnahm.

Peter Böhm am Ziel des Deutschlandlaufs 2017, der ihn von Sylt bis zur Zugspitze führte.

Am 16. Juli 2017 startete der Deutschlandlauf auf Sylt. „Der Busfahrer bekam eine Sondergenehmigung, damit er uns bis zum Ellbogen, zur Inselspitze, mitten ins Naturschutzgebiet bringen konnte“, erzählt Böhm. Im strömenden Regen holten sich viele bereits am ersten Tag Blasen an den Füßen.

Doch die erste Krise befiel Peter Böhm erst am dritten Tag: Die zweite Etappe war mit knapp 86 Kilometern eine der längsten gewesen, Böhm war mit 12 Stunden und 27 Minuten deutlich langsamer gelaufen, bekam aber dennoch einen dicken Knöchel und auch sein Schienbein „meldete“ sich. Trotzdem wollte er weitermachen. „Aufhören kannst du nur einmal“, sagte er sich.

Pausen? Weitergehen!

Vielleicht motivierte ihn auch das, was dann kam: Nach vielen Baustellen und Umleitungen erwarteten ihn auf der Strecke von Hamburg nach Rotenburg einige Freunde vom Lauftreff, um ihn ein Stück zu begleiten und zu seinem 100. Marathon zu gratulieren. „Da hab ich sogar ein Glas Sekt getrunken, auch wenn ich sonst nichts nehme“, erinnert sich der Sportler an den großen Moment.

An den Verpflegungsstationen, die alle zehn bis zwölf Kilometer warteten, gewöhnte er sich aber ziemlich bald ab, Pausen einzuplanen. Stattdessen griff er sich, was da war und verleibte es sich im Weitergehen ein. Mal ganz abgesehen davon, dass in der Sonne zerflossene Schokoriegel ohnehin kein großes Geschmackserlebnis versprechen, musste er sich auch an einen Zeitplan halten: Maximal 12 Minuten pro Kilometer waren Pflicht.

Die Sportler vom Achimer Lauftreff besuchten Peter Böhm unter anderem bei seiner Etappe durch Verden.

Oft war Böhm einer der Letzten, die abends eintrafen, sodass er froh war, in der Herberge, meist umfunktionierte Turnhallen, noch etwas zu Essen zu bekommen. Sein Sohn Timo Böhm kam bei einigen Stationen ins Quartier, um das Feldbett für den Vater aufzubauen. „Das macht schon einen Unterschied beim Aufstehen, ob man sich hinsetzen kann oder vom Boden erst mühsam aufrichten muss“, sagt der Achimer.

Auch „Mitläufer“ besuchten ihn: Auf der Strecke von Werne nach Solingen (Etappe 8) liefen die Lauftreff-Kollegen Monika Tangemann und Torsten Schwarz einige Kilometer mit und feuerten ihn an.

Böhm blieb dran und erlebte viel Kameradschaft auf seiner Reise. Je länger die Läufer gemeinsam unterwegs waren, desto größer wurden Rücksicht und Hilfsbereitschaft, stellt Böhm fest. Auch Freundschaften entstanden. Je weiter er nach Süden kam, desto schöner wurde außerdem die Landschaft. „Besonders die schwäbische Alb und das Alpenvorland waren supertoll“, schwärmt er.

Muskelkater weicht nach wenigen Tagen

Muskelkater verspürte Peter Böhm zwar schon nach vier Tagen nicht mehr, dafür aber immer wieder Schmerzen in den Gelenken. „Besonders schlimm war es kurz vor dem Ziel: Ich musste lange gehen, Knie und Füße waren dick und ich habe mich geärgert.“ Böhm war nicht der einzige, der litt: Bevor die verbliebenen 41 Läufer die letzte Etappe in Angriff nahmen, stimmten sie daher ab, dass der Lauf nicht, wie geplant, auf der Terrasse der Zugspitze, sondern am Sonnalpin enden sollte. Dort endet die Zahnradbahn und die Strecke, die dann folgt, ist eine Schwarz markierte Wanderroute, die alpine Fähigkeiten erfordert. Sprich: Mehr Klettern als Wandern. Gemeinsam mit zwei anderen Läufern bildete der Einzelläufer eine „Allianz“ für die letzten Kilometer und so ging er einen Tag vor seinem 65. Geburtststag ins Ziel.

Böhm, der nach dem Deutschlandlauf bei Marathon Nummer 114 angelangt ist, möchte künftig nur noch Ultramarathon laufen. Denn solche Kameradschaft und Hilfsbereitschaft habe er beim „normalen“ Marathon nicht erlebt.

Nun ist aber erstmal Pause angesagt. Die genoss er mit seinen Sportkameraden vom Lauftreff am Montag bei Grillwurst und kühlen Getränken im Vereinsheim am Freibad. Und, sobald die Schmerzen abgeklungen sind, läuft er montags um 18.30 Uhr auch wieder mit. 

ldu

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