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Pawel Matura bringt Hilfsgüter ins Kriegsgebiet

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Von: Lisa Duncan

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Den Teddybären hatte Pawel Robert Matura als Maskottchen im Auto – doch bei dem kleinen Mädchen und seinem Großvater schien er ihm am Besten aufgehoben.
Den Teddybären hatte Pawel Robert Matura als Maskottchen im Auto – doch bei dem kleinen Mädchen und seinem Großvater schien er ihm am Besten aufgehoben. © Matura

Pawel Matura bringt fast wöchentlich Hilfsgüter ins Kriegsgebiet und kooperiert mit einer Kirche in Luzk.

Achim – Der Krieg in der Ukraine und seine Folgen, die Not leidende Bevölkerung, lassen den gebürtigen Polen Pawel (Paul) Robert Matura buchstäblich nicht schlafen. Der Bremer, der in Achim beim Autoverwerter Behnke arbeitet, traf deshalb eine radikale Entscheidung: Seit Kriegsbeginn fährt er fast wöchentlich bis in die Region Donezk/Mariupol, um den Menschen mittels Spenden aus Deutschland direkt vor Ort zu helfen. „Ich will nicht einfach nur zugucken. Wenn ich helfen kann, helfe ich“, lautet seine simple Begründung für das sehr weitgehende Engagement.

Um sicherzugehen, dass die Hilfe bei den Menschen ankommt, die ihm zufolge das Land aus guten Gründen nicht verlassen können („die Kinder, die älteren Frauen und Männer“), arbeitet er mit Freunden aus der Ukraine und der Christlichen Kirche „Das Evangelium des Pfingsten Glaubens“ im Dorf Tsuman in der Region Wolhynien, Bezirk Luzk, zusammen. „Anderen Organisationen oder Privatleuten vertraue ich nicht so. Bei Kirchen weiß ich: Was da ankommt, das geht auch weiter“, sagt er. Laut Matura sammelt die Kirche Nahrungsmittel sowie Kleidung und bereitet täglich Backwaren zu, um diese in den vom Krieg besonders betroffenen Gebieten zu verteilen.

In Achim und umzu hat sich Matura bereits ein Netzwerk aufgebaut. Für seine Sammlungen ist er außerdem in Bremen, Rotenburg und Verden aktiv. Eine Kooperation mit dem Lions-Club Rotenburg ist im Aufbau, für die DRK-Kleiderkammer in Scheeßel hat er schon Hilfslieferungen gefahren.

Ein Unterstützer, der ihn auf seiner nächsten Tour am Freitag zumindest bis an die polnische Grenze begleiten wird, ist Sebastian Steimel. Der Verdener hat sich an die Kreiszeitung gewandt, um dem Engagement von Pawel Matura mehr Öffentlichkeit zu verschaffen. Matura wolle sichergehen, „dass die Hilfe wirklich dort ankommt, wo sie gebraucht wird und nicht in zum Teil korrupte Hände gelangt“, sagt Steimel. Darum bringe er „jegliche Freizeit zum Sammeln der Hilfsgüter auf“. Inzwischen fahren sie gemeinsam herum und fragen bei Landwirten und in Geschäften nach Spenden. Außerdem haben sie diverse Sammelstellen eingerichtet.

„Es gibt Leute, die kenne ich gar nicht, aber sie geben Sachen bei mir ab“, erzählt Pawel Matura. Gebraucht würden Sachspenden, in erster Linie Verbandsmaterialien, Medikamente, Gehhilfen, Rollatoren, Rollstühle und Brillen, haltbare Lebensmittel, Babynahrung, Getränke, Nahrungsergänzungsmittel, Hygieneartikel, Kerzen, Taschenlampen, Batterien, Schlafsäcke, Isomatten, Matratzen, Bettwäsche sowie Winterjacken und Stiefel für Herren.

Ahnungslos blickt dieser kleine Ukrainer, den Pawel Matura hier auf dem Arm hält, in die Welt.
Ahnungslos blickt dieser kleine Ukrainer, den Pawel Matura hier auf dem Arm hält, in die Welt. © Privat

Zur Ukraine hat Pawel Matura seit Längerem Verbindungen. Schon während der Schulzeit in Bremen – Matura wurde in Polen geboren, als er zwei Jahre alt war, zog er mit den Eltern nach Deutschland – entstanden Freundschaften zu Ukrainern. Da sich polnisch und ukrainisch sprachlich sehr nahe seien, übernahm Matura auch an seinem Arbeitsplatz die Verkaufsgespräche mit ukrainischen Kunden. Zudem reiste er ans Schwarze Meer, um dort Urlaub zu machen. Er begann sogar, russisch zu lernen und kann sich mittlerweile gut verständigen. Eine Fähigkeit, die ihm nun sehr nützlich ist. Denn auch mit russischen Soldaten müsse er manchmal verhandeln, um heil ans Ziel zu gelangen.

Die gesammelten Spenden nur bis nach Polen zu bringen, könne die Wirkung der Hilfe verpuffen lassen, weiß Matura. „Die Sachen nimmt doch keiner mit an der polnischen Grenze“, sagt er. Die Flüchtenden hätten andere Sorgen, wenn sie die Grenze passieren und die Menschen in den umkämpften Gebieten erreiche die Hilfe nicht. „Man muss die Sachen reinbringen ins Land und wirklich da in die Nähe von den Kriegsgebieten“, erklärt er. Auch über Ostern legte Matura die etwa 2600 Kilometer in den Donbass zurück – „Macht der Krieg etwa Pause?“, sagt er. Zuletzt verbrachte er eine ganze Woche dort und half der Kirchengemeinde, die Sachspenden in den Dörfern zu verteilen. „Mir ist es schwergefallen, wieder zu fahren. Ich hatte das Gefühl, ich lass die Leute im Stich.“

Auch wenn er schon brenzlige Situationen erlebt hat – einmal war er mit seinen ukrainischen Freunden an einer Tankstelle, die unter Beschuss stand – hat er nach eigenen Angaben keine Angst auf seinen Touren. Abseits der Kriegsbedrohung überwiegt bei Pawel Matura die Zuversicht: „Durch diese ganze Helferei habe ich so viele nette, herzliche Menschen kennengelernt.“ Zum Beispiel Sebastian Steimel, der seinen Arbeitgeber, den Verdener Maschinenbauer Thom, zu Engagement motivierte und zu Matura Kontakt aufnahm. Seitdem bringt Steimel die bei Thom gesammelten Hilfsgüter nach Achim. Zudem hat er einen Flyer entworfen, um mehr Menschen, unter anderem Unternehmen, als Spender zu gewinnen. So wäre ein eigener Kleinbus zur Verteilung der Hilfsgüter nützlich. Bislang nutzt Matura einen von der Kirche in Luzk geliehenen Bus und auch die Verteilung läuft mithilfe von Privatautos. Zumindest Kontakte bestehen schon zu hilfsbereiten Unternehmen: Zunächst befand sich die Achimer Sammelstelle nach Absprache mit dem Chef auf dem Gelände der Firma Behnke. Seit etwa einem Monat ist sie an zentraler Stelle auf dem Desma-Gelände.

Der Transporter, den Pawel Matura für den Hilfskonvoi nutzt, ist eine Leihgabe von der ukrainischen Kirche.
Der Transporter, den Pawel Matura für den Hilfskonvoi nutzt, ist eine Leihgabe von der ukrainischen Kirche. © Matura

Sammelstellen und Kontakt

Achim: Desma-Gelände, Montag bis Freitag von 15-18 Uhr, Rotenburg: Königskamp, Montag bis Mittwoch von 16-18 Uhr, Verden: Abholung nach Absprache.

Pawel Robert Matura ist über Telefon 0176/63324976 erreichbar.

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