Nach Hüft-Operation

Patientin vermutet Ärztepfusch in der Aller-Weser-Klink

Nach einer Hüft-Operation sei das linke Bein drei Zentimeter länger, klagt eine Patientin aus Ottersberg.

Achim - Von Lisa Duncan. Als sie am 11. Januar aus der Narkose erwachte, war noch alles in Ordnung. Nach einem Sturz hatte die 71-jährige Erika B. aus Ottersberg am linken Bein eine Oberschenkelhalsfraktur. In der Aller-Weser-Klinik (AWK) Achim erhielt sie in einer Notoperation ein künstliches Hüftgelenk. Vier Tage später dann der Schock: Der linke Oberschenkel war seit der OP länger – drei bis vier Zentimeter, wie sie schätzt. Sie wirft dem Chirurgen, der die Operation durchführte, Ärztepfusch vor.

„Das habe ich bei der Visite auch gesagt“, erklärt die Frau, die zudem schildert, seit Jahren unter Umwelterkrankungen und anderen Beschwerden zu leiden. „Und nun auch noch das Bein!“, sagt die 71-Jährige, die über „unwahrscheinliche Schmerzen in der Muskulatur“ klagt, „ob Sitzen, Stehen, Gehen oder Liegen“. Schmerzmittel würden nicht helfen. Erst als sie das Bein wieder belasten konnte, stellte sie die unterschiedlichen Längen fest: „Ich habe zufällig im Sitzen auf meine Knie geschaut und es gesehen.“

Ihr Ehemann habe vergeblich versucht, den Chirurgen zur Rede zu stellen. Der Arzt will nicht ausschließen, dass er ein Gespräch abgelehnt hat, verweist aber auf die Möglichkeit, seine Sprechstunde zu nutzen.

„Völlig normales Risiko“

Um den Unterschied auszugleichen, verschrieb das Krankenhaus eine Absatz-Erhöhung von 0,5 Zentimetern. Später kam noch eine Schuheinlage von einem Zentimeter dazu.

Da dies nicht ausreichte, und die Klinik nicht tätig wurde, bestellte Ehemann von Erika B. im Internet eine weitere Absatz-Erhöhung. An die Krankenkasse schrieb er eine Beschwerde-E-Mail. „Die haben mir am Telefon gesagt: Drei Zentimeter sind normal“, schildert Erika B.

„Das ist ein völlig normales Risiko bei Eingriffen in diesem Bereich“, sagt Dr. Stephan Sehrt, medizinischer Direktor in der AWK Achim. Die Patientin hat die behandelnden Mediziner von der ärztlichen Schweigepflicht entbunden. Es handle sich um eine OP, die gemäß der Qualitätssicherung an deutschen Krankenhäusern innerhalb von 24 Stunden erfolgen müsse. „Die Komplikationen des Nicht-Operierens sind hier größer als die Komplikationen des Operierens.“

„Das ist ein Notfall“ 

Dr. Aleksej Ott, leitender Oberarzt bei der AWK, hat die OP vorgenommen und ist derselben Auffassung: „Das ist ein Notfall, es muss operiert werden.“ Für eine Hüft-OP bestehen laut Dr. Ott zwei Optionen: Nagelung oder Einsetzen einer Endoprothese aus Metall (Titan und Kobalt). In diesem Fall war der Bruch so kompliziert, dass nur, die zweite Option, ein künstliches Hüftgelenk, infrage kam. Um das Bein in das Metallgelenk einzupassen, gibt es verschiedene Kopflängen, schildert der Arzt. „Ich habe zunächst einen kleinen Kopf probiert, aber der hat nicht ausgereicht.“ Wenn die Verbindung keine ausreichende Spannung hat, könne das Bein sich verrenken oder schlimmstenfalls wieder aus der Fassung herausspringen. Um einen besseren Sitz zu gewährleisten, wählte der Arzt ein Hüftgelenk mit dem nächstgrößeren Kopf.

Stelle für Beschwerdemanagement

Nach der OP stellte der Arzt anhand von Röntgenaufnahmen einen Beinlängenunterschied von eineinhalb bis zwei Zentimetern fest. „In dem Fall verschreibt man erst eine kleinere Schuheinlage. Wenn das nicht ausreicht, verschreibt man mehr“, erklärt Dr. Ott. Dass der Unterschied jedoch drei Zentimeter betragen soll, glaubt der Chirurg nicht: „Ich weiß nicht, woher diese Aussage kommt.“ Die Patientin müsse unter massiven Muskelschmerzen leiden, weil das Muskelgewebe versuchen würde, die Differenz auszugleichen.

Die AWK hat schon vor Jahren eine Stelle für Beschwerdemanagement eingerichtet, die zuletzt 2015 überarbeitet wurde, so Dr. Stephan Sehrt. Seitdem gibt es auch eine Patienten-Fürsprecherin, an die sich unzufriedene Patienten wenden können. Darüber werde vor jedem operativem Eingriff informiert. Die Patientin aus Ottersberg habe sich an keine der beiden Stellen gewandt und schlug auch ein späteres Gesprächsangebot seitens der AWK aus.

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