„Passmaauf“-Ausstellung von Lothar Bührmann

Karikaturen entstellen bis zur Kenntlichkeit

Achim - Von Bernd Hägermann. Lothar Bührmann mag sich künstlerisch nicht beschränken. Großflächige Arbeiten mit Silikonauftrag und reliefartiger Wirkung gehören ebenso zu seinem Gesamtwerk wie die pointierte Karikatur. Im letztgenannten Genre ist Bührmann ein Meister der Verknappung, der mit wenigen Strichen weltanschauliche Ideologien oder Personen humorvoll bis bissig, aber erhellend kennzeichnet - nicht vordergründig, sondern stringent.

Wenn sich beispielsweise im Nachnamen von Siegmund Freud eine Couch streckt oder eine unbequem anmutende Korsage, lange Lieblingsklamotte von Madonna und erdacht von Gautier, dann ist Bührmann ganz auf der Höhe zeichnerischer und thematischer Komprimierung.

Lothar Bührmann strebt in seinen Arbeiten zum Gleichgewicht zwischen erklärendem Detail und Hintersinn. Auf die Literatur übertragen gleichen seine Karikaturen einem Haiku, mithin kunstvollen Miniaturen, die nicht viel Raum beanspruchen, jedoch kompromisslose Qualität. Die erste Jahresausstellung von Kunstverein und Verein „Haus Hünenburg“ fügt sich in dieses Bild. Dabei birgt der Ausstellungstitel „Passmaauf“, unter dem neue Arbeiten gezeigt werden, mindestens zwei Deutungsmöglichkeiten: Er kann mit seinen anschaulichen Beispielen verstanden werden als wohlmeinende Bitte um Aufmerksamkeit, aber genauso als unmissverständliche Grenzziehung.

Zur Ausstellungseröffnung sprach Rainer B. Schossig. Der Kunstkritiker und Hörfunkjournalist kennt die karikaturistischen Arbeiten von Lothar Bührmann seit vielen Jahren und nannte sie leichthin gezeichnete fliegende Blätter, die sich nicht wichtig nehmen und nicht auftrumpfen wollen. Und dennoch: „Sie bohren sich wie Holzwürmer tief und tiefer ins Gedächtnis, verfolgen uns wie musikalische Ohrwürmer.“

Karikaturen, so Schossig, entstellten Vorgänge und Verhältnisse bis zur Kenntlichkeit, und: „Karikaturisten legen den Finger in die Wunden der Gesellschaft, legen schmerzhaft bloß, was aus den Fugen geraten ist.“

Lothar Bührmann braucht dafür nicht eine Vielzahl von Bildelementen, sondern wenige, häufig nur das eine, alles erklärende typische oder verräterische Detail. Diese Gestaltungsweise macht die Arbeiten von Bührmann unverwechselbar: „Dafür begibt Lothar Bührmann sich ins weite Feld der Anregungen und Phänomene. Er sammelt Denkanstöße und Befunde auf Zetteln, in Mappen und Kästen, er stöbert in Büchern, Prosatexten und Gedichten, bis irgendwann die spitze Feder des Karikaturisten auf einen fragenden Text ein antwortendes Bild weiß.“

Mit seinen neuen Zeichnungen sei Lothar Bührmann über den klassisch-politischen Cartoon hinausgegangen und habe sich neuen Welten zugewandt. Eine neue Welt ist die der „Piktogramme“. Außerdem habe Bührmann sich einem Genre zugewendet, das allgemein als wichtigstes Gesamtkunstwerk gelte: Die Oper. Für einen Querdenker wie Bührmann ist die Opulenz der Oper geradezu eine Herausforderung, hinter die Kulissen zu schauen und am Lack der schönen Bilder zu kratzen.

Die Ausstellung „Passmaauf“ in der Hünenburg dauert bis zum 5. Juli und ist für alle jene eine unbedingte Empfehlung, die sich selber ein Bild von der Kunst der Karikatur machen möchten.

Rubriklistenbild: © dpa

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