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Palliativnetz erhält 4000 Euro von Scheller-Voß-Stiftung und Stiftung der Kreissparkasse

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Von: Lisa Duncan

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Der Verein „Palliativnetz im Landkreis Verden“ freut sich über die Spende der Scheller-Voß-Stiftung und der Stiftung der Kreissparkasse, hier Uwe Voß und Dr. Gitta Scheller sowie Sylke List-Paff von der Stiftung der Kreissparkasse, Palliativnetz-Koordinatorin Hanne Reimler und Palliativnetz-Geschäftsführerin Sabrina Riemann (v.l.).
Der Verein „Palliativnetz im Landkreis Verden“ freut sich über die Spende der Scheller-Voß-Stiftung und der Stiftung der Kreissparkasse, hier Uwe Voß und Dr. Gitta Scheller sowie Sylke List-Paff von der Stiftung der Kreissparkasse, Palliativnetz-Koordinatorin Hanne Reimler und Palliativnetz-Geschäftsführerin Sabrina Riemann (v.l.). © Duncan

Achim/ Landkreis – Dr. Gitta Scheller und Uwe Voß aus Oyten widmen sich mit ihrer Scheller-Voß-Stiftung, die unter dem Dach der Stiftung der Kreissparkasse (KSK) Verden agiert, seit 2017 einem Ziel: Sie wollen die palliativmedizinische Versorgung, die zu einem großen Teil auf Spenden angewiesen ist, unterstützen und erhalten. Als die Stiftung der Kreissparkasse Verden mit einer Summe von 2000 Euro auf die Stiftungsgründer zukam, stockten sie die Summe kurzerhand auf 4000 Euro auf und spendeten sie zum wiederholten Male dem Verein „Palliativnetz im Landkreis Verden“.

Der 2013 gegründete Verein mit Sitz an der Herbergstraße in Achim setzt sich für ein humanes Sterben schwerstkranker Menschen in den eigenen vier Wänden ein. Eingesetzt werden soll die Spende für die psychologische und pyscho-onkologische Betreuung von Patienten und ihren Angehörigen.

Normalerweise lädt die Kreissparkasse Verden ihre Pensionäre zu einer Weihnachtsfeier ein. Da die Feier aufgrund von Corona im vergangenen Jahr ausfallen musste, soll das eingesparte Budget laut Sylke List-Paff von der KSK-Stiftung nun „dort unterstützen, wo dringend Hilfe benötigt wird“: in der palliativmedizinischen Versorgung. „Denn gerade in der Corona-Zeit ist diese wichtige und wertvolle Arbeit durch die geltenden Schutzmaßnahmen und die hohe Ansteckungsgefahr nur sehr schwer möglich.“

Aufgrund des – auch, aber nicht nur durch die Pandemie – immer mehr zutage tretenden Pflegenotstands habe sich der Verein vor rund einem Jahr neu strukturiert, berichtet Geschäftsführerin Sabrina Reimann: „Es sind uns in den letzten Jahren Kooperationspartner weggebrochen.“ Seither kümmert sich ein eigenes Team von neun Festangestellten, vor allem Alten- und Pflegekräfte, alle mit einer Weiterbildung von 160 Stunden zur Palliative-Care-Kraft, um die Geschicke des Vereins.

Die Fachkräfte beraten und unterstützen Betroffene und ihre Angehörigen zu Hause im gesamten Landkreis, von Fischerhude bis Dörverden. Dafür kooperieren sie aktuell mit elf Palliativmedizinern sowie zusätzlich drei Psycho-Onkologen. Als Apotheken sind dem Palliativnetz die Alte Apotheke von Stefan Bürger in Achim und in Verden die Nordertor-Apotheke angeschlossen.

Psycho-Onkologen sind laut Riemann auch auf die psychologische Betreuung von Menschen spezialisiert, die unmittelbar vor dem Tod stehen. „Aber auch deren Angehörige können sie gezielt auffangen“, so Riemann weiter. „Wenn die Mutter alles verschenkt, um ins Hospiz zu gehen, ist sie vielleicht mit sich im Reinen, aber was macht die Tochter?“ Hier spielten neben der psychologischen Komponente auch finanzielle Fragen mit hinein.

Der Bedarf im Landkreis für palliativmedizinische Versorgung ist groß: Allein im Jahr 2021 hat das Palliativnetz 162 Menschen versorgt. Rund 95 Prozent der Menschen, die das Hilfsangebot beim Palliativnetz nutzen, sind Krebspatienten.

Angehörige leisten das meiste, wir können nur unterstützen und begleiten.

Palliativnetz-Koordinatorin Hanne Reimler

„Angehörige leisten das meiste, wir können nur unterstützen und begleiten“, betont Hanne Reimler, Koordinatorin beim Palliativnetz. Dabei stelle es für viele bereits eine Entlastung dar, dass das Palliativnetz rund um die Uhr erreichbar ist, weiß die gelernte Krankenschwester. Die Situation, dass ein Familienmitglied sterben wird, sei für niemanden leicht zu verarbeiten. Aber: „Die Menschen gehen ganz unterschiedlich damit um“, erklärt Sabrina Riemann. Das sei eine Typfrage: „Jeder stirbt, wie er gelebt hat“, ergänzt Koordinatorin Reimler. Das Team beim Palliativnetz könne individuell auf diese Bedürfnisse eingehen. „Jeder hat seine Besonderheit – von der Wundtherapie, über Massagen bis hin zur Schmerztherapie“, sagt Riemann.

Das Team des Palliativnetzes ist zweimal wöchentlich in den Familien präsent, dabei geht die Versorgung über einen Zeitraum von drei Wochen bis zu einem halben Jahr. „Wir erfahren viel Dankbarkeit von den Angehörigen“, schildert Reimler die bereichernde Seite der Vereinsarbeit. Doch nicht immer sei das Erlebte einfach zu verarbeiten. Deshalb kümmern sich Supervisoren um das Wohl der Palliativnetz-Mitarbeiter.

Es passiert viel Schönes in diesen letzten Wochen, die die Familie miteinander verbringt.

Palliativnetz-Geschäftsführerin Sabrina Riemann

Wie Palliative Care wirken kann, weiß Dr. Gitta Scheller aus eigener Erfahrung: Sie selbst habe als Tochter einer ernstlich Erkrankten „nicht loslassen können“ und erst über die palliativmedizinische Versorgung erfahren, dass es auch anders gehen kann. „Meine Mutter ist so aufgeblüht, als sie vom Krankenhaus Links der Weser palliativ betreut wurde.“ Dieses Glück sollte auch anderen zuteilwerden, ergänzt ihr Ehemann Uwe Voß: „Uns geht es relativ gut und wir haben nach einem Thema gesucht, das die Menschen glücklich macht.“

Es muss uns wieder bewusst werden, dass das Sterben zum Leben dazugehört.

Hanne Reimler

„Es passiert viel Schönes in diesen letzten Wochen, die die Familie miteinander verbringt. Geschwister, die vorher kein Wort miteinander gewechselt haben, nähern sich einander an“, schildert Riemann. „Es muss uns wieder bewusst werden, dass das Sterben zum Leben dazugehört“, appelliert Reimler.

In diese Richtung weisen auch die von Hanne Reimler angeleiteten „Letzte-Hilfe-Kurse“. Darin erfahren die Teilnehmer, was man am Lebensende, auch als Nachbar oder Freund, noch für eine schwer erkrankte Person tun kann. Das Angebot richtet sich an Menschen ohne medizinische Ausbildung. Der nächste Termin ist am Samstag, 16. Juli, von 11 bis 15 Uhr in den Räumen an der Herbergstraße. Die Teilnehmerzahl ist auf maximal 15 begrenzt, um Anmeldung wird gebeten.

Kontakt

Palliativnetz im Landkreis Verden, Büro: Herbergstraße 2-4 in Achim, Tel. 04202 / 910104, Fax 04202/ 9551433, info@palliativ-verden.de

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