Falschaussage-Verfahren

Schießend im Auto durch die Achimer Fußgängerzone

Achim - Schießend fahren abends zwei junge Männer mit zwei Mädchen auf dem Auto-Rücksitz durch die Achimer Innenstadt. Zum Glück benutzen sie an jenem 31. August 2014 nur Paintball-Waffen, deren Farbkugeln bei zwei Gruppen von Jugendlichen im Bereich zwischen Baumplatz und Rathaus einschlagen und zerplatzen.

Die unverhofft aus dem Wagen heraus Anvisierten suchen voller Panik nach Deckung. Das Auto wendet nach Durchfahren der gesamten Innenstadt vom Kreuzungskreisel her, kreuzt dann aus Richtung Uesen erneut mit etwa 30 Sachen durch das Zentrum, und die Ballerei geht weiter.

Dabei kracht der Wagen jedoch zwischen einen Baum und einen Pfeiler. Er bleibt dort stecken. Einige Insassen steigen aus, um ihn zurück zu schieben, und dann brausen alle ab nach Hause. Wenig später klopft die Polizei an.

Nur ein Nebenaspekt dieses Geschehens stand jetzt bei einer Verhandlung vor dem Achimer Amtsgericht im Mittelpunkt: Eine heute 20-Jährige, die mit im Auto saß, war wegen mündlicher Falschaussage angeklagt.

Einer nicht auffindbar, und ein Zeuge bleibt fern

Der Polizei hatte sie nämlich damals zunächst erzählt, beide Männer hätten geschossen. In der Gerichtsverhandlung zu dieser Paintball-Fahrt schloss sie hingegen aus, dass der etwas Pummeligere im Auto mit beteiligt war. Dieser heute 23-jährige Verdener ist ihr Verlobter, so dass sie die Aussage durchaus hätte verweigern können – was sie dummerweise nicht tat.

Jetzt als Zeugen geladene, damals von Farbkugeln getroffene Jugendliche wollten sogar den kräftigeren der zwei männlichen Autoinsassen als Fahrer und Schützen erkannt haben. Der noch unter Bewährung stehende junge Mann stritt dies vehement ab. Er räumte aber ein, dass die Tour durch die Achimer Innenstadt eine ziemlich dumme Aktion gewesen sei.

Andere Zeugen hatten den Feuernden am Steuer nicht genau gesehen. Der zweite in Frage kommende, eher hagere junge Mann, der mit vorn im Auto gesessen hatte, ist derzeit offenbar schwer erreichbar. Sicher scheint nur, dass er irgendwo in Bremerhaven untergekommen ist. Ein weiterer wichtiger Zeuge war zum Gerichtstermin nicht erschienen.

Angesichts all dieser unklaren Umstände sowie der Tatsache, dass gegen die 20-Jährige noch Verhandlungen wegen Diebstahls und Schwarzfahrens anstehen, einigten sich Richter Andreas Minge und der Staatsanwalt auf die vorläufige Einstellung des Falschaussage-Verfahrens.

Ein Vertreter des Jugendamts bescheinigte der Angeklagten, diese habe unter dem Druck der Verhältnisse inzwischen gelernt, Hilfe auch anzunehmen.

Sie ist nach eigenen Angaben jetzt sogar auf zwei Teilzeit-Arbeitsplätzen beschäftigt, um sich den Lebensunterhalt zu verdienen und plant, ihren Verlobten zu heiraten.

la

Rubriklistenbild: © dpa

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