Ottersberger Hochschule führt Kunstprojekt an Achimer Stadtwaldschule durch

Sich selbst anders angeguckt

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Mit dem Kostüm unterstreichen die Schüler den Charakter ihrer Kunstfigur. Projektleiterin Sara Schwienbacher (links im Hintergrund, im rosa Ganzkörperanzug) macht es vor.

Achim/Ottersberg - Was Popsängerin Lady Gaga kann, können Schüler der Achimer Stadtwaldschule schon lange: Einmal aus der fest gefügten Rolle fallen und sich eine Kunstfigur mit Ecken und Kanten erschaffen – dazu hatten sie während des einwöchigen Projekts „Da guckst du“ mit der Hochschule für Künste im Sozialen Ottersberg Gelegenheit.

„Anders als beim klassischen Theater geht es darum, wie man den Raum und sich selbst künstlerisch anschaut“, sagt Kunsttherapeutin Sara Schwienbacher, die das Projekt im Rahmen ihres Masterstudiengangs durchführte.

Bereits im November hatte sich eine Studentengruppe mit dem Thema befasst, wie man seine eigene Kunstfigur erschafft. Da die Studenten auch selber Projekte durchführen sollen, wollte Sara Schwienbacher das Konzept nun pädagogisch umsetzen. Sie hat es zuvor schon an der Ottersberger Wümmeschule erprobt und plant noch, es an der Integrierten Gesamtschule in Grasberg anzuwenden.

Die Idee: „Wir kommen als Kunstfiguren in die Klassen und intervenieren“, erklärt sie. Die „Performance“ geschieht aus dem Moment heraus. So liebt es Schwienbachers eigene Figur, im quietschrosa Ganzkörperanzug, die Anwesenden durch komische Gesten zu verblüffen. Eine andere Studentin, die das Projekt begleitet, tut als „Fromster“ (eine Mischung aus Frau und Monster) gerne Dinge, die andere eklig finden – und distanziert sich dann von diesem Verhalten.

Entsprechend sollten die Schüler während der Projektwoche ihre eigene Kunstfigur entstehen lassen, inklusive selbst gestalteter Kostüme, „um ihre Figur von innen heraus zu entwickeln, statt sich von außen eine Rolle aufstülpen zu lassen“.

Das aus der Rolle fallen biete etwa Gelegenheit, den Begriff von Ordnung und Chaos zu untersuchen. Was an der Stadtwaldschule, die ohnehin auf alternative Lernformen setzt, besonders interessant sei: „Viele haben zuerst gesagt: Bei uns ist es so chaotisch.“

Dennoch gab es offenbar Lehrer, denen das Treiben während der Projektwoche selbst zu bunt wurde: „Die Kunstfiguren haben Sachen gemacht, die nach deren Klassenregeln nicht in Ordnung sind, zum Beispiel Gegenstände versteckt“, stellte eine Schülerin bei der abschließenden Feedback-Runde fest. „Der Lehrer sagte, wir wären konfus, dabei saßen wir ganz ruhig da“, schildert eine andere Schülerin ihre Eindrücke. Manche Pädagogen hätten sich aber auch auf das Spiel eingelassen. Im Schutz der Maske seien auch sonst schüchterne Schüler etwas offensiver aufgetreten, findet die Kunsttherapeutin.

Schwienbacher verspricht sich davon einen nachhaltigen Effekt: „Der Raum Schule wird verändert.“ Eine sichtbare Verformung leisteten die Kostüme. Die Schüler nutzten Pappmaché und Karton, um sich selbst „Prothesen“ zu basteln – etwa Pferdebeine, eine Roboter-Rüstung oder die amorphe Form einer Wolke.

Die 15-jährige Hanna ist ein „Kängfüh“ – ein Känguru mit Fühlern, das sie als „lustig und frech“ charakterisiert. Antonia (14) liest gern Fantasy-Romane und hat sich daher für die Figur der „Elfe Arya“ entschieden. Sie hält ihren Umhang aus Plastikplane hoch, der den „Nebel von Gut und Böse“ symbolisieren soll. Dass die Form auch manchmal ganz pragmatische Gründe haben kann, weiß eine Schülerin im Zentauren-Löwen-Kostüm. Wieso ihr Kostüm aus einem Pappkarton besteht? „Ein Pferd ist halt schwierig zu bauen“, räumt sie ein. ldu

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