Ortsausschuss Bierden bemängelt fehlende Sitzungsunterlagen und Fachleute

Bürgermeister Ditzfeld gerät politisch unter Beschuss

Achim-Bierden - Knapp acht Monate nach seinem Amtsantritt ist Bürgermeister Rainer Ditzfeld kräftig unter Beschuss geraten. In der Sitzung des Ortsausschusses Bierden am Donnerstagabend in der dortigen Grundschule bemängelten Vertreter von SPD, CDU und Grünen, dass Beschlussvorlagen und Fachleute aus der Stadtverwaltung für die auf der Tagesordnung stehenden Beratungspunkte fehlten.

Es gehe hier doch um Fragen zu Ampeln und andere Verkehrsangelegenheiten, sagte Siegmund Kamrath gleich zu Beginn. „Da vermisse ich den städtischen Verkehrsplaner Stefan Schuster in der Runde.“ Die Antworten des Bürgermeisters, schob das von der SPD berufene externe Ausschussmitglied hinterher, seien „oft nicht fachkundig genug“. Ditzfeld echauffierte sich mit einem kurzen, wütenden „Bitte?!“

Den von einem Großteil der Anwohner durch Unterschriften bekräftigten Wunsch nach einer Verkehrsberuhigung an der Bierdener Kämpe unterstützte der Bürgermeister. Dort werde oft deutlich schneller als die erlaubten 30 Stundenkilometer gefahren, habe er schon mehrfach selbst erlebt, berichtete Ditzfeld. Aber es fehle noch die Stellungnahme der Polizei zu dem Vorhaben, die Kämpe in eine Tempo-10-Zone umzuwandeln. Doch auch mit diesem Ansinnen stieß der Verwaltungschef in der Sitzung auf reichlich Widerspruch.

Es seien überwiegend die Bewohner selbst, die dort rasten, meinte Erwin Dirk. Da müsse ein Schild „Spielstraße“ hin, forderte der Christdemokrat. Fast alle in der Runde sahen das genauso. Nur mit der Begrenzung auf gerade mal Schrittgeschwindigkeit bestehe die Chance, dass die Autofahrer den Fuß vom Gaspedal nehmen, argumentierte Jürgen Kenning (Grüne).

In einer Spielstraße, in der maximal sechs Stundenkilometer erlaubt sind, führe die Polizei aber keinerlei Kontrollen durch, wandte Ditzfeld ein. Aber warum gebe es denn überhaupt solch eine merkwürdige Regelung?, wollten die Ausschussmitglieder am Podium und wohl auch viele der versammelten gut 20 Bürgerinnen und Bürger wissen.

Der unter ihnen sitzende Werner Wippler wusste die Antwort: „Weil im ganzen Landkreis Verden schlicht ein Gerät fehlt, das sehr geringe Geschwindigkeiten messen kann.“

Was Ausschussvorsitzender Walter Rau für eine weitere Breitseite gegen den Bürgermeister nutzte. „Ich wundere mich, dass ein Bürger uns erklären muss, was Sache ist und kein Verwaltungsfachmann hier ist“, stichelte der Sozialdemokrat.

Am Ende folgte der Ortsausschuss Dirks Antrag, aus der Bierdener Kämpe eine Spielstraße zu machen, nahezu einhellig. Allein Anne Quillfeldt (SPD) enthielt sich der Stimme, „denn ohne Unterlagen mag ich das nicht entscheiden“.

Ein Anwohner des Steinwegs beklagte, dass Lkw und andere Fahrzeuge insbesondere abends und nachts durch die mit Schlaglöchern übersäte Straße „bretterten“, was zu einem erheblichen Lärmpegel führe. Das sei für ihn und viele dort nicht länger hinnehmbar.

Der Steinweg solle im kommenden Jahr saniert werden, informierte Bürgermeister Ditzfeld, wobei die Anwohner bekanntlich 90 Prozent der Ausbaukosten zu tragen hätten. Bis dahin könne hin und wieder ein Geschwindigkeitsmessgerät aufgestellt werden und die eine oder andere polizeiliche Kontrollaktion erfolgen. Anne Quillfeldt regte an, am Straßenrand von Kindern gemalte Bildertafeln mit der Mahnung, nicht schneller als die erlaubten 30 km/h zu fahren, zu platzieren. „Dafür könnten ja vielleicht Grundschüler gewonnen werden.“

Ein anderer Einwohner kritisierte, dass die Fußgängerampel an der Tankstelle verschwunden ist. Die habe der Schulwegsicherheit gedient und sollte schleunigst wieder installiert werden, forderte der Mann. Die Antwort des Bürgermeisters, dass die Landesbehörde für Straßenbau und Verkehr den Abbau mit Hinweis auf den zu geringen Abstand zur neuen Ampelanlage an der Bierdener Kämpe verfügt habe, sei für ihn unbefriedigend. „Da muss bei dem Amt mal richtig Druck gemacht werden.“

mm

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