Geschäftsmodell in der Kritik

Amazon Achim: „System des Drucks“? Sprecher kontert Kritik am Online-Händler

Wehrt sich gegen Kritik: Stephan Eichenseher, Pressesprecher bei Amazon.
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Wehrt sich gegen Kritik: Stephan Eichenseher, Pressesprecher bei Amazon.

Kritik an Amazon ist nicht neu, dafür aber sehr vielfältig. Die Themen Arbeitsbedingungen sowie Umwelt- und Klimaschutz sind dabei besonders oft genannte Punkte.

Achim – Amazon bietet in Achim rund 2000 Arbeitsplätze, im Weihnachtsgeschäft sogar noch einige Hundert mehr. Aber der Online-Versandhändler steht auch mächtig in der Kritik. Gewerkschafter, Wissenschaftler, Politiker und andere prangern die Arbeitsbedingungen an. Das Geschäftsmodell führe außerdem dazu, dass der traditionelle Einzelhandel in die Knie gezwungen werde und Innenstädte verödeten.

Darüber hinaus verschärften riesige Logistikzentren wie das im Uesener Feld mit ihrem Flächenverbrauch, massivem Lieferverkehr und Bergen von Verpackungsmüll die Umwelt- und Klimakrise. Stephan Eichenseher, Pressesprecher bei Amazon, gibt zum Teil überraschende Antworten auf ein Bündel von Fragen.

Politiker, Einzelhandelsverbände und auch Verbraucher fordern eine Paketsteuer für den Onlinehandel, um die Wettbewerbsfähigkeit von Läden zu gewährleisten, Innenstädte nicht ausbluten zu lassen sowie den Umwelt- und Klimaschutz zu unterstützen. Wie steht der weltgrößte Onlinehändler Amazon dazu?

Der Handelsverband HDE hat sich hierzu eindeutig geäußert und spricht von einem Bärendienst gegenüber den Händlern, die online wie offline erfolgreich sein wollen. Niemanden wäre damit geholfen.

Schlechte Bezahlung, laschen Gesundheitsschutz, permanente Überwachung, „ein System des Drucks“, werfen Kritiker Amazon vor. Die Dienstleistungsgewerkschaft Verdi verlangt die Anerkennung der regionalen Flächentarifverträge des Einzel- und Versandhandels. Muss Amazon nicht daran arbeiten, sein Image zu verbessern?

Es gibt immer wieder den Versuch, ganz bewusst ein falsches Bild zu zeichnen, um Forderungen aufzustellen, die Amazon längst erfüllt. Amazon bietet ein Umfeld, in dem man gerne arbeitet, sich einbringen und erfolgreich sein kann. Tatsache ist, dass Mitarbeiterinnen und Mitarbeiter bei Amazon bereits von exzellenten Löhnen, exzellenten Zusatzleistungen und exzellenten Karrierechancen profitieren – und das alles in einer sicheren, modernen Arbeitsumgebung.

Das 17 Hektar große Gewerbegebiet im Uesener Feld an der ausgebauten L156 und mit direkter Zufahrt von der A27 hat Amazon komplett in Beschlag genommen. Die dreigeschossigen Hallen für den Versandhandel erstrecken sich über 42.000 Quadratmeter.

Nicht den besten Ruf genießt der Konzern auch im Hinblick auf Umwelt- und Klimaschutz. Flächenfraß in erheblichem Ausmaß durch den Bau von riesigen Logistik- und Verteilzentren, unnötig starker Lieferverkehr infolge von vielen Retouren, Vernichtung von Ware und Berge von Verpackungsmüll sind Stichworte hierzu. Darf das in Zeiten von Artensterben und Klimakrise so weitergehen?

Tatsächlich ist es schon heute klimafreundlicher, online einzukaufen als im klassischen Handel. Das liegt vor allem daran, dass wir als Onlinehändler in einer Straße vielleicht gleich an fünf oder zehn Menschen Pakete abliefern können. All diese Menschen können ihre Autos stehen lassen. Wer online einkauft, spart vier- bis neunmal so viel Verkehr ein, wie er verursacht. Und unsere Logistikzentren werden eher kleiner, weil wir die Fläche besser nutzen. Achim ist ein gutes Beispiel dafür. Aber das ist nur ein ganz kleiner Teil unseres Engagements. Amazon hat sich selbst auferlegt, die Klimaziele von Paris zehn Jahre früher zu erreichen und bis 2040 CO2-neutral zu sein. Unsere Vision ist es, den gesamten Lieferprozess CO2-neutral zu gestalten.

Das Wichtigste aus dem Landkreis Verden: Immer samstags um 7:30 Uhr in Ihr Mail-Postfach – jetzt kostenlos anmelden.

Die vielen Retouren sind doch aber ein Riesenärgernis. Ist das nicht besser hinzubekommen?

Es ist Amazons Ziel, dass Kunden mit ihren gekauften Produkten rundum zufrieden sind. Retouren kommen vor, falls Kunden einen gekauften Artikel einmal nicht verwenden können oder ihre Meinung geändert haben. Bei Amazon wird der überwiegende Teil der retournierten Waren – je nach Zustand – an andere Kunden oder Restpostenhändler weiterverkauft, an die Hersteller zurückgegeben oder an gemeinnützige Organisationen gespendet. Es gibt jedoch eine Herausforderung, die Unternehmen bei Sachspenden benachteiligt: Das deutsche Steuerrecht verpflichtet Unternehmen dazu, Umsatzsteuer auf den Wert von gespendeten Waren zu zahlen. Für Unternehmen in Deutschland ist es daher oft teurer, Waren zu spenden, als sie zu entsorgen. Gerade für kleine und mittlere Unternehmen sind dies Mehrkosten, die sie nicht immer tragen können. Für Produkte, die Amazon gehören, spenden wir an lokale Tafeln oder die Vermittlungsplattform Innatura und entrichten natürlich die anfallende Umsatzsteuer.

Das Logistikzentrum in Achim „integriert die neuesten Umweltstandards in Bezug auf Energieeffizienz und den verantwortungsbewussten Umgang mit Ressourcen“, heißt es. Der Standort hat sich zudem für eine Gold-Zertifizierung der Deutschen Gesellschaft für nachhaltiges Bauen beworben. Ist das „Green-Washing“ oder steckt mehr dahinter? Wird die große Dachfläche des E-Commerce-Centers im Uesener Feld noch mit einer Fotovoltaikanlage ausgestattet?

Ich glaube nicht, dass man der Deutschen Gesellschaft für nachhaltiges Bauen Green-Washing vorwerfen kann. Die Richtlinien sind sehr streng. Amazon ist der größte betriebliche Abnehmer von erneuerbaren Energien weltweit, auch durch einen neuen Offshore-Windpark in der deutschen Nordsee. Und wir arbeiten weiterhin daran, unsere Betriebsabläufe zu 100 Prozent mit regenerativen Energien zu versorgen. 2019 haben wir uns das Ziel gesetzt, bis 2030 zu 100 Prozent erneuerbare Energie zu nutzen. Wir sind auf einem guten Weg, dieses Ziel bereits bis zum Jahr 2025 – und damit fünf Jahre früher – zu erreichen. Unsere jüngste Investition ist in den Niederlanden, wo durch den Amazon-Shell-KNN-Offshore-Windpark Amazons bisher größtes Projekt für erneuerbare Energien an einem Standort entstehen wird.

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