Ohne Maske gegen Corona-Politik

„Kohltour der freien Menschen“ lässt Polizei hilflos wirken

Mehr als 160 Frauen und Männer liefen am Mittwochabend dicht an dicht durch die Achimer Innenstadt und ignorierten weitestgehend die Corona-Regeln.
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Mehr als 160 Frauen und Männer liefen am Mittwochabend dicht an dicht durch die Achimer Innenstadt und ignorierten weitestgehend die Corona-Regeln.

Achim – Mehr als 160 Gegner der Corona-Maßnahmen und der Impfkampagne sind am Mittwochabend bei einer „Kohltour der freien Menschen“ durch die Achimer Innenstadt gezogen. Angemeldet war die Versammlung nach Angaben der Polizei nicht. Nach Aufforderung der Beamten fand sich aber spontan ein Versammlungsleiter. Eine angemeldete Gegenversammlung fand zeitgleich mit etwa 25 Teilnehmenden statt, berichtet Polizeisprecherin Imke Burhop.

Begleitet von Polizisten, zogen die vielen Menschen bei strömendem Regen los und trafen gegen 19 Uhr vor dem Rathaus ein. Dort stand den Spaziergängern die Gegendemonstration gegenüber. „Es ist ein mulmiges Gefühl, wenn die Leute an einem vorbei gehen“, sagt Sven Adamitz, Versammlungsleiter der Gegendemonstration. Von den mehr als 160 Teilnehmenden des Spaziergangs äußerte sich nur eine Ulrike. Sie wolle sich wegen einer Vorerkrankung nicht gegen Corona impfen lassen und fürchte eine Impfpflicht, sagte die Frau. Und weiter: „Ich habe ganz viel Angst, weil das Rechtssystem den Bach hinunter geht.“

Wolfgang Rekendt, ebenfalls einer der Gegendemonstranten, zeigte sich enttäuscht über die Achimer: „Ich habe bei dem Spaziergang viele bekannte Gesichter gesehen.“ Er selbst habe sich hilflos und bedroht gefühlt von der Masse an Leuten, die gegen die Corona-Maßnahmen auf die Straße gingen. Vor allem die Art und Weise habe ihn entsetzt. „Es war alles friedlich, aber die Leute liefen dicht an dicht, oftmals ohne Maske durch die Fußgängerzone und die Herbergstraße“, so Wolfgang Rekendt. Zudem kritisierte er die Rolle der Polizei, die seinen Angaben zufolge den Zug lediglich begleitet habe. „Ich finde nicht, dass man diesen Leuten die Straße überlassen darf, das ist wie eine Art stille Machtübernahme.“ Keiner der Beamten habe auf die Einhaltung der Abstände gepocht oder das Tragen einer Maske eingefordert. „Dabei muss man bei jedem Wochenmarktbesuch eine Maske tragen“, zeigt sich Rekendt verwundert über das laxe Verhalten der Polizei.

Zwar hätten die Initiatoren die Veranstaltung als „Kohltour“ benannt, laut niedersächsischem Versammlungsgesetz sei es jedoch eine Versammlung gewesen, die die Polizei auch als solche behandelt habe, erklärt Burhop.

Die Beamten hätten die Teilnehmenden laut einer Pressemitteilung der Polizei angemahnt, Abstände einzuhalten und medizinische Masken zu tragen. Weil etliche Frauen und Männer der Aufforderung nicht nachgekommen seien, hätten die Beamten den Zug gestoppt und die Auflagen wiederholt. Wenig später habe sich die Versammlung aufgelöst.

Die Polizeiinspektion Verden / Osterholz zeigte sich nach eigenen Angaben überrascht von der Anzahl der Teilnehmenden und deren ablehnendem Verhalten. Dies sei so noch nicht vorgekommen. „Ein Problem stellt dabei auch die fehlende Anzeige einer Versammlung im Vorfeld dar“, so Burhop. Das habe es den Beamten erschwert, den Einsatz zu planen. Allerdings habe man aus den Vorkommnissen am Mittwochabend in Achim gelernt, so Burhop: Die internen Vorbereitungen auf ähnliche Einsatzlagen sowie die Vorgehensweise im Hinblick auf Versammlungen gegen die Corona-Pandemie sollen überarbeitet werden. „Künftig wird die Polizeiinspektion Verden / Osterholz die coronakritischen Versammlungslagen intensiver begleiten und Verstöße konsequent verfolgen. Nach erneutem Hinweis auf die erteilten Auflagen können einzelne Teilnehmende von der Versammlung ausgeschlossen werden“, sagt die Sprecherin.

Die Leiterin der Polizeiinspektion Verden / Osterholz, Antje Schlichtmann, macht deutlich: „Ein Großteil der Demonstrationsteilnehmenden aller Versammlungen in den Landkreisen Verden und Osterholz ist friedlich und hält sich an die Auflagen. Nur ein kleiner Teil versucht, die geltende Rechtslage auszunutzen. Wir werden dies nicht hinnehmen und konsequent einschreiten. Dazu haben wir unsere Konzepte überarbeitet und alle Beamtinnen und Beamten noch einmal besonders sensibilisiert.“  

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