Sucht und Suchtprävention in Achim

Neue Selbsthilfegruppe nur für Frauen

Die Leiterinnen der Selbsthilfegruppe „Die Amazonen“: Manuela Kröger (l.) und Marina Hohenkamp (r.), dazwischen Heike Gronewold, die Leiterin der Fachstelle Sucht in Achim.
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Die Leiterinnen der Selbsthilfegruppe „Die Amazonen“: Manuela Kröger (l.) und Marina Hohenkamp (r.), dazwischen Heike Gronewold, die Leiterin der Fachstelle Sucht in Achim.

Achim – Kämpfen und zusammenhalten – das sind die Maßgaben, mit denen eine seit Mai existierende Selbsthilfegruppe an die Öffentlichkeit geht, um auch anderen Frauen Unterstützung im Umgang mit den verschiedenen Süchten zu bieten. „Die Amazonen“ nennt sich diese Selbsthilfegruppe, die sich einmal pro Woche, jeweils donnerstags zwischen 19.30 und 21 Uhr in den Räumen der Fachstelle Sucht und Suchtprävention an der Feldstraße 2 in Achim trifft.

Gegründet wurde diese Gruppe von Marina Hohenkamp (60), die sich dazu Unterstützung von Manuela Kröger (56) holte – beide hatten sich selbst in einer derartigen Einrichtung kennengelernt und leiten ihre neue Gruppe jetzt gemeinsam. Es gebe einen Stamm von drei Frauen, die von Anfang an immer dabei gewesen wären, die höchste Teilnahmezahl lag bislang bei acht Personen – das ist durchaus ausbaufähig, glauben beide, zumal die Dunkelziffer sehr hoch sei. Bestätigt in ihrer Ambition, eine Selbsthilfegruppe nur für Frauen zu gründen, fühlen sie sich bereits jetzt: „Wir haben bislang sehr gute Rückmeldungen erhalten“, so die beiden, „die Offenheit ist einfach größer, wenn Frauen unter sich bleiben können, wenn sie über bestimmte Themen sprechen.“ Zudem gebe es eben auch viele Frauenthemen, die in direktem Zusammenhang mit der Sucht stünden – diese oftmals sogar auslösten.

„Für einen Suchtmenschen ist der Alltag kein Alltag wie für andere Menschen“, erklärt Manuela Kröger, „dem Suchtmenschen fallen bestimmte Sachen sehr schwer, was eben nicht jeder versteht – aber hier bei uns werden sie verstanden.“

Sowohl Hohenkamp als auch Kröger haben ihre Erfahrungen mit Süchten gemacht, schildern schonungslos offen, wie es dazu gekommen ist – und wie sie ihre Süchte überwunden haben. Bei Marina Hohenkamp war es der Alkohol, der schleichend immer mehr wurde, bei Manuela Kröger Medikamente, konkreter: Morphine. Zunächst zur akuten Schmerzbekämpfung eingesetzt, wurden sie zur Normalität, ehe sich Kröger kraftvoll (und mit therapeutischer Hilfe) dagegenstemmte – wie auch Hohenkamp. Beide brauchen ihre Stoffe heute nicht mehr, wollen es dabei aber auch nicht bewenden lassen: Jetzt möchten sie anderen Frauen helfen, um deren Süchte zu überwinden.

Beeindruckend und nicht immer schön sind ihre Erzählungen, auch, was den Kontakt zu anderen Menschen betrifft: „Ich habe mich damals an meiner Arbeitsstelle geoutet“, sagt etwa Hohenkamp, „das ging aber leider nach hinten los – einige Kolleginnen konnten damit nicht umgehen, was zum Teil sehr weh tat.“ Hohenkamp quittierte ihren Job – dennoch war die Selbsterkenntnis, alkoholkrank zu sein und sich dies selbst (und anderen!) einzugestehen, der Beginn ihres letztlich erfolgreichen Weges aus der Sucht. „Ich kann heute wieder das Leben genießen“, sagt sie.

Heike Gronewold, die Leiterin der Fachstelle Sucht und Suchtprävention an der Feldstraße, freut sich über die Initiative der beiden Frauen und unterstützt sie, so gut sie kann – indem sie die Räume zur Verfügung stellt und auch bei den Flyern half. „Ich finde das sehr wichtig und unterstütze die Gruppe sehr gerne.“ Die Therapie dauere ja nur ein Jahr, es sei wichtig, dass man auch danach die Möglichkeit des Austausches habe: „Wir verweisen auch immer an die Selbsthilfegruppen.“ Hohenkamp bestätigt: „Man fällt nach der Therapie in ein tiefes Loch, deshalb ist es wichtig, Angebote zu machen.“ Offenheit sei dabei sehr wichtig, sagen beide – aber unter Frauen eben auch sehr gut möglich.

Von Frank Schümann

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