Offen bleiben und Dinge in Frage stellen

Jürgen Maisenbacher probiert aus und sucht neue Ausdrucksformen

+
Seine Skulpturen entstehen in der heimischen Werkstatt: Jürgen Maisenbacher legt das Kernholz alter Eichenstücke frei, arbeitet Strukturen heraus und verstärkt sie durch Kupferbleche, die er in das Holz einarbeitet.

Achim - Von Ingo Schmidt. Sie sind skurril, bizarr und karikieren menschliche Verhaltensweisen – Jürgen Maisenbachers Vogelmenschen faszinieren ihre Betrachter. Beinahe jeder kennt die charakteristischen Skulpturen mit Schnabel und Brille. Ein Ensemble ziert den Achimer Bibliotheksplatz. Aber das Spektrum des Uesener Künstlers ist sehr viel breiter gefächert und sein Werk kaum zu überblicken.

Die meisten seiner Bilder, Plastiken und Bildobjekte schmücken fremde Wände oder Gärten, aber einige Stücke hat er sich bewahrt. Chronologisch betrachtet, wirken sie wie ein Tagebuch: Sie erzählen Geschichten von persönlichen Erlebnissen und spiegeln positive Erfahrungen, aber auch Ängste.

Seit 1970 arbeitet Maisenbacher auf den Gebieten der Malerei und Bildhauerei, etwa 20 Jahre davon in Uesen. Als ein sensibler Beobachter beleuchtet er das menschliche Zeitfenster von der Geburt über das gesellschaftliche Wirken bis hin zum Tode. Seine Werke reflektieren den Menschen als ein soziales Wesen, entlarven das Individuum manchmal als Maskenträger und behandeln dabei Themen wie Liebe und Ausgrenzung. Gerne verwendet er erdfarbene Pastellkreiden, Pappen, Sand, Gaze, Schiefer und Metalle. Hervortretende Strukturen oder bestehende Brüche setzt er in neue, rahmenlose Zusammenhänge.

Der Autodidakt hat über viele Jahre hinweg still für sich gearbeitet. Die emotionale künstlerische Auseinandersetzung mit unterschiedlichen Werkstoffen diente ihm als ein willkommenes Kontrastprogramm zur beruflichen Tätigkeit. „Ein Händler für Künstlerbedarf fragte mich einmal, was ich eigentlich mit dem vielen Material anstelle, das ich bei ihm einkaufe“, erinnert sich der promovierte Biochemiker, „und daraufhin zeigte ich ihm meine Arbeiten.“ Aus diesem Interesse heraus seien schließlich die ersten öffentlichen Präsentationen entstanden. Es folgten zahlreiche Ausstellungen – inzwischen mehr als hundert – und bald hatte Maisenbacher Mühe, die Nachfrage zu bedienen.

Jürgen Maisenbacher verleiht seinen Beobachtungen eine faszinierende Form. 

Berufliche Karriere und künstlerisches Engagement in Einklang zu bringen, sei nicht immer leicht gewesen, aber die Arbeit als Biochemiker habe ihm Unabhängigkeit verschafft. „Den ganzen Galerie-Zirkus habe ich nicht mitmachen müssen und damit bin ich als Künstler ziemlich privilegiert“, weiß Maisenbacher. „Ich habe meine Werke nie verkaufen müssen, um davon zu leben.“

Unabhängigkeit im beruflichen wie auch im künstlerischen Sinne sei ihm stets sehr wichtig gewesen: „Dieser Weg war für mich genau der richtige.“

Inzwischen ist er kürzer getreten, nimmt nur noch an ausgewählten Ausstellungen teil. Auf künstlerische Gestaltung verzichten könne er jedoch nie: „Wenn ich keine Kunst machen kann, dann fehlt mir was.“ Der 73-Jährige möchte weiterhin Dinge unabhängig in Frage stellen und offen bleiben. Er ist immer noch wissenschaftlich interessiert, möchte Erkenntnisse gewinnen und Zusammenhänge erkennen und bewerten.

Und so probiert er sich selbst weiter aus und sucht Neues zu entdecken: Aktuell arbeitet er an Fotografien seiner Bildobjekte oder Natur- und Landschaftsaufnahmen, die er computergestützt weiterverarbeitet. Mit Bescheidenheit blickt der Ruheständler auf die Wertschätzung, die ihm und seiner Kunst entgegengebracht wird, und gleiches wünscht er sich von anderen: „Man soll sich ernst nehmen, aber sich selbst nicht zu wichtig machen“, lautet sein Credo.

Das könnte Sie auch interessieren

Mehr zum Thema:

Hamas ruft Gaza-Waffenruhe mit Israel aus

Hamas ruft Gaza-Waffenruhe mit Israel aus

Horror-Crash auf der A81 am Samstag - die Bilder

Horror-Crash auf der A81 am Samstag - die Bilder

Fotostrecke: Werder beim Blitzturnier in Essen

Fotostrecke: Werder beim Blitzturnier in Essen

Deichbrand 2018: Beste Stimmung auf den Campingplätzen

Deichbrand 2018: Beste Stimmung auf den Campingplätzen

Meistgelesene Artikel

Für Kinderglück: Cluvenhagener Paar reist mit 190er Benz um die Welt

Für Kinderglück: Cluvenhagener Paar reist mit 190er Benz um die Welt

Frank Tödter regiert nun das Völkerser Schützenvolk

Frank Tödter regiert nun das Völkerser Schützenvolk

Baugebiet Schneiderburg II: Investor will bald anfangen zu bauen

Baugebiet Schneiderburg II: Investor will bald anfangen zu bauen

Drittes Ladenlokal im Geschäftshaus Große Straße 33 hat noch keinen Mieter

Drittes Ladenlokal im Geschäftshaus Große Straße 33 hat noch keinen Mieter

Kommentare