Roll: Keine Lobby im Rat / „Sündenfall“

Oberster Angler auf Stimmenfang

Achim - Uwe Roll, Vorsitzender des Angler-Vereins Achim, sieht die Interessen der Hobbyfischer im Stadtrat nicht ausreichend vertreten. Das will er ändern. In der jüngsten Ausgabe der Vereinszeitschrift kündigt Roll an, bei der Wahl am 11. September für die FDP zu kandidieren, um sich ein Mandat im Rat zu „angeln“. Ein Mitglied des Vereins ist entsetzt, spricht von einem „Sündenfall“. Der Vorsitzende verletze die gebotene parteipolitische Neutralität.

Roll kann die Kritik nicht nachvollziehen. Es gebe sachliche Gründe für seinen Entschluss, in der Kommunalpolitik mitmischen zu wollen, sagte er gestern auf Nachfrage der Redaktion.

Der Vereinsfunktionär hält es für „schlimm“, dass Entscheidungen im Achimer Rathaus getroffen werden, „ohne dass auch nur eine Person, die sich selber dem Angeln verschrieben hat, abstimmen dürfte. Bislang sitzen im Rathaus Hobbyfußballer, Hundebesitzer, Mitglieder von Nabu und BUND, Jäger und viele andere Interessengruppen – aber niemand, der sich auch unterhalb der Wasseroberfläche auskennt“, hat Uwe Roll im Vorwort der „Achimer Anglerzeitung“ formuliert.

Eine anmaßende Haltung des Vorsitzenden gegenüber den jetzigen gewählten Mandatsträgern des Stadtrats, findet das Vereinsmitglied, das namentlich nicht genannt werden möchte. Man müsse doch nicht Angler sein, um die Interessen der Petri-Heil-Jünger vertreten zu können.

Uwe Roll will für die FDP in Achim kandidieren.

„Solch einen Sündenfall hat es in Achim noch nicht gegeben“, sagt der Anrufer, der sich in der Stadt bestens auskennt. Roll, Vorsitzender eines Vereins mit 1400 Mitgliedern, dürfe sich auf diese Weise nicht äußern. „Neutralität ist ein ganz hohes Gut“, betont der Leser der „Anglerzeitung“, die zweimal jährlich in einer Auflage von 1800 Exemplaren erscheint.

Uwe Roll bleibt indes bei seinem Standpunkt. Die Belange der Angler würden von den Ratsherren und -damen kaum berücksichtigt, bekräftigt der 54-Jährige auf Nachfrage und führt ein Beispiel an. Mitglieder des Vereins dürften die Achimer und Bierdener Marsch offiziell bis heute nicht befahren, obwohl dort viele der Angelreviere lägen. „Mit Verweis auf die Durchfahrtverbotsschilder kassiert die Polizei immer wieder Knöllchen bei uns ab. Die werden dann aus der Vereinskasse bezahlt.“

Lobend äußert sich Roll indes über den Landtagsabgeordneten Gero Hocker. Der FDP-Kreisvorsitzende aus Achim habe sich vor einigen Jahren für die Renaturierung der Großen Brake eingesetzt, damit in diesem verschlammten Seitenarm der Weser „wieder Fische leben können“, erklärt Roll.

Zahlreiche Gespräche und Ortsbesichtigungen hätten Anlass zur Hoffnung gegeben, dass das auch klappt. Der damalige niedersächsische Umweltminister Stefan Birkner, ebenfalls ein Liberaler, habe für die Maßnahme schließlich Landesmittel in Höhe von mehr als 200.000 Euro zugesagt. Doch leider sei aus dem Vorhaben dann doch nichts geworden, da der Landkreis und die Landwirtschaftskammer auf Drängen der Bauern die vorübergehende Lagerung der ausgehobenen Schlammberge auf den Äckern untersagt hätten.

Dennoch habe ihn Hockers Engagement für die Angler beeindruckt, gibt Uwe Roll zu. „Auf seine Einladung hin war ich auch bei einem parlamentarischen Abend in Hannover“, berichtet er. Das habe sein Interesse an Politik weiter gesteigert. Vor einigen Monaten sei er dann in die FDP eingetreten. „Auch weil ich Individualist bin und immer bleiben werde.“

Nun kandidiere er auf der Liste der Freien Demokraten für den Wahlbezirk Achim-West. „Und wer weiß: Mit eurer Hilfe klappt es ja vielleicht mit dem ersten Angler im Achimer Rathaus!“, schreibt Roll im Vereinsblatt.

Er wundere sich, dass jemand daran Anstoß nehme. Von den vielen übrigen Mitgliedern des Vereins, einem der größten in Achim, habe er „keinerlei negative Reaktionen bekommen“.

mm

Rubriklistenbild: © dpa

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