Außengastronomie kommt schleppend in Gang

Nur wenige Gäste sitzen in Achim draußen vor Lokalen

Die Tische und Stühle dieses Eiscafés blieben am Montag weitgehend verwaist.
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Die Tische und Stühle dieses Eiscafés blieben am Montag weitgehend verwaist.

Achim – „Wir haben uns heute hier den ersten Cappuccino gegönnt“, erzählt Manfred Winsemann, der mit Ehefrau Elfriede auf der Terrasse des „Atriums“ sitzt, und dabei mit der Sonne um die Wette strahlt. Doch das große Geschäft machen die Wirte in der Fußgängerzone am ersten Tag der „neuen Freiheiten“ nicht, Gäste kommen nur spärlich. Mitunter stehen Leute mit Lust auf Speis und Trank an frischer Luft und Bedienung allerdings auch vor verschlossenen Türen.

Dabei spielte das Wetter am Montag in Achim mit, als mit der gelockerten Corona-Verordnung der niedersächsischen Landesregierung die Außengastronomie unter bestimmten Bedingungen nach monatelangem Lockdown wieder starten durfte. Das Ehepaar Winsemann hatte beim Besuch seines Lieblingslokals den Nachweis über die vollständige Impfung gegen das Virus parat und genoss den Platz an der Sonne. Letzteres galt auch für zwei junge Frauen einige Tische weiter.

„Wir haben uns heute Vormittag beim DRK in Baden testen lassen“, berichten Melina Haltermann und Jennifer Meyer. Nach dem Besuch des „Atriums“ wollten sie noch Klamotten kaufen. Auch dafür müsse der Kunde ja ein negatives, bestätigtes Testergebnis vorweisen.

Alles fast so wie früher? Die Lockerungen machten das Leben wieder ein Stück unbeschwerter, aber ein normaler Stadtbummel sei es noch nicht, sind sich die 30- und die 23-Jährige einig. „Es ist schon ein komisches Gefühl, dass man sich vorher testen lassen muss“, sagt Melina Haltermann. Und die Situation sei einigermaßen kompliziert. „Die Regeln müssten klarer kommuniziert werden“, fordert Jennifer Meyer. „Aber es ist schon schön, hier sitzen zu können.“

Davide Caso, Betreiber des Eiscafés Capri an der Herbergstraße, schlägt in eine ähnliche Kerbe wie Meyer und sieht bei dem Öffnungskonzept noch „zu viele Fragezeichen“. Das Gesundheitsamt habe ihm nicht mal eindeutig sagen können, ob von potenziellen Gästen selbst vorgenommene Tests am Arbeitsplatz oder vor Beginn des Schulunterrichts mit negativem Ergebnis ausreichten, um das Außengelände eines Gastronomiebetriebs besuchen zu dürfen. Vermutlich sei das nicht zulässig. „Wir könnten hier auch selbst testen, aber das ist zu aufwändig“, merkt Caso an.

Immerhin gehe aus der Verordnung klar hervor, dass die Mitglieder zweier verschiedener Haushalte an einem Tisch sitzen dürfen. „Aber ich glaube, es kommt kaum jemand“, sagt Caso mit Blick auf die leere Terrasse. Er werde sich das „ein paar Tage angucken“ und dann das Angebot, direkt vor dem Café eine kalte Köstlichkeit oder ein Heißgetränk serviert zu bekommen, womöglich wieder einstellen. Das Wetter, ergänzt er, sei für das Geschäft ja fast noch schlimmer als Corona. Auch wegen des überwiegend nasskalten Frühjahrs spricht Caso von einer „unsicheren Lage. Bei Außengastronomie müssen wir mehr Personal vorhalten und haben dadurch natürlich höhere Kosten.“

Melina Haltermann und Jennifer Meyer gönnten sich eine Auszeit beim „Atrium“.

Die am Bibliotheksplatz ansässige „Alte Feuerwache“ hat seit November geschlossen und das bleibt mindestens bis Pfingsten so. „Für uns ist es schwierig, von 0 auf 100 hochzufahren“, erklärt Nicole Urban, Partnerin von Inhaber Christian Detert. Sie verweist auf die im Restaurant in Achim, aber auch noch an zwei weiteren Standorten von ihrem Mann und dem Team betriebene „Frischeküche“, die den Einkauf hochwertiger Zutaten voraussetze. Das Risiko sei einfach zu groß, bei hochschnellendem Inzidenzwert oder schlechtem Wetter die teuer eingekaufte Ware wegwerfen zu müssen. Außerdem habe sich ein Teil des früheren Personals längst neue Jobs gesucht. „Wir müssen auch noch neue Mitarbeiter finden“, sagt Urban. „Überhaupt muss vieles aktiviert und organisiert werden – von Tischwäsche über Stoffservietten bis zur Müllabholung.“

Die „Alte Feuerwache“ soll ihr zufolge Pfingstmontag, 24. Mai, komplett, drinnen und draußen, wieder in Betrieb gehen. Hoffentlich mache die Pandemie keinen Strich durch die Rechnung. „Wir würden gerne wieder Gäste bewirten“, betont Nicole Urban.

Ein Credo, das auch von Jan Lampe, der das „Bootshaus“ am Ueser Hafen betreibt, zu hören ist. „Aber nicht unter diesen Bedingungen“, fügt er hinzu. Angesichts der Corona-Beschränkungen und des Wetters sei es doch „unsicher, ob die Terrasse voll wird“. Lampe weist in diesem Zusammenhang auf Aspekte der Corona-Hilfen hin, „über die nicht so gerne gesprochen wird“. Ein Wirt, der unter 30 Prozent des Umsatzes von 2019 erziele, bekomme 100 Prozent der Fixkosten erstattet. Wer über der 30er-Marke liege, werde jedoch mit lediglich 60 Prozent abgespeist. „Dann würden wir hohe Verluste machen.“

Die neue „Bootshaus“-Terrasse lässt Jan Lampe noch zu.

Deshalb wolle er das Restaurant samt dem Außenbereich erst am 24. Mai uneingeschränkt wiedereröffnen, teilt Lampe mit. Gewerbliche Hotelgäste, „die wir hier zu 90 Prozent haben“, wurden ohnehin die ganze Zeit bewirtet. Seit Montag dürfen aber auch Privatleute mit Wohnsitz in Niedersachsen wieder in Beherbergungsbetrieben zwischen Harz und Meer einchecken. „Bis jetzt hatten wir allerdings nur Anfragen aus anderen Bundesländern.“

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