IG Amselweg gegen Ausbauplan der Stadt

„Nur Ratsherr will Regenwasserkanal haben“

Der Amselweg solle so bleiben wie er ist, sagen die Anwohner (von links) Manfred Schaprian, Oliver Wagner und Kilian Henckel.
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Der Amselweg solle so bleiben wie er ist, sagen die Anwohner (von links) Manfred Schaprian, Oliver Wagner und Kilian Henckel.

Achim – Im Amselweg einen Regenwasserkanal anzulegen und die Sackgasse in einem Zuge neu zu pflastern, wie von der Stadtverwaltung vorgeschlagen und im Achimer Kreisblatt am Dienstag berichtet, davon halten Anwohner gar nichts. „Die Straße ist keineswegs bei geringen Regenmengen überflutet“, sagt Oliver Wagner im Gespräch mit dieser Zeitung. Lediglich bei seltenen Starkwetterlagen, etwa ein- bis zweimal im Jahr, staue sich Wasser für etwa eine halbe Stunde rund um den Sickerschacht.

Und erst vor Kurzem sei das Verbundpflaster auf der Strecke in der Vogelsiedlung für das Verlegen von Glasfaser aufgerissen „und ohne Schäden wieder geschlossen worden“. Warum wolle die Stadt weismachen, dass das nach einem Kanalbau nicht gehe und stattdessen für viel Geld ein neuer Fahrbahnbelag her müsse?, fragt Wagner angefressen.

Dass die acht Anliegerparteien für eine Regenrinne, die sieben von ihnen für unnötig hielten, nach der Achimer Straßenausbaubeitragssatzung insgesamt 33 000 Euro beisteuern müssten, hält er schon für schlimm genug. Wenn die Fahrbahnerneuerung noch dazu käme, hätten die Grundstückseigentümer nach Berechnungen der Stadt unter dem Strich sogar 75 000 Euro aufzubringen. Wagner schüttelt den Kopf. „Mal eben rund 10 000 Euro dafür locker zu machen, kann sich der eine oder andere hier schlichtweg nicht leisten.“

Inzwischen hat sich laut Wagner eine „Interessengemeinschaft Amselweg“ gebildet, der sieben von acht Betroffenen angehören. „Sie sehen hier das Gebot der Verhältnismäßigkeit völlig vernachlässigt.“

Auch Kilian Henckel zählt zu den Anwohnern, die weder die eine noch die andere angedachte Maßnahme der Kommune für notwendig halten. „Erst vor wenigen Jahren wurden von der Stadt und Anliegern hier Ablaufrinnen gesetzt sowie zusätzlich Gullys angehoben und zum Teil auch ganz neu geschaffen. Seitdem ist es signifikant besser geworden“, stellt er fest. Früher habe auch schon mal die Feuerwehr kommen müssen, um den überquellenden Sickerschacht in der Straße abzupumpen.

Es gebe nur einen Anlieger, der einen Regenwasserkanal im Amselweg haben wolle und das sei ausgerechnet ein Mitglied des Stadtrats, sagt Wagner. Denn das Grundstück von Gero Hocker (FDP) stehe bei Starkregen erheblich unter Wasser. „Das Problem dort ist die Auffahrt mit ihrem Gefälle“, erklärt Wagner. Dabei sei diese erst vor wenigen Jahren erneuert und mit einem Gully ausgestattet worden. „Aber vermutlich wurden die Arbeiten nicht fachmännisch ausgeführt.“

Hocker, der auch Bundestagsabgeordneter ist, fegt und reinigt beim Ortstermin im Amselweg gerade seine Garagenzufahrt. „Ich habe 11 000 Euro in den neuen Abfluss investiert“, berichtet er auf Nachfrage. „Aber das hat kaum etwas genutzt.“ Bei starkem Regen, „etwa einmal im Jahr“, stehe das Grundstück 30 Zentimeter unter Wasser. Gero Hocker sieht für die kleine Straße Handlungsbedarf. „Andere Eigentümer hier haben ihre Vorgärten versiegelt und damit das Hochwasserproblem verschärft“, behauptet der Berufspolitiker.

Seine Nachbarn weisen die Kritik zurück. „Nein, vor meinem Haus waren schon immer Parkplätze, und auch anderswo wurde nichts versiegelt“, sagt Wagner. Und warum habe denn Hocker „als Einziger die Ablaufrinne rausgerissen?“, merkt Henckel an. „Die Roste bringen schon etwas.“

Henckels Großvater, Manfred Schaprian, wundert sich über den Beschlussvorschlag der Verwaltung für die öffentliche Sitzung der Ausschüsse für Abwasserbeseitigung und Bauunterhaltung am kommenden Dienstag um 17 Uhr im Ratssaal. „Hat die Stadt soviel Geld, dass sie eine Straße sanieren will, die nicht saniert werden muss?“, stichelt der Anlieger des Amselwegs. Denn den Großteil der Kosten für den Kanalbau und die Erneuerung des Pflasters, nämlich insgesamt rund 95 000 Euro, müsste die öffentliche Hand berappen.

Die Stadt dürfe sich in dieser Angelegenheit nicht vom Interesse eines Einzelnen leiten lassen, betont Oliver Wagner und fügt hinzu: „Es geht letztlich doch nur um eine große Pfütze auf Herrn Hockers Grundstück. Da muss er bei Starkregen nur einen großen Schritt drüber machen. Oder aber seine Einfahrt erneuern.“

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