„Notruf 110“: Polizisten schreiben über Arbeit

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Malte Dylla gehört seit den Eindrücken eines Verkehrsunfalls im Frühjahr 2007 zu den "Dichtern in Uniform"

Achim/Alfeld - Blutüberströmte Leichen, verschwundene Kinder und wildgewordene Betrunkene - Polizisten müssen bei ihrer Arbeit hart im Nehmen sein.

Doch sie sind auch nur Menschen. Sie machen Fehler, haben Angst und empfinden Trauer. Viele der Einsätze können die Gesetzeshüter auch nach Jahren nicht vergessen. Einige von ihnen schreiben diese schockierenden, berührenden und manchmal auch komischen Erlebnisse deshalb auf. Seit 2002 sind sie auf der Homepage der „Polizei-Poeten“ und mittlerweile in drei Büchern zu lesen. Am 19. Dezember erscheint der vierte Band „Notruf 110“, in dem diesmal ausschließlich uniformierte Dichter aus Niedersachsen zu Wort kommen.

Auf 224 Seiten berichten die Autoren unter anderem über die ersten Obduktionen, über das Schicksal einer jungen Ausreißerin und über einen Mann, der sich in seinem Auto vor den Augen der Polizisten verbrennt. Die Proteste von Atomkraftgegner im Wendland kommen sogar in mehreren Geschichten vor. Der Oberkommissar Thomas Knackstedt aus Alfeld (Kreis Hildesheim) erzählt von einer Demonstration in Gorleben im September 1982, die völlig außer Kontrolle gerät. Demonstranten werfen mit Steinen und Molotow-Cocktails auf die Beamten. Diese hauen mit ihren Schlagstöcken blindlings auf die Menge ein.

„Mir ging der Arsch auf Grundeis“, erinnert sich der 48-Jährige. „Wer so was mal mitgemacht hat, bekommt das nicht mehr aus dem Kopf.“ Jahre später schrieb Knackstedt die Geschichte auf, die neben zwei weiteren von ihm in „Notruf 110“ zu finden ist. Seit etwa fünf Jahren schreibt Knackstedt regelmäßig für die „Polizei-Poeten“.

Sein Kollege Malte Dylla aus Achim ist dagegen zum ersten Mal mit einer Erzählung in einem Buch vertreten. Bislang schrieb er nur für die Internetseite. In „Der Drachentöter“ beschreibt der 27-Jährige, was in Polizisten vorgeht, wenn sie auf einen Menschen schießen müssen. In einer Nacht im April hätte er es beinahe getan, um einen Betrunkenen zu stoppen, der mit einem Spaten auf der Straße nach Autos schlug. „Die Hemmschwelle ist sehr, sehr hoch“, sagt Dylla. „Wenn man vor der Entscheidung steht, schieß' ich oder nicht, ist das ein einschneidender Moment im Leben eines Polizisten.“

Aber auch lustige Geschichten sind in dem Buch zu finden:Junge Polizei-Schüler verirren sich heillos bei einem Orientierungslauf, das Auto einer Polizistin wird wegen einer Verwechslung von den eigenen Kollegen abgeschleppt und ein riesiger Hund richtet ein Verkehrschaos auf der Autobahn an und erledigt dann sein Geschäft im Polizeiwagen.

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