Notlazarett im Amtsgericht / Dr. Aechter und Team behandeln viele Verwundete

Operationen bei Karbidlicht

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Dr. Aechter.

Achim - Jahrzehntelang hatten der bis 1932 existierende Altkreis Achim und die Gemeinde Achim den Bau eines Krankenhauses hinausgeschoben. Man setzte auf die häusliche Pflege und bei schwereren Krankheitsfällen auf die Krankenhäuser in Bremen und Verden. Für den Transport stand ein Krankenauto zur Verfügung, wie der Achimer Stadtarchivar Günter Schnakenberg unterrichtet.

Wie er weiter ausführt, bestand von 1872 bis 1933 ein als Krankenhaus hergerichtetes Wohnhaus in der Buesstraße, das nur zwei Krankenzimmer hatte.

Als Ende 1933 der nationalsozialistische Gemeinderat auf Anweisung des Kreisarztes das „Krankenhaus“ schloss, zeigte es sich, dass es weder in medizinischer noch in hygienischer Hinsicht den Ansprüchen eines modernen Krankenhauses entsprach. Zugleich untersagte eine ministerielle Anweisung des NSDAP-Staates den Bau neuer Krankenhäuser.

Wie verheerend sich dies für Achim auswirken sollte, zeigte sich laut Schnakenberg in den letzten Kriegstagen des Zweiten Weltkrieges. Als im April 1945 Achim im Kriegsfeuer stand, viele starben und verletzt wurden, hatte man kein eigenes Krankenhaus und konnte auch die in Bremen und Verden nicht mehr erreichen.

Aus dem Nichts heraus schuf dann der junge Arzt Dr. Alfons Aechter im Achimer Amtsgerichtsgebäude ein Notlazarett.

Dr. Aechter hat dann in der Nachkriegszeit unter anderem berichtet:

„Kurzer Hand haben wir damals die primitiven Betten des Auffanglagers im Schützenhof in das Amtsgericht Achim gebracht und dort einen Behelfsoperationsraum im Keller eingerichtet.

Hier muss vor allen Dingen der Helferinnen und Helfer des Roten Kreuzes gedacht werden, die im mühevollen und rastlosen Einsatz die Verwundeten in das Amtsgericht brachten und Tag und Nacht dem Arzt hilfreich beiseite standen.“

Nicht selten wurde dort vom Ärzte- und Helferteam rund um die Uhr operiert. „Unter primitivsten Verhältnissen mussten damals schwere Eingriffe durchgeführt werden.

Ich erinnere nur an die Bauchoperationen, an die Amputationen, an die Splitterentfernungen und an die Geburtshilfe, die zum Teil operativer Art war, und an die kleine Chirurgie.

Mangelhaft war zum Teil unser Instrumentarium. Es ist kaum glaubwürdig, aber muss gesagt werden, dass die Firma Stolte“ - (Eisenwarenhandlung in der Bahnhofstraße) - „für die Amputation zerschmetterter Glieder die dringend benötigten Fuchsschwanzsägen und Meißel lieferte.“

Dr. Aechter berichtet weiter von großen Schwierigkeiten mit der Beleuchtung: „Waren es zunächst Petroleumlampen, die die Erste Hilfe ermöglichten, so kam uns das Gaswerk in Achim mit einem Karbidscheinwerfer zu Hilfe. An elektrischen Strom war zunächst nicht zu denken. Das offene Karbidlicht wiederum war bei der Narkose eine große Gefahr, weil der verwendete Äther hoch explosiv ist. Wir konnten daher die Eingriffe nur bei guter Lüftung und unter zeitweiliger Entfernung der Lichtquelle und Verwendung minder brauchbarer Petroleumgaslampen durchführen.“

Ein Ereignis war Dr. Aechter noch besonders in Erinnerung geblieben: Während die Siegertruppen durch Achim zogen, kamen eines Tages zwei Pferdewagen aus Bierden vor dem Lazarett im Gericht an, luden die Schwerverletzten ab, darunter auch Soldaten und Flüchtlinge. Dann ging die Fahrt weiter zum Friedhof, wo die ebenfalls mitgebrachten Toten begraben wurden.

mb

In der nächsten Folge:

Die letzten Gefechte in Benkel, Narthauen und Fischerhude.

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