Notfallhilfe auf dem Fluss

Feuerwehr Achim will mit landkreiseinheitlichem Konzept Wasserrettung intensivieren

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Im Juni 2016 war die Kreisfeuerwehr Verden zur Wasserrettung im Einsatz. 

Achim - Von Lisa Duncan. In den letzten Jahren häuften sich Unfälle in der Weser. Immer wieder mussten Feuerwehr, Polizei und DLRG gemeinsam ausrücken, um im Fluss nach vermissten Personen zu suchen. Nicht immer führte das zum Erfolg. Für solche Notfälle will sich die Feuerwehr Achim künftig besser ausrüsten: Mit einem landkreiseinheitlichen Konzept zur Wasserrettung und Schiffsbrandbekämpfung und einem eigenen Rettungsboot, das in der Nähe der Ueser Brücke anliegen könnte. Das war Thema im städtischen Feuerwehrausschuss am Montag.

Abgesehen von Badeunfällen berge die Weser noch andere Risiken, sagte Olaf Dykau als er das Konzept vorstellte. „Wir haben viel Binnenverkehr mit gefährlichen Gütern“, erklärte der Stadtbrandmeister. Im Fall, dass diese auf dem Wasser Feuer fangen oder auslaufen, sei das schnelle Eintreffen am Einsatzort unabdingbar. Gemäß des Konzepts sollten die Brandschützer innerhalb von 20, besser noch 17 Minuten vor Ort sein (bei einem Zimmerbrand nimmt die Feuerwehr acht Minuten als Richtlinie an).

Als Anlaufpunkt für die Alarmierung wird in Achim derzeit der Punkt „W5“ an der Ueser Brücke (auf Thedinghauser Seite) genutzt. Der hat jedoch einen entscheidenden Nachteil: Er ist oftmals von Freizeit-Bootsverkehr blockiert und bietet daher einen schlechten Einlasspunkt für das Boot.

Für den Einsatz auf der Weser seien derzeit zwei Bootstypen geeignet: Das Rettungsboot 2 (RTB 2) und das Mehrzweckboot (MZB). Ein dritter Typ, das schlauchbootartige RTB 1, ist nur für den Einsatz in stehenden Gewässern, beispielsweise Badeseen, geeignet. Für den Rettungseinsatz mit Boot brauchen die Feuerwehrleute keine Extra-Ausbildung, sondern nur einen Sportbootführerschein. Darüber verfügen laut Dykau bereits 10 bis 15 Personen in den Ortsfeuerwehren, wobei der Schwerpunkt auf Achim und Uesen liege.

Keine weitere Gemeinde äußert Interesse an solchen Booten

Die Feuerwehr plane eine gemeinsame, landkreisweite Ausschreibung für die Anschaffung eines RTB 2, berichtete Dykau weiter. Derzeit denkt außer Achim und Thedinghausen keine weitere Gemeinde im Landkreis über die Beschaffung eines solchen Bootes nach. Die DLRG und das THW verfügen zwar bereits über entsprechende Rettungsboote. Jedoch sollen sich die Beteiligten in einem Abstimmungsgespräch mit Achims Bürgermeister Rainer Ditzfeld und Thedinghausens Verwaltungschef Harald Hesse einig gewesen sein, dass nicht THW und DLRG, sondern die Feuerwehr die originären Aufgaben der Städte und Gemeinde vertraglich übernehmen solle.

Die genauen Kosten ergeben sich zwar erst nach der Ausschreibung. Jedoch könne man mit 40.000 bis 50.000 Euro rechnen, gab Tanja Neukirch, in der Stadtverwaltung zuständig für Feuerwehrangelegenheiten, eine ungefähre Größenordnung. Obendrauf kämen noch die Kosten für die Slip-Anlage.

Für die Finanzierung habe man vom Landkreis Verden bisher wenig Rückhalt bekommen, berichtete Dykau. Entscheiden muss das letztlich der Kreistag. Zunächst soll das Konzept am Donnerstag im Fachausschuss des Landkreises vorgestellt werden. Frühestens im Doppelhaushalt 2019/20 könne das RTB 2 Berücksichtigung finden.

Fünf bis sechs Einsätze in der Weser pro Jahr

Die Grüne Fraktionschefin Silke Thomas erkundigte sich, inwiefern die Unfallzahlen in der Weser gestiegen seien. Etwas zögerlich nannte der Stadtbrandmeister fünf bis sechs Einsätze pro Jahr (Personenrettungen, Umweltschäden und Schiffskenterungen einbezogen) – etwas mehr als in den Jahren zuvor.

Nicht ganz problemlos dürfte das Genehmigungsverfahren für den Einlasspunkt in Uesen und eine dort zu installierende Slip-Anlage vonstatten gehen, sagte Tanja Neukirch. „Das ist kein offizieller Einlass.“ Zunächst müsse eine Beurteilung erfolgen, inwiefern dort ein Ausbau nötig sei.

Volker Wrede (CDU) fragte, wie zurzeit ein Hilfseinsatz an der Weser erfolge. „Die Kameraden arbeiten zum Teil bewusst mit eigener Gefährdung“, so Dykau. Sollte den Brandschützern aber tatsächlich etwas passieren, sei das über die Feuerwehrunfallkasse nicht abgedeckt. Diesen „schwebenden Zustand“ wolle man mithilfe des Konzeptes und DIN-genormter Ausrüstung gerne beenden.

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