Ob Klappmaualakrobatik oder gehobener Blödsinn: Momsen und Brodowy mitreißend im Kasch

„Norddeutsche freuen sich inwendig“

Abwechslungsreich und mit gehöriger Portion Chuzpe traten Matthias Brodowy und „Werner Momsen“ alias Detlef Wutschik in einen humoristischen Diskurs über Eigenarten norddeutscher Flachlandbewohner. - Foto: Schmidt

ACHIM - Von Ingo Schmidt. Mit gleich zwei Vorstellungen lieferten Matthias Brodowy und Werner Momsen alias Detlef Wutschik im Kulturhaus Alter Schützenhof (Kasch) eine Ode an ihre flache Heimat: Stand up, Lesung und Musik – mit diesen Stilmitteln brachten die Kabarettisten ihren Gästen die Vorzüge norddeutscher Lebensart nahe.

Zunächst vertrat Plappermaul Momsen in originärem „Hamburger Platt“ etwas provokant die These, dass der Wahl-Hannoveraner Matthias Brodowy gar kein Norddeutscher sei. „Hannover, mit seinem gestochenen Hochdeutsch, ist doch wie eine Enklave“, erklärte die Kodderschnauze von der Hafenkante.

Dies wiederum empörte den gebürtigen Braunschweiger Brodowy, und gemeinsam suchten die Nordlichter wesentliche Merkmale „plattländischer“ Glückseligkeit zu ergründen.

„Wenn der Humor trockener ist als das Wetter, und weniger Worte mehr sind, dann bist du in Norddeutschland „, wusste Brodowy beizusteuern. „Die Leute dort freuen sich inwendig und erzählen schweigend Geschichten.“

Aber diese Erklärung reichte Momsen nicht, und er versuchte den Begriff räumlich zu erfassen, denn Norden sei vom Standpunkt abhängig „Je weiter ich nach Süden gehe, umso gefühlt nördlicher wird doch der Norden“, verkündete Momsen mit einigem Zweifeln von der Bühne, fand aber anschließend eine zufriedenstellende Definition: „Dort, wo Norddeutsche im Nordwesten Moos ansetzen, da muss Norden sein!“

Norddeutsch sei aber auch eine Philosophie, eine Lebenseinstellung mit Sehnsucht nach Weite und Meer, lernten die Zuhörer.

Von Windkraftausstieg bis zum Schimmelreiter

Norddeutschland sei grün und blau, Hamburg jedoch eher grau in grau, und es rieche nach Kühen. Mit solcherlei Überlegungen erheiterten die Kabarettisten ihre Zuschauer und schwadronierten über plattdeutsche Sprache als freundlichste Ausdrucksform – denn schließlich klinge bei einer Verkehrsnachricht im Nebel auf der Autobahn „angebumst“ weniger gefährlich als „aufgefahren“.

Abwechslungsreich präsentierten Momsen und Brodowy Kurzgedichte oder niederdeutsches Liedgut wie „Snuten un Poten“ des Hamburger Gesangstrios „Gebrüder Wolf“ vom Anfang des vorigen Jahrhunderts.

Manchmal näherten sich die zwei Experten auch typischen politischen und ideologischen Konflikten an, wie dem Windkraft-Thema: „Ich steig aus dem Ausstieg aus“, sang Matthias Brodowy inbrünstig, „ich bin zwar dafür, aber nicht vor meiner Tür.“

Der „Schimmelreiter-Song“ führte in die Welt der Mythen und Schauergeschichten, die Momsen auch mit einem schauerlichen, aber ebenso akrobatischen Ausdruckstanz karikierte.

Immer mit einem Augenzwinkern nahmen die Humoristen das häufig stoische Wesen der „Flachlandbewohner“ aufs Korn. Sehr zur Freude der begeisterten Besucher, die einen ersten Advent kaum sinnvoller verleben konnten.

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