Entwurf für Lieken-Gelände

Neues urbanes Quartier am Bahnhof

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Der Entwurf für das Viertel, vom Norden aus.

Achim - Von Michael Mix. Im rückwärtigen Bereich der alten Brotfabrik haben Bagger und Bauarbeiter bereits kräftig zugelangt. Einige Gebäude des 2011 geschlossenen Lieken-Werks wurden in den vergangenen Tagen schon dem Erdboden gleich gemacht. In den nächsten Jahren soll auf dem Gelände mit Hilfe von Fördermitteln des Bundes in Millionenhöhe ein neuer Stadtteil empor wachsen. Den noch bis zum 21. Februar öffentlich im Rathaus ausliegenden Entwurf für das „urbane Quartier“ stellte die Stadt am Dienstagabend bei der sogenannten „frühzeitigen Bürgerbeteiligung“ vor, zu der rund 30 Interessierte in den Ratssaal gekommen waren.

Auf der Nordseite des Achimer Bahnhofs, wo das Unternehmen Lieken rund ein Jahrhundert lang Brot backte und damit zu Weltruf gelangte, soll schon bald neues Leben einziehen. Verschiedene Akteure sind dabei am Start.

14. 000 Quadratmeter des rund drei Hektar großen Lieken-Areals, „fast die Hälfte der Fläche“, habe die Stadt erworben, informierte Stadtplanerin Angelika Steinbach. Die andere Hälfte ist in den Händen der Hamburger Firma W&S, deren Geschäftsführer Karl Will und Peter Skrabs bei der Versammlung mit am Podium saßen. „Der Investor hat sich verpflichtet, den Rückbau der Fabrik vorzunehmen und Altlasten zu beseitigen“, teilte Steinbach ergänzend mit.

150 bis 170 Wohnungen sollen auf 16. 000 Quadratmetern gebaut werden, davon 20 Prozent für den schmalen Geldbeutel. Der städtebauliche Vertrag sieht laut Steinbach zudem 5 .800 Quadratmeter für Gewerbe, Dienstleistungen und - auf insgesamt 900 Quadratmeter begrenzt - Einzelhandel vor. Darüber hinaus sollen ein Kindergarten, eine „Quartiersgarage mit öffentlichen, aber auch privaten Stellplätzen“ und ein Zentraler Omnibusbahnhof (ZOB) im Sanierungsgebiet entstehen.

Der Abriss der alten Brotfabrik hat begonnen. Im rückwärtigen Bereich sind bereits Gebäude dem Boden gleichgemacht worden. Foto: Mix

Um den Wandel vom Industrieareal zu einem neuen, bunten Stadtteil vollziehen zu können, solle in den kommenden Monaten ein Bebauungsplan entworfen und öffentlich ausgelegt werden, unterrichtete Frank Schlegelmilch, Mitgeschäftsführer beim Bremer Planungsbüro Baumgart und Partner (BPW), die Zuhörer. Wenn alles glatt laufe und der Landkreis die Genehmigung erteile, könnte es für das Bauvorhaben zum Ende des Jahres grünes Licht geben, zeigte der Planer den Zeitplan auf.

Die Wohn- und Bürohäuser sollen nach Angaben von Schlegelmilch mit hochwertigen Materialien und Backsteinfassaden, die an die „Lieken-Optik“ angelehnt sind, errichtet werden. Da, wo jetzt noch der Lieken-Turm steht, soll in naher Zukunft ein fünf- bis siebengeschossiges Gebäude in die Höhe ragen. Der kleine Wolkenkratzer soll allerdings ein „Single“ bleiben.

„Entsprechend dem Gefälle auf dem Grundstück werden die Häuser nach Norden hin niedriger, sie sind dort zwei- bis viergeschossig und höchstens zwölf Meter hoch konzipiert“, erläuterte BPW-Mitarbeiterin Charlotte Herbst. Aus Gründen des Schallschutzes lägen die Schlafzimmer auf der der Bahnstrecke abgewandten Seite, und auch eine Lärmschutzwand sei geplant.

Trotz aller beabsichtigter Bauten soll das neue Viertel zu keiner Steinwüste geraten. „Die Flachdächer der Häuser werden begrünt, und für sechs Autostellplätze ist ein Baum vorgesehen“, berichtete Herbst. Zudem bleibe die parkähnliche Anlage im Norden des Sanierungsgebiets, das bis an die Straße Auf dem Wehrfelde reicht, erhalten.

Direkt am Bahnhof ist ein urbanes Quartier mit mehrgeschossigen Häusern geplant.

Das geplante urbane Quartier werde nicht nur städtebaulich reizvolle Akzente setzen, sondern auch neue Wegebeziehungen eröffnen, sagte Schlegelmilch. Vom Nordausgang des Bahnhofs könne man zum Beispiel über den ZOB und einen Durchgang unter einem Wohnblock hindurch auf direktem Weg den Aldi-Markt erreichen. Und vom neuen Kreisel an der Kreuzung Embser Landstraße/Fritz-Lieken-Eck führe eine Straße ins Wohngebiet und weiter in einem Bogen zur Gaswerkstraße.

Noch Fragen? Einige Bürger bezweifelten, ob die Zahl der geplanten Parkplätze in dem Gebiet ausreichten. „1,35 Stellplätze pro Wohnung halte ich für zu gering“, bemängelte Harald Koch.

Es werde insgesamt mehr als 400 Parkplätze im Wohnquartier, in der Tiefgarage und im Parkhaus geben, antwortete Investor Skrabs. „Meines Erachtens sind das eher zu viele.“

Planerin Steinbach erwähnte noch „150 zusätzliche Plätze für Park and Ride“. P+R funktioniere aber auch nur, wenn Autofahrer verlässlich freie Stellplätze vorfinden würden, mahnte Zuhörerin Petra Geisler.

Immer mehr Pendler kämen mit dem Fahrrad zum Bahnhof, ergänzte Stadtplanerin Dr. Monika Nadrowska. Deshalb werde die neue Mobilitätsstation auch über Stellplätze für Räder und abschließbare Boxen verfügen.

Und wann wird das alles fertig sein? „Wir wollen im Frühjahr 2020 mit dem Bauen anfangen und in zwei bis drei Jahren durch sein“, sagte Skrabs. Öffentliche Bauten, wie der ZOB, kämen danach dran, fügte Steinbach hinzu.

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