Neues Raumordnungsprogramm des Landkreises bringt Veränderungen für Achim

Weniger Sand- und Torfabbau und mehr Windkraftwerke

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Neue Planungschefin Achims: Dr. Monika Nadrowska.

Achim - Es ist sehr trocken, voller bürokratischer Begriffe, aber eminent wichtig für die Entwicklung der Kommunen: das Raumordnungsprogramm des Landkreises Verden, das jetzt überarbeitet, beraten und abschließend vom Kreistag verabschiedet wird.

Karin Vesper von der Stabsstelle Planung des Landkreises Verden stellte dem Achimer Ratsausschuss für Stadtentwicklung, Wirtschaft, Umwelt und Verkehr am Dienstagabend den aktuellen Stand dar. Danach sind die Sandabbaugebiete in Achim reduziert worden, in Embsen von 43 auf 23 Hektar fast halbiert worden. In geringerem Maße geschieht dies in der Bierdener und Achimer Marsch sowie in Ueserhütte-Ost wegen des nötigen 300-Meter-Abstands zu Wohnhäusern. Stark zurückgefahren wird auch der mögliche Torfabbau zugunsten des Schutzes der Moore.

Die von Cluvenhagen bis Clüverswerder oft im Zick- Zack-Kurs verlaufende Schutzlinie, die den Weserhang vor Bebauung schützen soll, ist vereinheitlicht worden und beträgt dort, wo noch kein Haus steht und kein rechtskräftiger Bebauungsplan vorliegt, 35 Meter zur Geestkante. Das gilt auch für den Acker neben der Hünenburg, um den es in der Vergangenheit viel Aufregung gegeben hatte. So kann hier praktisch nicht gebaut werden, zumal kaum einer im Achimer Stadtrat die Hand für einen neuen Bebauungsplan an dieser Stelle heben würde.

Zwei neue Vorranggebiete für Wind bei 800 Metern Mindestabstand zu Siedlungen soll es in Achim geben in Borstel und Uphusen/Bollen. Während Petra Geisler (SPD) bat, den Standort Borstel zu überdenken, da dort wichtige Wege der Wildtiere unterbrochen würden, hat die Stadt Achim gewichtige Einwände gegen die zwei südlichen und östlichen Windkraftstandorte in Uphusen und Bollen, da sie sich auch mit den Ausführungen des Raumordnungsprogrammes zum Naturschutz und Vogelschutz nicht vertrügen.

Ob Windkraftwerke dort sich mit der Einflugschneise des Bremer Flughafens vertragen, weiß der Kreis noch nicht, da er auf diese Fragen bisher noch keine vernünftige Antwort des Bundesamtes für Flugsicherheit erhalten hat, wie Sitzungsleiter Hans-Jürgen Wächter (SPD) erfuhr. So stehen die Windkraftwerke im Entwurf des Raumordnungsprogramms vorbehaltlich späterer Einwände wegen möglicher Gefährdung der Flugsicherheit. Diese unbefriedigende Lösung wählt auch der Landkreis Nienburg.

Viel Detailkritik steuerte die neue Fachbereichsleiterin Dr. Monika Nadrowska bei, die besonders die Bedeutung des Projektes Achim-West unterstrich, des 100 Hektar großen Gewerbegebietes am Bremer Kreuz, von dem sie sich bis zu 3600 Arbeitsplätze erhofft. Für Achim-West ist derzeit im neuen Raumordnungsprogramm allerdings auch noch eine südliche wohnortnahe Fläche eingezeichnet, die niemand will, aufgrund eines irritierenden Schreibens der Stadt aus dem Jahr 2013 dort hineingekommen ist und nun sicher gestrichen wird.

Kritik übt die Fachbereichsleiterin der Stadt Achim daran, dass das Einkaufszentrum Dodenhof in Posthausen als vorhandener Siedlungsbereich oder bauplanerisch gesicherter Bereich eingestuft wird. Das ermögliche die Erweiterung dieses Einkaufszentrums durch die Umwandlung von Lagerflächen und den Ausbau zentrenrelevanter Angebote auf Kosten anderer, schade Achim und widerspreche den neuen Grundsätzen des Raumordnungsprogrammes.

Im waldarmen Achim soll mehr Wald geschaffen werden. Der Kreis beziffert die erwünschte Zuwachsrate auf zehn Prozent, weil sonst Achim nicht nur waldarm, sondern extrem waldarm wäre. Die Stadt möchte mehr und die Waldgebiete Badener Holz, Wittkoppenberg, Scheefmoorgraben und Ueserdicken miteinander verbinden.

Weiter kündigte Monika Nadrowska an, dass Achim den achtspurigen Ausbau der A1 in Bremen unter Lärmschutzgesichtspunkten prüfen wird. mb

Kommentar zum Thema: "Der Achimer Stadtrat ist durchgefallen"

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