Technische Umstellung läuft wie am Schnürchen

Neues Gas: Zwei alte Betriebe schließen

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Der Firma in Baden wurde „der Hahn zugedreht“.

Achim - Die Region Achim marschiert an der Spitze des Fortschritts, denn überall fließt schon das hochwertige High-Calorific-Gas statt des niedrigwertigen Low-Calorific-Gases. Überall sind in diesen Tagen bis zu 80 Mitarbeiter der Dortmunder Firma „ESK/Gatter3 Technik“ unterwegs, um die Endgeräte anzupassen. Doch nicht für alle ist das ein erfreulicher Fortschritt.

13.500 Endgeräte von insgesamt 21 000 sind bisher in Achim, Oyten, Ottersberg und Langwedel im Auftrag der Stadtwerke Achim angepasst worden, obwohl bundesweit die Anpassung bis 2030 läuft. Den Stadtwerken sind jedoch der frühzeitige Gaswechsel plus Anpassung vorgeschrieben worden von den großen Verteilern swb und Gasunie. Hintergrund: Das L-Gas kommt überwiegend aus Deutschland und den Niederlanden. Die Vorräte sind begrenzt. Das H-Gas mit höherem Methangehalt und Brennwert kommt aus den schier unerschöpflichen Quellen Norwegens, Russlands und Großbritanniens.

In der Region Achim ist in 84 Fällen, meist alte Heizgeräte, für die auch keine Ersatzteile mehr lieferbar sind, die Anpassung der Endgeräte nicht mehr möglich gewesen, lautete die teure Lösung Neuanschaffung. Natürlich auf eigen Kosten, während die sonstige Geräteumstellung zum Service gehört, der über den Gaspreis bezahlt wird. Auch ein Aluminium verarbeitendes Werk in Achim muss so für neue Deckenheizstrahler investieren.

Ganz hart hat es zwei Heißmangelbetriebe in Baden und Etelsen getroffen. Während bei Jutta Holtappels Heißmangel in Etelsen ein neues Ventil für 1000 Euro und neue Elektronik nötig gewesen wären, hatte es Ulrike Beinker in Baden ganz hart erwischt. Sie hätte ihre 50 Jahre alte Heißmangel komplett durch eine neue ersetzen müssen. Bei diesen Geräten nimmt nicht die von den Stadtwerken beauftragte Firma die Anpassung vor, sondern der Gerätehersteller selbst. In diesem Fall war an dem Gerät schon früher ein Brennrohr ausgetauscht worden, und die Gerätefirma Miele weigerte sich, bei Betrieb mit H-Gas für das Gerät eine Sicherheitsgarantie abzugeben.“ Christian Müller, Leiter für technische Anlagen bei den Stadtwerken: „ Wenn die Herstellerfirma schon die Sicherheit nicht garantiert, werden wir es erst recht nicht tun.“

Die 56-jährge Ulrike Beinker hätte zwar gerne noch ein paar Jahre weitergearbeitet, aber die gut 20 000 Euro für eine neue Heißmangel wollte sie auch nicht mehr investieren, zumal die Nachfrage nicht unbedingt steigt. So hat sie ihre beliebte Firma geschlossen wie auch Jutta Holtappels in Etelsen.

Weitere Betriebsschließungen als Folge des neuen Gases gibt es hier nach Angaben der Stadtwerke nicht.

Vielleicht blüht das noch dem ein oder anderen im Bereich Verden, der erst für 2019 auf der Umstellungsliste der Gas-Endgeräte steht. 

mb

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