Bestehende Bushaltestellen bleiben wie sie sind / Kosten und Umweltbilanz

Neue Wartehäuschen mit viel Grün

Die zentrale Haltestelle am Markt / Schmiedeberg steht zumindest in einem grünen Umfeld.
+
Die zentrale Haltestelle am Markt / Schmiedeberg steht zumindest in einem grünen Umfeld.

Achim – Sämtliche Buswartehäuschen in Achim zu begrünen, um die Luftqualität und das Stadtbild zu verbessern, hatte die CDU-Ratsfraktion beantragt. Aber dazu wird es nicht kommen. Ein Umbau der etwa 60 Haltestellenanlagen im Besitz der Stadt würde insgesamt rund eine viertel Million Euro kosten, zudem ginge der Materialaustausch und anfallende Müll zulasten der Klima- und Umweltbilanz, heißt es in einer Stellungnahme der Verwaltung zu dem Ansinnen der Christdemokraten. Vor diesem Hintergrund befürwortete der Ratsausschuss für Wirtschaft, Stadtentwicklung, Umwelt und Verkehr am Dienstag mit den Stimmen der CDU, Grünen und der WGA sowie eines Großteils der Gruppe SPD/Mindermann, nur alle künftigen Bushaltestellen ökologisch zu gestalten. Werner Meinken (SPD) und Hans Baum (FDP) waren dagegen.

Steffen Zorn, Leiter des Fachbereichs Bauen und Stadtentwicklung, hatte in der Sitzung dafür geworben, in Zukunft lediglich Wartebereiche in stark versiegelten Gebieten zu begrünen und auch mit Photovoltaikanlagen auszustatten. Als konkrete Beispiele nannte er den geplanten Omnibusbahnhof im entstehenden „urbanen Viertel“ am Bahnhof und die vorgesehene Haltestelle am neuen Logistikzentrum im Uesener Feld. „Aber meiner Meinung nach brauchen wir keine derartige Ausstattung im ohnehin grünen Badenermoor und in anderen dörflichen Bereichen“, sagte Zorn.

Ausschussvorsitzender Meinken sah das genauso mit Blick auf das „Kosten-Nutzen-Verhältnis“. Die deutliche Mehrheit im Gremium folgte der Argumentation des Fachbereichsleiters jedoch nicht.

Der Vorstoß der CDU auf diesem Feld ist nicht ganz neu. Bereits im Juli 2019 hatte die Gruppe SPD/Mindermann im Rat gefordert, „nach Prüfung der Kosten alle Buswartehäuschen im Besitz der Stadt Achim mit Sedum zu bepflanzen“.

Die Verwaltung befasste sich daraufhin eingehend mit dem Thema. Umweltbeauftragte Jasmin Albertus hält das Achimer Unternehmen Soiltec Geosystems für geeignet, die Haltestellen in gewünschter Weise umzurüsten. Für eine „Extensivbegrünung“ habe die Firma ein Baukastensystem, bestehend aus Speicher und Drainagematte, einem Substrat sowie Sedummatten mit drei bis fünf Sedumarten. „Die Waben mit den Sedumsprossen werden in vorgefertigten zweiteiligen Dachwannen auf dem Dach montiert, nachdem die vorhandenen Glasscheiben entfernt wurden“, erläutert Albertus. Bei einer nachträglichen Montage müssten jedoch die Dachflächenneigung und die Statik beachtet werden. Die Umbaukosten pro Häuschen beziffert Albertus auf mehr als 4 000 Euro. Dazu käme noch ein jährlicher Unterhaltungsaufwand von je 200 Euro.

60 umgebaute Buswartehäuschen würden insgesamt rund 270 Quadratmeter begrünte Dachfläche ergeben. „Das ist weniger als nur eine öffentliche Fläche“, merkt die Umweltbeauftragte dazu an. Alle Häuschen umzurüsten würde rund 250 000 Euro Investitions- und etwa 12 000 Euro jährlich laufende Unterhaltungskosten verursachen.

Albertus führt in der Sitzungsvorlage auch eine Studie des Instituts für Agrar- und Stadtökologische Projekte an der Humboldt-Universität zu Berlin an. Danach könnten pro Quadratmeter bis zu 900 Gramm Kohlendioxid in einer extensiven Dachbegrünung mit Sedumsprossen gespeichert werden. Dieser Höchstwert sei bei Untersuchungen im Juli festgestellt worden und sinke bis November auf unter 600 Gramm ab. „Gegenzurechnen“ sind laut Albertus die bei der Umrüstung entstehenden CO2- und Feinstaubbelastungen. „Unter anderem die Herstellungskosten der verwendeten Materialien, die benötigten Maschinen und Geräte und An- und Abfahrten für die mindestens zweimal pro Jahr notwendigen Kontrollen.“

Aus Sicht der Verwaltung fällt somit der ökologische und klimarelevante Nutzen durch die Dachbegrünung von Wartehäuschen, „sehr gering oder sogar negativ“ aus. Insbesondere in überwiegend nicht versiegelten Bereichen, die etwa 70 Prozent des Stadtgebiets ausmachten.

Im Vergleich zu extensiven Dachbegrünungen können Gehölze nach Angaben von Jasmin Albertus im Mittel pro Quadratmeter etwa 1,4 Kilogramm CO2 speichern. Bei Wiesen liege dieser Wert bei 1,9. Wildmischungen und Stauden als Vegetationsformen seien in der Lage, sogar bis zu 4,4 Kilo Kohlendioxid zu speichern. „Kombinationen aus verschiedenen Vegetationsformen mit Stauden, Gehölzen und Rasen können zu einer CO2-Speicherung zwischen etwa 2,4 bis 2,9 Kilo pro Quadratmeter beitragen“, merkt Albertus an.

Weiter gibt sie zu bedenken, dass die städtischen Buswartehäuschen mit Fördermitteln, unter anderem des Landes, barrierefrei gemacht worden seien. „Ein Umbau müsste alleine von der Stadt Achim finanziert werden.“

Anders sieht es bei neuen Projekten aus. Für die geplanten ÖPNV-Stationen auf dem Lieken-Gelände und an der Max-Naumann-Straße laufen der Verwaltung zufolge Fördergeldanträge. Die dortigen Fahrgastunterstände sollen mit Gründächern errichtet werden. Sollte der Zweckverband des Verkehrsverbunds Bremen/Niedersachsen die Zusatzkosten dafür jedoch nicht übernehmen, muss die Stadt Achim nach eigenen Angaben mit zusätzlichen Investitionskosten von 15 000 Euro rechnen. Dazu käme ein Wartungsaufwand von etwa 1 000 Euro pro Jahr.  mm

Das könnte Sie auch interessieren

elona ist da. Ihre lokalen Nachrichten.

Mehr zum Thema:

"Walfriedhof" vor Australien: Hunderte Grindwale tot

"Walfriedhof" vor Australien: Hunderte Grindwale tot

Bratwürste mit Viagra, Gin-Tonic oder Trüffel

Bratwürste mit Viagra, Gin-Tonic oder Trüffel

Kleiner Freund für die Großstadt: Der Citroën Ami im Test

Kleiner Freund für die Großstadt: Der Citroën Ami im Test

Trail-Running fordert Läufer heraus

Trail-Running fordert Läufer heraus

Meistgelesene Artikel

Schulbusbeförderung in Thedinghausen: Probleme, Pannen und ausgesetzte Grundschüler

Schulbusbeförderung in Thedinghausen: Probleme, Pannen und ausgesetzte Grundschüler

Schulbusbeförderung in Thedinghausen: Probleme, Pannen und ausgesetzte Grundschüler
„Die Leute kommen her, um zu schnacken“

„Die Leute kommen her, um zu schnacken“

„Die Leute kommen her, um zu schnacken“

Kommentare