Nach CDU-Antrag zur Entwicklung der Innenstadt

Wirtschaftsbeirat entsetzt: „Die neue Vision: Rentner genießen Friedhofsruhe“

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Immer mehr Läden stehen in der Fußgängerzone leer. Wie der Misere begegnet werden soll, darüber haben die Ratsfraktionen und Institutionen wie der ehrenamtlich tätige Wirtschaftsbeirat unterschiedliche Auffassungen.

Achim - „Die neue Vision: Rentner sitzen auf ihrer Bank im Vorgarten an der Obernstraße und genießen die Friedhofsruhe!“ Mit einer Portion Sarkasmus kommentiert der Wirtschaftsbeirat der Stadt Achim den Antrag von CDU, FDP und WGA in der jüngsten Sitzung des Planungsausschusses, auch Wohnungen im Erdgeschoss von Gebäuden in der Fußgängerzone zu erlauben. Bei einem Pressegespräch am Freitag äußerte das aus früheren Unternehmern bestehende Gremium seinen Unmut und seine „Enttäuschung“ über die Vorstellungen der genannten Fraktionen zur Innenstadtentwicklung.

„Vertreten CDU und FDP überhaupt noch Wirtschaftsinteressen?“, argwöhnte Vorsitzender Adolf Brockmann. „Ich wäre an dem Abend am liebsten gleich wieder zurückgetreten“, meinte Rudi Knapp, in der Sitzung am Dienstag vom Bürgermeister frisch verpflichtetes beratendes Mitglied im Ausschuss. „Wir arbeiten seit 15 Jahren daran, dass in der Innenstadt was passiert. Das hat uns wirklich umgehauen“, sagte Sigurd Wasmund beim vom Wirtschaftsbeirat eilig einberufenen Gespräch an seinem Sitz auf dem Desmagelände.

Das Trio schüttelt den Kopf. „Gerade zum jetzigen Zeitpunkt, an dem es deutliche Hoffnungszeichen für eine positive Entwicklung des Einzelhandels in der Innenstadt gibt, empfehlen einige Mitglieder dieses Ausschusses durch ihren Antrag den sukzessiven Selbstmord des aperiodischen Einzelhandels.“

Sollte dieser Beschlussvorschlag durchkommen, hätte das weitreichende Folgen, warnt der Wirtschaftsbeirat. Eine Händlerin in der Innenstadt und ein Investor hätten schon jetzt signalisiert, dass sie sich unter diesen Umständen zurückziehen würden.

Der von der Stadtverwaltung zur Beschlussfassung vorgelegte Bebauungsplan eröffne neue Chancen für die Ansiedlung moderner, großflächiger Geschäfte, sagt der Beirat. Die meisten Handelsfirmen, die sich auf seine Nachfrage hin für den Standort Achim interessierten, „wollen mindestens 1 200 bis 1 500 Quadratmeter Ladenfläche haben“, merkte Wasmund an.

Und die für Geschäfte zur Verfügung stehenden Areale dürften nicht verkleinert werden, sondern müssten im Gegenteil wachsen. Denn größere, namhafte Unternehmen wollten nur nach Achim kommen, wenn die Verkaufsfläche in der Innenstadt von jetzt rund 7 000 Quadratmetern auf 20 000 erhöht werde.

Der Beirat hofft, dass sich die Kommunalpolitiker unterschiedlicher Coleur noch zusammenraufen. „Das Problem ist, dass die SPD und die CDU in Achim nicht miteinander können“, bedauert Sigurd Wasmund. Diese Spaltung müsse überwunden werden. „In grundlegenden Fragen der Stadtentwicklung ist ein Konsens zumindest der großen Parteien wichtig.“

Der Wirtschaftsbeirat habe vor kurzem mit der SPD-Ratsfraktion ein „sehr gutes Gespräch“ zur Innenstadtentwicklung geführt, informierte Adolf Brockmann weiter. Die CDU sei bisher nicht auf solch ein Angebot eingegangen. „Und wir wollen auch noch mit den kleineren Fraktionen sprechen.“

Aufgrund der geplanten Großgewerbeansiedlungen – Stichworte Amazon und Achim-West – werde die Stadt in den nächsten Jahren an Arbeitsplätzen und Einwohnern deutlich hinzugewinnen, stellt der Wirtschaftsbeirat abschließend fest. Wie passe die von Volker Wrede (CDU) beantragte Änderung des Bebauungsplans „zu dieser von allen Parteien unterstützten Entwicklung“?

Noch aber ist das letzte Wort in Sachen „Wohnen im Erdgeschoss in der Fußgängerzone“ nicht gesprochen. Der Verwaltungsausschuss hat das Thema am Donnerstag nach Auskunft des Ersten Stadtrats Bernd Kettenburg vertagt. Der Stadtrat soll jedoch in der Sitzung am 7. November über den Bebauungsplan entscheiden, und dort verfügen CDU, FDP und WGA über keine Mehrheit.

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