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Neue Heimat für 311.000 Mini-Aale in Weser, Eyter und Aller

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Von: Dennis Bartz

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Volker Wandrei lässt die Glasaale unterhalb der Ueser Brücke behutsam in die Weser.
Volker Wandrei lässt die Glasaale unterhalb der Ueser Brücke behutsam in die Weser. © Bartz

Achim – Mit geschultem Blick schreitet Volker Wandrei das Weserufer unterhalb der Ueser Brücke in Achim ab – dann nickt er zufrieden. Der zweite Gewässerwart des Achimer Anglervereins hat die perfekte Stelle gefunden, um die etwa 13 .500  Glasaale, die er in einer weißen Plastikschale trägt, behutsam in der Weser auszusetzen. „Für etwa zwei Stunden verstecken sie sich zum Akklimatisieren im Sand“, berichtet Wandrei.

Per Nachtexpress erreichen die etwa acht Zentimeter langen und unter einem Gramm schweren Jungfische, die aus Frankreich stammen, am frühen Freitagmorgen Achim. Von dort werden sie auf verschiedene Fahrzeuge verteilt, um dann eine neue Heimat in Weser, Aller oder Eyter zu finden. Insgesamt etwa 311. 000 Stück werden an diesem Tag von den Gewässerwarten verschiedener Angelvereine und Berufsfischer Kurt Janke zwischen dem Bremer Weserwehr und der Staustufe Dörverden ausgesetzt.

Insgesamt 34 .500 Euro kosten die Glasaale, 60 Prozent davon werden im Rahmen der Aalbesatzförderung der Europäischen Union und des Landes Niedersachsen finanziert. Den Rest zahlen die Angelvereine und Janke.

Es ging dem Aal vermutlich noch nie so schlecht wie in dieser Zeit.

Gerd Schröder

„Früher einmal gab es hier Aal satt“, betont Gerd Schröder, Vorsitzender der Weser- und Aller-Fischereigenossenschaft Verden. Seit etwa 250 Millionen Jahren, berichtet er, seien Aale hier heimisch und hätten sogar Eiszeiten unbeschadet überstanden – der Bau von Stauanlagen entlang der Flüsse habe jedoch dazu geführt, dass der Aal-Bestand in den vergangenen 30 Jahren immer weiter zurückgegangen ist. „Es ging dem Aal vermutlich noch nie so schlecht wie in dieser Zeit. Er gilt seit etwa 20 Jahren als gefährdet“, bedauert Schröder.

Obwohl Wissenschaftler überall auf der Welt schon lange danach forschen, sei es ihnen nicht gelungen, Aale künstlich zu züchten. „Über die Fische ist ohnehin sehr wenig bekannt. Wir wissen zum Beispiel nicht einmal, wie sie sich vermehren. Sie laichen vermutlich in mehr als 1 .000 Metern Tiefe – das hat noch niemand gesehen“, berichtet Schröder.

Jahrelang verbleiben Aale in heimischen Flüssen – dann suchen sie das Weite: Sie reisen flussabwärts zum Meer. Ihr Ziel: der Sargassosee im Nordatlantik. Dort paaren sich die Aale – und sterben danach. Vorher stoßen Aalweibchen Millionen Eier aus, die während der monatelangen Wanderung heranreifen.

Die Glasaale, die an diesem Tag in Weser, Eyter und Aller ausgesetzt werden, stammen ursprünglich vermutlich aus Nordafrika und verschiedenen Ländern Europas. Sie tragen ihren Namen, weil sie zu diesem Zeitpunkt noch fast durchsichtig sind. „Man kann sogar all ihre Organe erkennen – später werden daraus die Aale, die wir kennen. Sie werden bis zu einem Meter lang und etwa zehn bis zwölf Jahre alt“, so Gerd Schröder, der betont: „Der Schutz der Aale ist wichtig, denn sie übernehmen eine wichtige Rolle im Ökosystem.“

Seit 2011 unterstütze die EU jährlich den Einsatz hiesiger Angelvereine: „Und wir haben seitdem einige Millionen Aale ausgesetzt. Das macht sich bezahlt: Der Bestand erholt sich langsam“, so Schröder. Bereits für Juni ist eine weitere Aktion geplant: Dann sollen Farmaale ausgesetzt werden.

Die ausgesetzten Glasaale sind etwa acht Zentimeter lang und fast durchsichtig, dadurch sind auch die Organe sichtbar.
Die ausgesetzten Glasaale sind etwa acht Zentimeter lang und fast durchsichtig, dadurch sind auch die Organe sichtbar. © Bartz

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