Zwei Krankenschwestern der Aller-Weser-Klinik in Achim erzählen von ihrer Arbeit

Nah dran am Menschen

Pflegerinnen unterschiedlicher Generationen: Julia Schmieta (links) hat 2020 ihre Ausbildung zur Gesundheits- und Krankenpflegerin beendet und arbeitet auf Station 2. Kerstin Lüdke (Mitte), Leiterin der Station 1a, blickt auf 40 Dienstjahre als Krankenschwester zurück. Sybille Homeyer (rechts) ist die stellvertretende Pflegedirektorin.
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Pflegerinnen unterschiedlicher Generationen: Julia Schmieta (links) hat 2020 ihre Ausbildung zur Gesundheits- und Krankenpflegerin beendet und arbeitet auf Station 2. Kerstin Lüdke (Mitte), Leiterin der Station 1a, blickt auf 40 Dienstjahre als Krankenschwester zurück. Sybille Homeyer (rechts) ist die stellvertretende Pflegedirektorin.

Achim – Zeitnot, Stress, Personalmangel – in den Pflegeberufen, ob im Altenheim oder Krankenhaus, herrscht vielfach schon lange ein Notstand, der durch die Corona-Pandemie noch deutlicher zutage tritt. An den Standorten Achim und Verden der Aller-Weser-Klinik (AWK) sind insgesamt rund 380 Mitarbeiter in der Pflege in Voll- und Teilzeit beschäftigt, teilt Pressereferentin Alexandra Saake mit. Mit zwei Gesundheits- und Krankenpflegerinnen unterschiedlicher Generationen, Julia Schmieta und Kerstin Lüdke, hat das Achimer Kreisblatt über ihre Arbeit an Corona-Weihnachten 2020 gesprochen.

Schmieta begann 2017 ihre Ausbildung an der AWK und ist seit August 2020 examiniert. Aktuell arbeitet sie in Achim auf Station 2 (Innere und Geriatrie). Lüdke, die in den 1960er-Jahren ihre Lehre absolvierte, feiert dieses Jahr ihr 40. Dienstjubiläum an der Klinik. Als Leiterin der Station 1a ist sie teilweise für die chirurgische Abteilung, teilweise für die Corona-Isolierstation zuständig.

Gerade in Corona-Zeiten gefällt Julia Schmieta ihre Arbeit im Krankenhaus „wesentlich besser als noch weiter zur Schule zu gehen“. Wenn sie den Klinikalltag schildert, fällt auf, dass neben der Körperpflege und dem Verteilen von Medikamenten und Mahlzeiten auch Zeit ist, sich mit den Patienten auf der Geriatriestation zu beschäftigen. Wegen der Pandemie dürfen sie keinen Besuch empfangen. „Es besteht ein enger Kontakt zu den Patienten“, so Schmieta. Dabei werde das Pflegepersonal von FSJlern unterstützt, die zum Beispiel nachmittags Brettspiele mit Patienten spielen.

Das Pflegeteam von Station 1a arbeitet seit Einrichtung der Corona-Isolierstation geteilt, erzählt Kerstin Lüdke. Auf der Isolierstation tragen die Mitarbeiter zusätzlich zur OP-Maske Schutzkittel oder Overall, Handschuhe und Schutzbrillen. Elf Zimmer sind zurzeit sowohl mit Verdachtsfällen als auch mit positiv auf Corona getesteten Patienten belegt. Nach Bedarf würden diese Kapazitäten vergrößert oder verkleinert. Die Patienten sind dort in Ein-Bett-Zimmern untergebracht, Ehepaare auf Wunsch gemeinsam. Eine Hauptaufgabe der dort eingesetzten Pflegerinnen und Pfleger ist das Kontrollieren des Sauerstoffgehalts im Blut. Obgleich die Intensivstation in Verden angesiedelt ist, seien in Achim „schon teilweise recht kranke Patienten auf der Isolierstation“. Weil die Corona-Patienten unterschiedlich starke Symptome haben, müssen die Krankenpfleger mehrmals täglich ihre Schutzkleidung wechseln. „Das ist ziemlich aufwendig“, sagt Lüdke.

Als Kerstin Lüdke 1980 im Achimer Krankenhaus anfing, seien die Arbeitsbedingungen noch andere gewesen: „Früher stand die Patientenversorgung im Vordergrund. Heute müssen wir ganz viel dokumentieren, das kostet viel Zeit.“

Seit 2019, mit Inkrafttreten der sogenannten Personaluntergrenzenverordnung (demnach muss für zehn Patienten eine examinierte Pflegekraft vorhanden sein) sei das Pflegepersonal an der AWK aufgestockt worden, sagt die stellvertretende Pflegedirektion Sibylle Homeyer. „Es arbeiten jetzt vielfach zwei Krankenschwestern, wo früher nur eine zuständig war“, so Homeyer.

Zudem profitiere die AWK von der „Konzertierten Aktion Pflege“, mit der die Bundesregierung seit 2018 „bessere Entlohnung, mehr Auszubildende und mehr Personal“ schaffen möchte, wie es auf deren Internetseite heißt. So könnten etwa Ausbildungsstellen refinanziert werden. Seit 2016 bildet die AWK auch selbst aus. Aktuell hat die Klinik in Achim und Verden 48 Auszubildende, laut Alexandra Saake nicht nur angehende Gesundheits- und Krankenpfleger, sondern auch Operationstechnische Assistenten, Medizinische Fachangestellte und Hebammen (seit 2020).

Gesundheitsschutz in Corona-Zeiten nimmt die Klinik ernst: „An beiden Standorten hat sich noch keine Pflegekraft bei der Arbeit angesteckt“, berichtet Sibylle Homeyer. Die einzigen beiden Corona-Fälle seien auf den häuslichen Bereich zurückzuführen gewesen. „Ich glaube, dass wir hygienetechnisch alles richtig gemacht haben“, fasst Homeyer zusammen. Einige Beispiele: Schnelltests, die innerhalb von 30 Minuten ein Ergebnis liefern, stehen zur Verfügung. Auf dem Klinikgelände ist das Tragen einer Mund-Nasen-Bedeckung Pflicht. Für die Ausstattung mit FFP-2-Masken sei inzwischen lückenlos gesorgt. „Zweimal pro Woche sprechen wir in einer Corona-Sitzung auch mögliche Ausbruchsszenarien durch“, erklärt Saake. Falls sich plötzlich viele Mitarbeiter infizierten, würde die AWK zunächst Verstärkung von zurzeit beurlaubten Mitarbeitern anfordern und sich notfalls an Zeitarbeitsfirmen wenden.

Vor Beginn der Pandemie und ohne Besuchsverbot sah es laut Julia Schmieta in der Aller-Weser-Klinik anders aus: „Vor Corona kamen viele Besucher, die die Patienten auch oft in die Cafeteria begleitet haben.“ Die Belegschaft bemühe sich aber, andere Wege der Kommunikation zu ermöglichen. Wer kein Mobiltelefon hat oder sich mit der Bedienung schwertut, könne den Zimmeranschluss direkt am Bett nutzen oder sogar über ein Diensttelefon Anrufe tätigen. Auch Begegnungen mit Angehörigen würden teilweise ermöglicht: „Dafür bringen wir Patienten nach unten in die Eingangshalle. So können sie ihrem Besuch wenigstens durch die Scheibe zuwinken und Blickkontakt aufnehmen.“

Das Besuchsverbot belaste besonders die Demenz-Patienten: „Wir müssen die Patienten manchmal aufbauen. Wenn jemand gar nicht zu beruhigen ist, kontaktieren wir auch kurzfristig Angehörige“, so Kerstin Lüdke. Bei Bedarf steht als Seelsorgerin Pastorin Anja Sievers von der Kirchengemeinde Lunsen für Gespräche bereit. Eine Ausnahme von der Besuchsregel gilt übrigens bei Schwerkranken und Sterbenden – sie dürfen von den Angehörigen begleitet werden.

Über Weihnachten muss Kerstin Lüdke arbeiten, Silvester hat sie frei. „Wenn man den Beruf der Krankenschwester wählt, dann weiß man, dass die Arbeit nicht vor den Feiertagen Halt macht.“ Die Mutter von fünf Kindern, inzwischen mit eigenen Familien, wird an Weihnachten nur einen Teil ihrer Lieben treffen: „Wir müssen gucken, wie wir das zeitlich organisieren können.“ Auf dem Dienstplan von Julia Schmieta ist es umgekehrt: Sie arbeitet an Silvester und hat an den Weihnachtsfeiertagen frei. Um ihre Eltern und Geschwister, von denen ein Bruder zu einer Risikogruppe gehört, treffen zu können, wird sie zuvor einen Abstrich machen lassen. Auf ein Treffen mit den Großeltern werde sie dieses Jahr verzichten: „Das wird ein anderes Weihnachten“, so Schmieta. Lüdke richtet ihre Hoffnungen auch angesichts der bald beginnenden Impfungen auf 2021: „Es ist ohnehin besser, man sieht das positiv.“

Pflegekräfte verteilen „Post mit Herz“

Für die bundesweite Aktion „Post mit Herz“ hatte sich auch die Aller-Weser-Klinik (AWK) beworben. Ziel ist es, Menschen, die an den Festtagen einsam sind, zum Beispiel im Pflegeheim, im Krankenhaus oder auf der Straße, eine Freude zu bereiten. Ohne die angeschriebene Person zu kennen, haben sich viele an der anonymen Brief-Aktion beteiligt. Zwei Kartons mit Briefen erhielt die AWK laut Alexandra Saake, Referentin für Öffentlichkeitsarbeit. „Wir sind total überwältigt von diesem großen Zuspruch“, betont Saake. Bereits in den vergangenen Tagen vor Weihnachten hat das Pflegepersonal die „Post mit Herz“ an die Patienten verteilt – und bei Bedarf auch vorgelesen.

Weitere Info

www.postmitherz.org

Von Lisa Duncan

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