Beschäftigte der Waldheim-Werkstätten sind bei Hydro tätig

Nah dran am ersten Arbeitsmarkt

Fleißig bei der Arbeit: Tina (links) und Tanja sind hier am Montieren beziehungsweise Demontieren von Teilen.
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Fleißig bei der Arbeit: Tina (links) und Tanja sind hier am Montieren beziehungsweise Demontieren von Teilen.

Achim – „Es ist toll hier“, sagt Torben und strahlt. Marcel nickt. „Der Job macht Spaß“, ist auch von Tanja und Tina einen Raum weiter zu hören. Die jungen Leute haben ihren Arbeitsplatz bei den Waldheim-Werkstätten in Achim-Bierden gegen einen bei Hydro Extrusion in Uphusen eingetauscht, wo sie seit August Teile montieren, sortieren, schrauben. Sie sind mächtig stolz darauf, nun in einer „richtigen“ Fabrik werkeln zu dürfen.

„Es ist ein Gewinn, hier jetzt Kräfte aus dem Waldheim zu beschäftigen“, sagt Hydro-Standortleiter Ralf Liedtke, der die Kooperation zwischen der Behinderten-Einrichtung und dem Aluminiumhersteller in die Wege geleitet hat. „Damit sind sie nah dran am ersten Arbeitsmarkt“, freut sich auch Gruppenleiter Sebastian Hobe von den Waldheim-Werkstätten.

Aber wie kam es dazu? Ein Bericht im Fernsehmagazin „buten un binnen“ von Radio Bremen über die enge Verbindung eines Unternehmens mit dem Martinshof in der Hansestadt habe ihn sehr berührt, erzählt Liedtke. „Mitarbeiter, die nur in der Behinderten-Werkstatt tätig waren, fühlten sich unterfordert und zeigten sich begeistert, in einer herkömmlichen Firma arbeiten zu dürfen“, schildert der Geschäftsführer. Außerdem habe ein Hydro-Kunde, ein Hersteller von Pflegebetten, den Wunsch geäußert, das Grundgerüst komplett montiert geliefert zu bekommen, „was wir nicht bieten konnten“.

Mit der Stiftung Waldheim und auch dem Martinshof kooperiere das Werk in Uphusen schon seit Jahren, aber bisher seien nach dort nur vereinzelt Aufträge vergeben worden. Jetzt sei eine ganz neue Dimension der Zusammenarbeit entstanden. „Wir wollten das Kommerzielle mit dem sozialen Aspekt verbinden“, erläutert Ralf Liedtke. Was auch den Wertekodex des Unternehmens wiederspiegele.

Jörg Grimm, Produktionsleiter bei den Waldheim-Werkstätten, habe sich sehr aufgeschlossen gegenüber der Idee gezeigt, einige seiner talentiertesten Kräfte bei Hydro arbeiten zu lassen. „Wegen der Corona-Pandemie hat sich der Start allerdings verzögert. Erste Fertigungsaufträge wurden deshalb von Betreuern erledigt“, informiert Liedtke. In der Zwischenzeit sei auf dem Firmengelände aber eine Werkstatt in einem leerstehenden Trakt neu aufgebaut und auch Platz für den Einkauf und das betriebliche Gesundheitsmanagement geschaffen worden.

Am „Männertisch“ hantieren Marcel (l.) und Torben. Hydro-Geschäftsführer Ralf Liedtke, Pressebeauftragter Thorsten Wenzlaff und Sebastian Hobe, Gruppenleiter von den Waldheim-Werkstätten, freuen sich über die Kooperation.

Aktuell arbeiteten neun Waldheimer in der frisch eingerichteten Halle. Die Frauen und Männer übten unterschiedliche Tätigkeiten aus. Einige montierten zum Beispiel Aluleisten für Warnsirenen von Einsatzfahrzeugen, während andere Gummis und Kappen aufzögen oder Bauteile für Outdoorbetten verschraubten. „Ich bin überrascht, was sie alles leisten können“, stellt der Hydro-Geschäftsführer lobend fest. „Es sind zum Teil sehr komplexe Aufgaben.“

Die Anzahl der von den Werkstätten kommenden Mitarbeiter soll noch aufgestockt werden. „Das Ziel sind zwölf Leute, so groß ist nämlich bei uns eine Gruppe“, erklärt Hobe. Wer statt in den Bierdener Werkstätten ein paar Kilometer weiter unter dem Dach von Hydro arbeitet, aber zumindest vorerst weiterhin formal das Waldheim als Arbeitgeber hat, bekommt der pädagogischen Fachkraft zufolge eine „etwas höhere Bezahlung“.

Die Kooperation soll übrigens keine Einbahnstraße bleiben und ausgeweitet werden. „Wir wollen künftig umgekehrt unsere Auszubildenden einige Wochen bei den Waldheim-Werkstätten reinschnuppern lassen, um deren soziale Kompetenz zu erhöhen“, verrät Liedtke.

Aber schon jetzt sorge der „Deal“ weit über Achim hinaus für Aufsehen. „Wir haben bei Hydro europaweit Feedback bekommen.“

Ralf Liedtke spricht von „wertvollen Erfahrungen“ und beschreibt Glücksgefühle: „Wenn ich fünf Minuten bei den neuen Beschäftigten mit ihrer direkten, unverstellten Art gewesen bin, bekomme ich gute Laune.“

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