Achimer Tafel bleibt trotz Corona-Lage geöffnet

Nachwuchs für „überaltertes Team“ gefragt

Das Tafelhaus an der Unterstraße bleibt vorerst weiterhin geöffnet, sagt Tafelchef Rainer Kunze.
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Das Tafelhaus an der Unterstraße bleibt vorerst weiterhin geöffnet, sagt Tafelchef Rainer Kunze.

Achim – Die Achimer Tafel bleibt trotz der sich zuspitzenden Corona-Lage bis auf Weiteres für alle Kundinnen und Kunden geöffnet. „Wie Lebensmittelläden dienen wir ja der Grundversorgung“, erklärte Vorsitzender Rainer Kunze am Montag bei einem Pressegespräch. „Und anders als in sozialen Medien behauptet, gibt es zurzeit auch keine Einschränkungen“, fügte er im Tafelhaus an der Unterstraße hinzu.

Sowohl Geimpfte als auch Ungeimpfte, die einen Berechtigungsnachweis vorlegen können, seien willkommen.

Das für die Zeit der Pandemie ausgearbeitete Hygienekonzept gilt laut Kunze weiter. „Maximal vier Kunden dürfen mit Maske gleichzeitig rein. An der Lebensmittelausgabe im Tafelhaus gibt es auch Spuckschutz.“

Einen Ausweis für die soziale Einrichtung könnten alle Personen beantragen, die weniger als 980 Euro im Monat zur Verfügung hätten. „Wenn Familienmitglieder dazu kommen, verschiebt sich die Grenze natürlich.“

Die Kundenstruktur hat sich nach Angaben von Kunze in jüngster Zeit verändert. „Etliche Leute ohne Berufsausbildung haben bei Amazon einen Job gefunden.“ Während die Zahl der Langzeitarbeitslosen, die meist als Hartz-IV-Empfänger Kunden der Achimer Tafel sind, also zurückgegangen sei, zählten nun „verstärkt Rentner, die ja im Schnitt immer älter werden“ zu den Bedürftigen. Darüber hinaus gehörten alleinerziehende Mütter und Väter sowie zu 30 Prozent Flüchtlinge zum Kreis der Kunden.

Deren Versorgung mit Gemüse, Obst, frischen Milchprodukten und haltbaren Lebensmitteln zu einem geringen Obolus leisteten rund 100 ehrenamtliche Kräfte des Tafelvereins. „Das Mitarbeiterteam ist seit Mitte des Jahres durchgeimpft“, merkte der Vorsitzende an. Jetzt stehe für viele die dritte Impfung an. „Ich selbst bin seit voriger Woche geboostert.“

Weitere Helferinnen und Helfer, die sich in ihrer Freizeit für andere engagieren wollen, seien willkommen. „Das Team ist überaltert. Manche Leute hier sind über 80“, erläuterte Kunze, der selbst vor Kurzem diesen runden Geburtstag gefeiert hat. Und einige mit gesundheitlichen Vorschädigungen hätten wegen Covid-19 und dem damit verbundenen Risiko für Leib und Leben aufgehört. „Wir brauchen noch Kräfte für die Ausgabe, das Büro und den Fahrdienst.“

Die Lieferwagen mit Kühlvorrichtung sind nicht nur dazu da, um Waren von Verbrauchermärkten in der Region abzuholen und zum Tafelhaus an der Unterstraße sowie den Filialen in Thedinghausen und Bassen zu transportieren. „Wir fahren inzwischen auch zu Amazon und holen dort haltbare Lebensmittel wie Kaffee, Tee und Getränke ab“, berichtete Kunze von der frischen Kooperation mit dem im Uesener Feld ansässigen Onlinehändler.

Am Steuer der beiden Kühlfahrzeuge sitzen häufig auch zwei junge Frauen. „Mit ihnen und zwei 16-jährigen jungen Männern, die ebenfalls hochmotiviert bei der Tafel ihren Bundesfreiwilligendienst leisten, sind wir unglaublich zufrieden“, schwärmte Rainer Kunze. Für kommendes Jahr hoffe er auf weitere BfDler dieser Güte.

Mitte 2022 werde auch ein neues Kühlfahrzeug benötigt. Und alte Tiefkühltruhen im Tafelhaus gelte es ebenfalls gegen modernes Gerät auszutauschen. „Wir sind für jede Spende dankbar.“

Nach dem Blick in die Zukunft richtete Kunze sein Augenmerk auch noch mal auf die Vergangenheit. Im Frühjahr 2020 sowie im vorigen Herbst und Winter hatte die Achimer Tafel für insgesamt sechs Monate geschlossen, was richtig gewesen sei. „Seit Beginn der Pandemie hatten wir keinen einzigen Corona-Fall – weder bei den Mitarbeitern noch bei den Kunden.“

Und die 2007 gegründete Institution, die an Stelle des Staates Hilfe leiste, habe auch in dieser schwierigen Zeit auf den Rückhalt durch die Bevölkerung bauen können. „Wir sind gesellschaftlich stark verankert“, freute sich Kunze. Was sich auch finanziell ausgezahlt habe. „16 000 Euro an Spenden konnten wir in Gutscheine und Lieferdienste stecken.“

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