Nachmittagsbetreuung kaum gefragt

Stadt Achim will Kita-Zeiten an tatsächlichen Bedarf der Eltern anpassen

Einige Wochen hinter dem Zeitplan liegt der Bau der neuen Kita in Baden, die nun voraussichtlich erst im Oktober fertiggestellt sein wird.
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Einige Wochen hinter dem Zeitplan liegt der Bau der neuen Kita in Baden, die nun voraussichtlich erst im Oktober fertiggestellt sein wird.

Achim – Nachdem der Bau von Kindertagesstätten in der Stadt voranschreitet, sollen nun die Betreuungszeiten an den tatsächlichen Bedarf der Eltern angepasst werden. Das erklärte Katja Luschei, Leiterin des Fachbereichs Bildung, Soziales und Kultur, am Montagabend im Sozialausschuss.

So seien die Betreuungszeiten von 13 bis 17 Uhr für Eltern wenig attraktiv. 83 Plätze gebe es zurzeit für diesen Zeitraum, 40 davon seien für das neue Kita-Jahr vergeben. Zwei Drittel dieser Kinder stehen weiterhin auf der Warteliste für eine Vormittagsbetreuung. Aus diesem Grund sollen die Nachmittagsplätze nach und nach ab- und die Betreuung am Vormittag ausgebaut werden, so Luschei, „damit wir zu den Bedarfen kommen, die die Eltern brauchen“. Die größte Schwierigkeit sei jedoch, die Angebote passend zur Nachfrage in den einzelnen Stadtteilen zu steuern. „Das werden wir nie genau hinbekommen, deshalb müssen wir einigen Eltern auch zumuten, weitere Wege zu fahren“, erklärte Katja Luschei.

Den Bau von insgesamt vier neuen Kitas hatte die Politik in der Vergangenheit beschlossen. Als Erstes wird die Einrichtung in Baden neben der Grundschule fertiggestellt. Zum neuen Kita-Jahr wird sie allerdings noch nicht bezugsfertig sein. Wegen des Wintereinbruchs im Februar haben sich Luschei zufolge die Arbeiten verzögert, sodass die voraussichtliche Fertigstellung erst im Oktober erfolgt. Drei Kindergarten- und zwei Krippengruppen entstehen dort in Trägerschaft der Lebenshilfe.

Im Kitaraum an der Grundschule Uphusen ist laut Luschei Anfang Mai eine Gruppe mit zwölf Mädchen und Jungen an den Start gegangen. Ab August ist dort eine Vormittagsbetreuung für insgesamt 25 Kinder in Trägerschaft der Johanniter vorgesehen. Im Februar zieht die Einrichtung dann in den Neubau an der Uphuser Dorfstraße. Vier Kita- und eine Krippengruppe werden dort entstehen.

Der Bauantrag für die Einrichtung in Trägerschaft der Arbeiterwohlfahrt (Awo) an der Magdeburger Straße ist bereits gestellt, erklärte die Fachbereichsleiterin. Ab Herbst kommenden Jahres soll die Betreuung von drei Gruppen starten. In Vorbereitung sei derzeit der Bauantrag für die Kita auf dem ehemaligen Lieken-Gelände. Drei Kita- und zwei Krippengruppen nehmen dort voraussichtlich im Sommer 2023 ihren Betrieb auf.

Für das neue Kindergartenjahr hat die Stadt 199 Krippen- und 452 Kita-Plätze vergeben (Stand 5. Mai). Weitere Anträge auf Betreuung erwartet Luschei aber noch. 41 Kindergarten-, 27 Krippen- und 23 Hortkinder sind noch unversorgt. Insgesamt gibt es in Achim 1519 Kita- und Krippenplätze einschließlich der freien Träger.

„Die Nicht-Versorgung liegt bei unter zehn Prozent. Kommt es nun zu einer Überversorgung oder füllen wir das durch Zuzüge auf?“, wollte FDP-Ratsherr Hans Jakob  Baum wissen und erklärte weiter: „Wir haben vielmehr im Bau als das, was uns gerade fehlt. Das kostet uns verdammt viel Geld“. Zudem biete Achim noch immer zu wenig Ganztagsbetreuung für Eltern an, die Vollzeit berufstätig seien. „Es wäre ein Grund zum Jubeln, wenn wir zu viele Plätze hätten“, sagte die Ausschussvorsitzende Silke Thomas (Grüne) in Richtung Baum. Das sah Hans-Michael Paulat (CDU) ähnlich: „Kinder sind unsere Zukunft. Und wenn wir da anfangen zu knapsen, dann haben wir schon verloren“, erklärte er.

„Wenn wir es uns leisten können, hätte ich gerne ein paar Plätze zu viel“, befand auch Katja Luschei. Allerdings würden die Einrichtungen voraussichtlich gar nicht in kompletter Gruppenstärke starten, weil das Personal fehle. Zurzeit seien in den neun Einrichtungen 14 Stellen vakant, davon acht Erzieherinnenstellen, zwei Springerkräfte und vier Quereinsteiger. Die Fachbereichsleiterin zeigte sich aber hoffnungsvoll, die Personalnot bald etwas lindern zu können, schließlich stünden noch Vorstellungsgespräche an.

Die Gleichstellungsbeauftragte Dr. Angelika Saupe machte auf ein ganz anderes Problem aufmerksam. Sie berichtete von einem möglichen versteckten Bedarf an Kinderbetreuung bei Geflüchteten. „Die rücken nicht in den Kriterienkatalog, weil die Eltern nicht arbeiten. Für die Integration wäre die Betreuung in Einrichtungen aber wichtig.“

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