Feuerwehrbedarfsplan gebilligt / Eine Wehr in Uesen und Baden?

Nach heißen Debatten dann doch alle einer Meinung

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Die Feuerwehrleute helfen bei Unglücken aller Art, auch in Betrieben.

Achim - Es geht um nicht weniger als den Schutz der Menschen und ihrer Gebäude vor Feuer und anderen Katastrophen, sonstigen Unglücken und Unfällen, was trocken „Feuerwehrbedarfsplan für Achim“ heißt. Auf 214 Seiten hat die Forplan-Gesellschaft dargestellt, wie es in Achim mit den Gefahren, Risiken und den Möglichkeiten der Feuerwehren aussieht. Der Feuerwehrausschuss des Stadtrats hat jetzt nach durchaus auch hitziger Diskussion das Werk dem Stadtrat zur Annahme empfohlen.

Akribisch hat der Gutachter die Struktur der Stadt Achim, besondere Gefahrenbereiche wie Krankenhäuser, Kindergärten, Schulen, Betriebe mit vielen Beschäftigten und gefährlichen Betriebsstoffen, die Autobahnen, die Lage, Häuser und Personalstärke der Feuerwehren und vieles andere dokumentiert und Lösungsvorschläge erarbeitet.

Zunächst wird erst einmal das Schutzziel festgelegt, dem alles unterzuordnen ist. „Die erste Feuerwehreinheit soll mit mindestens neun Einsatzkräften innerhalb von acht Minuten nach Alarmierung durch die Leitstelle am Einsatzort eintreffen. Dieses Ziel soll in 80 Prozent der Einsatzfälle versucht werden. Eine weitere Einheit mit mindestens sieben Einsatzkräften soll innerhalb der nächsten fünf Minuten, also nach 13 Minuten, am Unglücksort sein. In 90 Prozent der Fälle soll das gesichert sein.“

Stadtbrandmeister Olaf Dykau erläuterte, dass das zum Beispiel mit den acht Minuten keine willkürliche bürokratische Festlegung ist. Vielmehr sei bei einem Wohnhausbrand eine im Obergeschoss eingeschlossene Person nur noch zu retten, wenn die Feuerwehr spätestens bis acht Minuten vor Ort sei.

Der Gutachter hat festgestellt, dass Achim mit den Feuerwehren und Feuerwehrhäusern in Achim, Bierden, Uphusen, Embsen, Uesen und Baden geografisch und personell gut aufgestellt sei und auch den erhöhten Risiken einer Stadt mit Gewerbegebieten und mehreren Autobahnen gerecht werde.

Die Feuerwehrhäuser in Uphusen und Baden ließen allerdings zu wünschen übrig. Die Fahrzeughallen dort sind zu klein und zu eng. Umkleidemöglichkeiten existieren zum Teil nur in den Fahrzeughallen und nicht getrennt nach Geschlechtern. Diese Enge und zu geringe Parkmöglichkeiten können zu Behinderungen und Unfällen führen, auch wenn die beaufsichtigende Feuerwehrkasse alles noch absegnet.

Die Probleme sind nicht neu, und die Stadtvertreter wollen Abhilfe schaffen durch Erweiterungen der beiden Feuerwehrhäuser. Fraglich ist aber, ob in Baden an der Bahnhofstraße eine Erweiterung überhaupt möglich und sinnvoll istr. Hier sitzt auch noch das Rote Kreuz im Haus. Die Feuerwehr und auch die Stadt haben deshalb aucheinen Neubau am Hainkämpe im Gewerbepark im Blick.

In Uphusen war war bisher nur die Erweiterung des Hauses am Arenkamp im Gespräch. Fritz-Heiner Hepke (SPD) deutete allerdings an, dass es auch noch Neubaumöglichkeiten auf anderen Flächen gebe, die vielleicht auch im Zusammenhang mit dem Gewerbe- und Autobahn-Projekt Achim-West Sinn machten.

Eins der beiden Projekte, Baden oder Uphusen, könne per neuem Doppelhaushalt 2017/18 realisiert werden. Das zweite müsse auf den Haushalt 2019/20 warten, unterstrichen Bürgermeister Rainer Ditzfeld und 1. Stadtrat Bernd Kettenburg.

Klaus Mindermann (CDU), zugleich Ortsbrandmeister in Bierden, kritisierte allerdings heftig, dass die Stadtverwaltung für die verschiedenen Optionen noch keine finanziellen Berechnungen erstellt und ein halbes Jahr verschlafen habe.

Parteifreund Christian Petritzki befeuerte die Debatte mit dem Hinweis, während die Millionen im Kindergarten-, Bäder- oder Krankenhausbereich nur so rausgehauen würden, tue man zur Beseitigung dieser jahrzehntelangen Missstände zu wenig. Paula Kramann und Fritz-Heiner Hepke (beide SPD) fanden es dagegen daneben, Kindergärten und Krankenhäuser gegen die Feuerwehr auszuspielen.

Noch mehr Sprengstoff kam in die Debatte, als Joachim Schweers (Grüne) seine Auffassung bekräftigt hatte, eine Zusammenlegung der Feuerwehren in Uesen und Baden sei räumlich und finanziell sinnvoll. Während Hepke (SPD) und Petritzki (CDU) sich gleich von einem solchen Vorhaben distanzierten, entspann sich eine temperamentvolle Debatte zwischen dem Grünen und“Blauröcken“ . Die Floriansjünger unterstrichen, dass es bei einer solchen Frage nicht nur ums geld gehe, sondern auich um die Motivation und das Engagement der Feuerwehrleute. Bei einer Zwangsfusion wären die wohl hin.

Bevor es eskalierte, nahm dann der Achimer Ortsbrandmeister homas Köster „Dampf aus dem Kessel“, wie er sagte und zeigte sich sehr zufrieden mit dem Feuerwehrbedarfsplan sowie der jetzigen Situation: „Wir hatten schon schlimmere Zeiten in Achim“, stellte er fest und dachte wohl an frühere Überlegungen der SPD-Vertreter Meyer und Junker, Feuerwehren zusammenzulegen beziehungsweise Fahrzeuganschaffungen in Frage zu stellen.

Der Appell fruchtete und der Ausschuss beschloss nach der teilweise heißen Debatte den neuen Plan einstimmig inklusve der Stimme des Grünen.

mb

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