Friedrich Strahmann leitet mit 82 noch ein Orchester / Beim VdK tritt er kürzer

Musik als große Leidenschaft

Mandoline spielt Friedrich Strahmann für das Pressefoto auch gerne im Garten.
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Mandoline spielt Friedrich Strahmann für das Pressefoto auch gerne im Garten.
  • Michael Mix
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Achim – Friedrich Strahmann zählt eher zu den zurückhaltenden Zeitgenossen, zu denen, die sich nicht in den Vordergrund drängen. Dabei engagiert sich der pensionierte Rechtspfleger seit Jahrzehnten ehrenamtlich. Vor kurzem gab er den Vorsitz beim Sozialverband VdK in Achim ab. „Nach zwölf Jahren in dem Amt und mit 82 muss ich das nicht mehr machen“, sagt Strahmann, der als junger Mann auch einen kurzen Ausflug in die Kommunalpolitik unternahm. Aber dazu und zu seinem Wirken beim VdK später mehr.

„Musik war und ist meine große Leidenschaft“, platzt es während des Gesprächs mit dieser Zeitung aus dem 82-Jährigen heraus. „Ich habe mit zehn Jahren angefangen, Mandoline zu spielen.“ Wenig später frönte er seinem Hobby zusammen mit anderen. „Ich bin in das Mandolinen- und Gitarrenorchester Achim eingetreten.“

Doch Strahmanns Begeisterung für die Musik und sein Ehrgeiz dabei reichten über den eines einfaches Ensemblemitglieds hinaus. Er besuchte beim Landesverband der Zupfmusiker einen Dirigentenlehrgang und gab schon bald beim Orchester den Takt vor. Gerne vermittelte der Instrumentalist sein Wissen an jüngere Menschen. „Ich habe viele Schüler an der Mandoline und auch an der Gitarre ausgebildet“, erzählt Strahmann.

Das Mandolinen- und Gitarrenorchester, das er seit mehr als 30 Jahren und auch heute noch leitet, spielte früher im Konzertleben der Region eine bedeutende Rolle. „Jetzt treten wir aber nur noch in den Achimer Seniorenheimen auf. Denn die Mitglieder sind fast alle zwischen 70 und 80 Jahre alt, manche auch darüber hinaus“, erläutert der Orchesterleiter.

Musik gab in seiner Freizeit lange den Ton an. Strahmann spielte auch mehr als 40 Jahre beim Posaunenchor Achim und 30 Jahre bei der Blaskapelle Daverden. „Ich war ja ungebunden“, erklärt er. „Ich habe meine Frau Elke, die ich im Chor kennengelernt hatte, erst mit 57 geheiratet.“

Für Strahmann bildete das Musizieren im Kreise Gleichgesinnter den idealen Ausgleich zum Beruf. Bei der Staatsanwaltschaft Bremen schlug der Rechtspfleger die gehobene Laufbahn ein. „Ich war hauptsächlich in der Strafvollstreckung tätig, hatte auch mit Mördern zu tun.“

Zeit seines Lebens blieb Friedrich Strahmann seiner Heimatstadt treu. „Ich bin aus Achim nicht rausgekommen, außer die drei Jahre an der Rechtspflegeschule in Schwetzingen“, verrät er.

In den 60er-Jahren trat Strahmann in die SPD ein und zog 1969 als Nachrücker für die verstorbene Anneliese Engelhardt in den Stadtrat ein. Aber schon 1972, als die Gebietsreform die Einwohnerzahl Achims ungefähr verdoppelte, hatte er genug von der Kommunalpolitik. An das „Machtgehabe der Dorffürsten, Querelen zwischen den Ortsteilen und Fraktionszwang“, erinnert er sich ungern. „Das hat mir keinen Spaß gemacht.“

Mehr Erfüllung fand Strahmann beim VdK, bei dem er seit 41 Jahren mitmischt. Dem 1946 in Achim gegründeten Ortsverband gehören rund 500 Mitglieder an. Gemeinsam mit seiner Frau und weiteren Vorstandsmitgliedern organisierte er die monatlichen Kaffeenachmittage im städtischen Generationentreff an der Langenstraße. Tagesfahrten und Kurzreisen dienten ebenfalls der Pflege der Geselligkeit. „Das ist wegen Corona leider alles ausgesetzt.“ Weiterhin bietet Andrea Deckars von der VdK-Geschäftsstelle Verden zweimal im Monat Rechtsberatung im Achimer Rathaus an. „Von Arbeitslosigkeit über Grundsicherung und Krankenkasse bis Pflege gibt es viele Fragen“, weiß Strahmann.

Wie das Orchester ist auch der VdK in Achim überaltert. „Wir hätten gerne jüngere Leute, die im Vorstand mitarbeiten“, sagt der Ex-Vorsitzende. Sein Nachfolger Heiko Kremer (Telefon 62160) gehe auch schon auf die 80 zu. Friedrich Strahmann kümmert sich noch um die Mitgliederbetreuung. „Ich besuche Geburtstagsjubilare und muss leider auch öfter zu Trauerfeiern.“

Von Michael Mix

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