Bürgermeister Ditzfeld setzt auch in seiner zweiten Amtszeit auf Achim-West

„Müssen den Deckel auf den Topf kriegen“

Lenkt die auch kommenden fünf Jahre die Geschicke der Stadt Achim: der parteilose Bürgermeister Rainer Ditzfeld.
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Lenkt die auch kommenden fünf Jahre die Geschicke der Stadt Achim: der parteilose Bürgermeister Rainer Ditzfeld.

Achim – Für noch einmal fünf Jahre haben die Achimer Bürgermeister Rainer Ditzfeld ihr Vertrauen ausgesprochen. Am 1. November beginnt die zweite Amtszeit des 60-Jährigen. Welche Projekte er in diesem Zeitraum vorantreiben möchte und wie er sich künftig die Arbeit im Rat vorstellt, verrät er im Interview mit der Kreiszeitung. Die Fragen stellte Sandra Bischoff.

Herr Ditzfeld, am Montag beginnt Ihre zweite Amtszeit. Wie fühlen Sie sich?

Ganz gut. Nach einem anstrengenden Wahlkampf ist es eine schöne Bestätigung, dass ich eine zweite Amtszeit machen darf und es ist ein eindeutiges Ja, für die Projekte, die in der ersten Periode auf den Weg gebracht wurden, wie zum Beispiel das Thema Innenstadt. Dieses und andere Projekte möchte ich in den kommenden fünf Jahren mit dem neu gewählten Stadtrat gerne zum Abschluss bringen.

Sie haben ja schon sieben Jahre Erfahrung als Bürgermeister. Was wollen Sie anders machen, auch auf politischer Ebene?

46 Prozent der Ratsmitglieder haben zum ersten Mal ein Mandat, das heißt: Insgesamt 18 Ratsleute sind neu gewählt worden. Das bedeutet, dass wir als Verwaltung mit noch mehr Informationen auf die Politik zugehen müssen. Konkret werden sich die einzelnen Fachbereiche den neu gewählten Mandatsträgern vorstellen und für ihre Belange, gerade in der Anfangszeit, immer offene Ohren haben. Zudem wollen wir den neuen Ratsmitgliedern bei Bedarf auch vor den Sitzungen die verschiedenen Einrichtungen vorstellen, wie zum Beispiel die Kindertagesstätten, Feuerwehrhäuser und so weiter. Wir werden die Mandatsträger auch weiterhin so gut mit Informationen versorgen, dass sie sich ein Bild von den jeweiligen Situationen machen können, um eine Entscheidung zu treffen. Überhaupt haben wir als Verwaltung bisher mit allen Fraktionen gut zusammengearbeitet, und das soll auch so bleiben. Alle zwei Monate wird sich der Verwaltungsvorstand, also mein Stellvertreter Daniel Moos und ich, mit den Fraktionsvorsitzenden zu internen Gesprächen treffen, um Hintergründe zu erläutern oder bei wichtigen Entscheidungen vorab ein Stimmungsbild abzufragen. Das hat sich bewährt, weil man in vertraulicher Runde auch Dinge ansprechen kann, die nicht sofort für die Öffentlichkeit bestimmt sind.

Künftig wird es zwei große Lager geben: Die CDU kommt mit dem parteilosen Johann Meyer ebenso auf 13 Sitze im Rat wie die SPD mit Marcel Dominic Bandowksi von den Freien Wählern und Oliver-Jan Kornau von den Linken. Was bedeutet das für die politische Arbeit im Stadtrat?

Ich glaube, das Thema Lagerbildung spielt eher eine untergeordnete Rolle. In der vergangenen Legislaturperiode hatte die SPD zwölf und die CDU elf Sitze – auch da war schon eine Lagerbildung möglich. Wichtig ist, dass wir als Verwaltung die Beschlussvorlagen für die Ausschüsse und den Rat immer so auf den Weg bringen, wie es unserer Meinung nach das Beste für die Stadt Achim ist. Als parteiloser Bürgermeister bin ich glücklicherweise komplett frei von politischen Befindlichkeiten. Anfangs hieß es, ich werde es schwer haben, weil ich keine Fraktion hinter habe, die mir den Rücken stärkt. Das war es zuerst auch, aber mittlerweile sehe ich das als Riesenchance, denn es geht so um die Sache, nicht um Parteiprogramme. Was wir durch die künftige Ratszusammensetzung voraussichtlich verstärkt haben werden, sind deutlichere Abstimmungsverhältnisse durch die Gruppenbildungen, denn die Mehrheiten zu bestimmten Themen zum Beispiel in den Fachausschüssen werden künftig klarer verteilt sein als bislang.

Welche Ziele haben Sie für die kommenden fünf Jahre für Achim?

Ganz wichtig ist, dass wir Corona möglichst schnell hinter uns lassen, damit sich zum einen das gesellschaftliche Leben wieder normalisiert und wir zum anderen verlässliche Gewerbesteuern und Zahlen bei der Einkommenssteuer bekommen. Dadurch gelangen wir finanziell wieder in sichereres Fahrwasser. Das wiederum brauchen wir, um andere Projekte umsetzen zu können, wie zum Beispiel allen Eltern eine wohnortnahe Betreuung ihrer Kita-Kinder anzubieten. Dann können wir in fünf Jahren sagen: Unsere Bemühungen tragen jetzt Früchte, und wir haben den Druck bei den Eltern rausgenommen. Ebenso bei den Zukunftsprojekten in der Innenstadt mit Sparkasse, Gieschen-Kreisel und dem ehemaligen Nientkewitz-Haus. Dort sollte man in fünf Jahren eine positive Veränderung sehen. Aber die Projekte sind alle miteinander verzahnt: Erst wenn der Investor W&S im nächsten Jahr mit dem Bau des ersten Teils auf dem Lieken-Gelände begonnen hat und die Kreissparkasse dort nördlich der Bahn einziehen kann, dann ist der Weg frei, damit in dem jetzigen Sparkassengebäude in der Fußgängerzone etwas anderes entstehen kann.

Die Ansiedlung von Amazon ist auch ein Projekt, das in Ihre erste Amtszeit gefallen ist und von dem man jetzt etwas sehen kann ...

Ja, dadurch haben wir viele Anfragen von kleinen und mittelständischen Unternehmen, die sich gerne im direkten Umkreis von Amazon ansiedeln wollen, leider haben wir dafür keine geeigneten Gewerbeflächen mehr. Damit kommen wir auf das Thema Achim-West. Im Lauf des Frühjahrs soll der Planfeststellungsbeschluss vom Landkreis vorliegen. Noch in diesem Jahr oder Anfang des nächsten Jahres müssen wir den Deckel auf den Topf kriegen und uns mit Bremen über die Finanzierung für das Projekt einigen, damit unser Rat im Frühjahr sagen kann: Achim-West, ja oder nein.

Der Streit um die Ausweisung dieses großen Gewerbegebiets am Bremer Kreuz samt eigenem Autobahnanschluss geht politisch aber ja weiter. Sie sind ein Befürworter des Vorhabens. Wie wollen Sie denn die Parteien, die dem ablehnend gegenüberstehen, wie zum Beispiel die CDU, überzeugen?

Wir brauchen die Arbeitsplätze und die Steuern! Und wir haben eine riesige Nachfrage auch bei Achimer Firmen, die sich vergrößern wollen. Deshalb gehe ich optimistisch an das 90-Hektar-Projekt. Als wir damals das Gewerbegebiet in den Finien geplant haben, haben wir Wert daraufgelegt, dass dort keine rauchenden Schlote entstehen, sondern viel Grün und Alleen. Das ist auch für Achim-West ganz wichtig. Wir wollen ein grünes Gewerbegebiet schaffen und es zum Beispiel mit Erdwärme, Fotovoltaik und Wasserstoff auf den Weg bringen. Das ist nicht nur eine Riesenchance, sondern auch ein Alleinstellungsmerkmal. Außerdem wird es meines Erachtens wohl eine Zielvorgabe der Politik für die Anzahl der dort zu schaffenden Arbeitsplätze geben. Und wir werden versuchen, dass sich in dem Gebiet Firmen aus unterschiedlichen Branchen ansiedeln. Es hat sich in der Vergangenheit bewährt, die Gewerbeansiedlungen breit zu fächern. Denn wenn eine Branche dann mal ein bisschen hustet, kriegen wir als Stadt nicht gleich eine Erkältung.

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