Monumentale Zwerge in Sandstein

Skulpturenpark im Rathaus zeigt Bildhauerkunst von Winfried Reiner

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Winfried Reiner vor einem Teil seiner Skulpturenkunst. Die Vernissage im Rathaus war gut besucht. 

Achim - Von Ingo Schmidt. Ab sofort und noch bis zum 29. August begrüßt ein Ensemble kleiner Sandstein-Monumente die Besucher im Achimer Rathausfoyer. Dort feierte Winfried Reiner am Samstag eine vielbeachtete Ausstellungseröffnung: Unter dem Titel „Stein-Zeit“ setze Reiner einen neuen – im wahrsten Sinne – Schwerpunkt in der Achimer Kunstszene, erklärte Gastrednerin Petra Seydel zu Beginn ihrer Laudatio vor etwa 100 Gästen.

Als Diplom-Ingenieur verfüge Winfried Reiner über ein ausgeprägtes, dreidimensionales Vorstellungsvermögen, und auch Kreativität gehöre zu seiner beruflichen Grundfertigkeit. Gepaart mit Talent und handwerklichem Geschick verfüge er damit über wichtige Voraussetzungen für diese außergewöhnliche Ausdrucksform.

„Reiner arbeitet sich Schritt für Schritt in den Sandstein, um darin die Tiefe seiner Idee wiederzugeben“, beschreibt Petra Seydel das besondere Gestaltungsvermögen des Künstlers. „Reiners Werke zeigen eine Kontinuität, Formvereinfachung und reliefartige Komprimierung des Menschenbildes – und sie spiegeln darin das Wesen der Menschen.“

Die Form des Quaders locke den Betrachter und fordere ihn dazu auf, drum herum zu gehen und eine neue Sichtweise der Dinge anzunehmen. „In der künstlerischen Aussage kommt der Autodidakt dem Geheimnis des Steins auf die Spur“, interpretiert Seydel weiter. „Die Skulpturen zeigen Ruhe, Nähe, Berührung und Meditation – sie erscheinen monumentalisiert, blicken aber struktural in kleiner Form aus ihrer Umklammerung.“

Günther Kressl vertont den Entstehungsprozess der Skulpturen

Eine klingende Untermalung lieferte der Achimer Künstler Günther Kressl mit einem improvisierten Klavierspiel ab. Darin fasste er Entstehungsprozess und das Erscheinungsbild der Skulpturen in Töne zusammen. Die Klänge transportierten ihre Schwere, die Leichtigkeit und das Meditative ins Foyer. Disharmonien ließen die harten Hammerschläge nachempfinden und melodische Klänge das feine Raspeln. Desweiteren begleitet wurde der abschließende, lockere Austausch unter Gästen durch Peter Kray mit Klassikern aus Pop und Rock auf der Gitarre.

Reiners Werke entstehen nach seinen Angaben bei gutem Wetter in einer Gartenecke bei ihm zu Hause in Achim-Baden. Eine geplante Figur zeichnet der Bildhauer zunächst dreidimensional auf Papier. Die jeweiligen Motive projiziert er anschließend auf den Stein, um diesen dann mit Meißel grob zu bearbeiten und anschließend mit Handraspel feine Strukturen zu verleihen.

Pro Saison fertigt Winfried Reiner lediglich drei Skulpturen aus Obernkirchener Sandstein. Bis auf einige wenige zeigt er nun mitten in der Stadt sein gesamtes Werk.

„Die 17 Stücke beschreiben durchaus eine Entwicklung“, erklärt der Bildhauer. „Von symmetrischen Formen bis hin zu von festen Strukturen losgelösten, unsymmetrischen Objekten.“ Vorbilder sieht Winfried Reiner in der kubistischen Bildhauerkunst vom Anfang des 20. Jahrhunderts, die durch Andre Derain oder Constantin Brancusi repräsentiert ist.

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