Merlin und Finn gründen „Fridays for Future Achim“

„Möchte nicht, dass wir die Erde zerstören“

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Aktionstag an diesem Freitag auch in Achim: Merlin Hankel (14) und Finn Steffens (11) hoffen auf zahlreiche Mitstreiter für ihr Anliegen.

Achim - „Ich möchte nicht, dass wir die Erde zerstören“, sagt Finn Steffens (11). „Achim muss dringend umweltfreundlicher werden“, verlangt Merlin Hankel (14). „Wir wollen Bäume in der Stadt pflanzen.“ Die beiden Jungs haben die Gruppe „Fridays for Future Achim“ gegründet. Und fiebern dem globalen Aktionstag am 20. September entgegen.

„Fridays for Future“ und andere Umweltschutzorganisationen rufen für diesen Freitag zum weltweiten „Klimastreik“ auf. Nach dem Vorbild von Greta Thunberg oder der jungen deutschen Aktivistin Luisa Neubauer legen sich in Achim Merlin und Finn für das Ziel, die globale Erwärmung auf höchstens 1,5 Grad Celsius zu begrenzen und nicht weiter Raubbau an der Natur zu betreiben, ins Zeug.

Seit drei Monaten treffen sich die Schüler, die sich nach eigenen Angaben über Whatsapp kennengelernt haben, „ein- bis zweimal die Woche“ in ihrer Freizeit im ehemaligen Falkenheim an der Breslauer Straße. Dann überlegen sie gemeinsam, was für den Klimaschutz vor Ort gemacht und wie eine möglichst große Anzahl von Mitstreitern für dieses Ziel gewonnen werden könnte.

An ihren jeweiligen Schulen engagieren sich die Jungen ebenfalls in dieser in Deutschland und der Welt hochgekochten, brandaktuellen Angelegenheit. „Ich setze mich dafür ein, einen Schulwald als kleinen Beitrag gegen den Klimawandel zu schaffen“, erzählt Merlin, der die neunte Klasse an der IGS Oyten besucht. Finn, Sechstklässler am Achimer Marktgymnasium, mischt in der Biologie- und Naturschutz-AG mit. „Und Greenpeace finde ich auch gut.“

Das grüne Denken mündet bei Finn in konkrete Forderungen: „Ich möchte nicht, dass wir Wälder abholzen, um auf diesen Flächen Braunkohle auszubeuten.“ Er wolle verhindern helfen, „dass wir in 30 Jahren auf fremden Planeten sitzen müssen“.

Ist die 16-jährige Schwedin Greta, die Ikone der Fridays-for-Future-Bewegung, für die beiden jungen Achimer eine Heldin? „Greta hat was richtig gemacht“, antwortet Merlin trocken. „Aber sowohl der Personenkult als auch das Hating gegen sie sind daneben.“

Die Mini-Gruppe, die laut den bisher einzigen beiden Mitgliedern „hofft, größer zu werden“, wirbt neuerdings mit Flyern für ihr Anliegen. 5 000 Stück seien „auf dünnstem Recyclingpapier“ gedruckt worden. „Klimawandel stoppen. Sein kein Esel, mach mit“, heißt es auf den grün eingefassten beiden schmalen Seiten mit dem Hashtag „Achim for Future“ und diversen Kontaktadressen in sozialen Medien und im Internet. Die Blätter in Din-A-5-Höhe mit Esel und sterbendem Wald drauf liegen im Rathaus, in Geschäften und Schulen aus, sagen Finn und Merlin. „Und wir verteilen sie auf dem Wochenmarkt.“

Natürlich sei auch der Transport der Flyer von der Druckerei in Würzburg nach Achim umweltbelastend gewesen, merken die Aktivisten im Gespräch mit dieser Zeitung an. Ob der Versand zu einem Großteil mit dem Zug oder ganz mit einem Lkw erfolgt sei, wüssten sie nicht. „Aber die Druckerei hat zugesagt, als Ausgleich 85 Euro an ein Klimaschutz-Unternehmen in Hamburg zu zahlen.“

Derzeit dreht sich bei Merlin und Finn alles um den bevorstehenden großen Aktionstag. Zusammen mit der Nabu-Ortsgruppe wollen sie ein spannendes, ansprechendes Programm auf die Beine stellen. Von 10 bis etwa 14.30 Uhr soll in Achim auf dem Bibliotheksplatz der „Klimastreik“ über die Bühne gehen. „Dazu ist jeder willkommen, nicht nur Schüler und ihre Lehrer“, sagt Merlin, der die Eröffnungsrede halten wird. Er freue sich, dass auch Bürgermeister Rainer Ditzfeld vorbeischauen wolle.

Und was dürfen die Besucher an diesem speziellen Schulstreik-Tag für das Klima ansonsten erwarten? Merlin und Finn überlegen kurz, zählen dann auf: „Live-Musik, einen Büchertisch einer Achimer Buchhandlung, Diskussionsrunden, Kaffee und Kuchen – dafür am besten Geschirr mitbringen.“

Darüber hinaus seien Workshops geplant, etwa zum Thema „naturnaher Garten“. Die jungen Mitorganisatoren der Veranstaltung mischen auch dabei inhaltlich mit. „Mit Bus und Bahn durch Deutschland – wie man leicht und klimafreundlich reisen kann“, ist Merlins Beitrag an diesem Freitag auf dem Platz neben dem Rathaus überschrieben. Finn will Interessierten Alternativen zu Google & Co. aufzeigen, sein Workshop trägt den Titel „Klimaneutral im Internet“.

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