Bürgerzentrum besteht seit 40 Jahren

Mitten im sozialen Brennpunkt

Plakativ gestaltete Leinwände zeigen die Arbeit des Bürgerzentrums und die Entwicklung des Magdeburger Viertels auf, hier im Rathaus präsentiert von Bürgermeister Rainer Ditzfeld (links), Büz-Leiter Eric Stellmacher, den Mitarbeitern Mehmet Ates und Marianne Staudacher sowie Katja Luschei, Leiterin des Sozialfachbereichs der Stadt.
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Plakativ gestaltete Leinwände zeigen die Arbeit des Bürgerzentrums und die Entwicklung des Magdeburger Viertels auf, hier im Rathaus präsentiert von Bürgermeister Rainer Ditzfeld (links), Büz-Leiter Eric Stellmacher, den Mitarbeitern Mehmet Ates und Marianne Staudacher sowie Katja Luschei, Leiterin des Sozialfachbereichs der Stadt.

Achim – Das Magdeburger Viertel ist seit Jahrzehnten der soziale Brennpunkt in Achim. Siedelten sich dort zunächst vor allem Gastarbeiter aus der Türkei an, kamen später Menschen aus Kriegs- und Krisengebieten wie dem Libanon und dem Balkan sowie Russlanddeutsche hinzu, zuletzt fanden Flüchtlinge aus Syrien, dem Irak, Afghanistan oder Westafrika in den Wohnblöcken im Norden der Stadt eine Bleibe.

Vielfach entwurzelte, mitunter sogar traumatisierte Migranten aus ganz unterschiedlichen Kulturen, die es irgendwie schaffen wollen und müssen, in einem für sie vollkommen fremden Lebensumfeld Fuß zu fassen. Wichtigste und oft erste Anlaufstelle für die allermeisten ist das mitten im Viertel liegende, von der Stadt betriebene Bürgerzentrum. Seit 1981, also seit 40 Jahren, wird im Büz an der Magdeburger Straße vielfältige Sozialarbeit geleistet.

„Wir hatten natürlich eine Jubiläumsfeier geplant“, sagt dessen Leiter Eric Stellmacher am Dienstag beim Pressegespräch im Rathaus. „Wenigstens ein kleines Fest draußen vor dem Gebäude mit einem Punschstand vielleicht“, ergänzt Bürgermeister Rainer Ditzfeld. Aber selbst das habe die sich verschlimmernde Corona-Lage durchkreuzt.

Ditzfeld und Stellmacher hoffen, die Feier im kommenden Jahr nachholen zu können. Dann soll auch eine Jubiläumsausstellung im Saal des Büz und eventuell auch an weiteren Orten wie dem Rathaus zu sehen sein. „Wir haben mit meinem Vorgänger Dirk Ysker zwölf Leinwände zu verschiedenen Themen gestaltet“, informiert Stellmacher und nennt beispielsweise die Stichworte „Frauen vor Ort stärken“ und „Bürgerbeteiligung“. Praktisch nebenbei zeigen die Plakate aber auch den Wandel des Viertels mit Hilfe des von der EU aufgelegten Programms „Soziale Stadterneuerung“.

Das Büz sei ein „Haus der Begegnung für Menschen aus unterschiedlichen Kulturen“, stellt Mehmet Ates fest, der seit 1985 als Sozialarbeiter im Bürgerzentrum tätig ist. Das bis Ende 2019 von Dirk Ysker geleitete Team versuche, die „Wellen der Zuwanderung“ aufzufangen und biete unter anderem Nachbarschaftshilfen und Bildungsprojekte an. „Wir betreuen und beraten in allen Lebenslagen“, unterstreicht Ates’ Kollegin Marianne Staudacher, die seit 2005 im Büz arbeitet.

„Es geht darum, die Teilhabe der Bewohner des Viertels zu verbessern“, sagt Eric Stellmacher und verweist auf ein dafür zur Verfügung stehendes breites Angebot im Haus. Fahrrad- und Forscherwerkstatt, Lesestube, Bildungsmentorenprogramm, Berufs- und Schuldnerberatung, Stadtteilfrühstücke und -konferenzen, zählt er auf. Darüber hinaus sei das Büz seit Jahren auch ein „Familienzentrum“ und kooperiere mit der Astrid-Lindgren-Schule, der Himmelsstürmer- und der Schlaumäuse-Kita, dem Awo-Seniorenzentrum sowie den beiden Moscheegemeinden im Multikulti-Viertel.

Die Pandemie habe den Arbeitsaufwand im Büz noch erhöht. „In den Lockdown-Phasen hatten wir eine Flut von Fragen nach Rat“, berichtet der Büz-Leiter. Die beengten Wohnverhältnisse der Familien in den Blöcken im Viertel, „oft ohne Balkon“, fehlende Rückzugsmöglichkeiten oder auch mangelnde digitale Ausstattung verschärften die Situation. „Durch Corona geraten Kinder aus sozial schwierigen Verhältnissen noch stärker ins Hintertreffen“, betont Stellmacher.

„Wir versuchen, viele Selbsthilfeprojekte zu initiieren“, sagt Mehmet Ates. Für das kommende Jahr plane das Büz eine Schreibwerkstatt für Kinder und einen „Lerngarten“ mit Anleitung zum Beete-Bepflanzen.

„Und die Sprachkurse für Frauen müssen wir wieder zum Laufen bringen“, fügt Marianne Staudacher hinzu. Die Kinder von Migranten lernten ja in der Schule Deutsch und die Männer meist im Job. Den haben im Viertel übrigens immer mehr, weiß Ates. „Dank Amazon gibt es hier jetzt kaum noch Arbeitslose.“

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