Heeresmusikkorps Hannover begeistert zum 21.Mal in der vollen Aula

Mitreißender Konzertabend

Selbst am lauen letzten Sommerabend und am Heimspielabend von Werder füllte das treue und wiederum begeisterte Publikum die Achimer Aula restlos. - Fotos: Hägermann

Achim - Von Ilse Walther. Bereits zum 21. Mal war am Mittwoch das Heeresmusikkorps Hannover mit einem Benefizkonzert in der erfreulich gut besuchten Aula des Cato-Bontjes van Beek-Gymnasiums zu Gast. Unter seinem temperamentvollen Leiter Oberstleutnant Martin Wehn bot das stattliche Ensemble einen reichen Querschnitt aus seiner bereits 60-jährigen Geschichte, und alles wurde vom Dirigenten auch mit einer netten Geschichte humorvoll kommentiert. Der Traditionsverband Steubenkaserne hatte wieder die Musiker der Bundeswehr nach Achim geholt, das Achimer Kreisblatt das Konzert wieder präsentiert.

Man kann nur immer wieder staunen, wie großartig dieses Blasorchester musiziert. Dazu gehören auch drei Saiteninstrumente, Kontrabass und e-Gitarren, und eine besonders starke Gruppe von Schlagwerkern, die mit einem reichen Instrumentarium die verschiedenen Rhythmen unterlegt. Holz-und Blechbläser sind in den verschiedenen Instrumentengruppen sehr ausgewogen vertreten, alle musizieren auf hohem Niveau mit perfekter Technik, homogen und in ausgereifter Phrasierung.

Die Berufsmusiker des Heeresmusikkorps Hannover verwöhnten ihre Zuhörer wieder mit schwung- und stimmungsvollen Melodien aus der ganzen Welt.

Die Gegensätze zwischen Piano und Fortissimo sind gewaltig und gekonnt. Man musiziert hoch konzentriert und mitgehend. Schon der flotte Marsch „Die Regimentskinder“ von Julius Fucik begeisterte durch seine farbige mitreißende Wiedergabe mit raffinierten Temposteigerungen. Philip Sparke schrieb eine ideenreiche „Music for a Fesival“ ungemein farbig und prächtig geboten, flott begonnen, dann auch gesanglich weiter geführt. Die gegensätzlichen Rhythmen gaben der Musik einen besonderen Kick, und blühend waren die Soli von Klarinette, Englischhorn, und Fagott. Äußerst stimmungsvoll war der zweite Satz im warmen Legato. Auffallend intensiv war das schwere Blech, die Tuben klangen sonor und dicht. Mit einem immer mehr gesteigerten Finale wurde die Musik beschossen.

Finnlands heimliche Nationalhymne

Ungemein schwungvoll und keck ging es in dem „Cossack Capers“ von Derek Bourgeois zu, diese Kosakenkapriolen wurden ihrem Titel durch die temperamentvolle und geistreiche Wiedergabe nur zu gerecht. Und der „Alexandermarsch“ von Andreas Leonhardt riss ebenso mit wie „Godspeed“ von Stephen Melilo. Letzteres Werk bot sowohl den Holz- als auch den Blechbläsern und den Schlagwerkern viele spannende Soli,

Ganz großartig musizierte das Heeresmusikkorps Hannover Finnlands heimliche Nationalhymne, die Tondichtung „Finlandia“ von Jean Sibelius. Schon diese würdevollen Eingangsakkorde in den tiefen Stimmen bewegte, und dann diese wunderbar lichten hohen Passagen der Holzbläser. Chorisch und auch unheimlich (das Grummeln der Basstuben) wurde das Werk gesteigert und endete in diesem festlichen und prächtigen Thema, wirklich einer Nationalhymne würdig.

Nach der Pause ging es dann spannend weiter. Mit militärischem An-und Absetzen der vier Jagdhörner begann der Marsch „Hussa! Horrido!“ von Hans Herzberg, prächtig immer die Jagdhornpassagen im Wechsel mit dem zügig folgenden gesamten Orchester, eine temperamentvoll farbige musikalische Präsentation einer Jagd.

Es folgte ein Arrangement von P. Kleine Schaars, in denen er Titel verschiedener Komponisten „The best of „Earth, Wind & Fire“ verwendet hatte. Das riss mit in seiner vielseitigen Melodik, den exzellenten Soli von Posaune, Klarinette, Oboe beziehungsweise Englischhorn,Trompete und Flöte, einem schönen Dialog Flöte-Oboe, und dazu diese immer spannenden Rhythmen in den verschiedensten Gegensätzen.

Eine weitere musikalische Reise unternahmen die Musikerinnen und Musiker durch das geschichtsträchtige Jahr 1988 mit „A Musical Journey“. Das begann mit einem tiefen Gemurmel, es steigerte sich zum kräftigen Fortissimo. Die Holzbläser fabulierten zum Legato im Schlagwerk, es folgten gesangliche Überleitungen, auch schräge Klänge waren zu hören, die Schlagwerker leisteten Schwerstarbeit, es gab besinnliche Soli von Flügelhorn und Holzbläsern und Trompete, man erzeugte wahre Sphärenklänge, wiegende Passagen der Holzbläser, kecke Soli der Posaunen zu E-Pianountermalungen. Die Musik floss weiter, ging in einen einfühlsamen Slow über, der Schluss dann ein großes Finale im Fortissimo. Mit dem „Abschied der Gladiatoren“ von Hermann L. Blankenburg endete der offizielle Teil des Konzertes, in dem das Orchester zu weiterer Hochform auflief, vom Publikum mit Klatschen unterstützt. Mit andauerndem, auch skandierendem Applaus feierten die Zuhörer die Gäste aus Hannover, die dann mit Zugaben nicht geizten. Unter anderem der radetzky-Marsch und unsere Nationalhymne. Ein würdiger Abschluss eines mitreißenden Konzertabends zugunsten der deutschen Kriegsgräberfürsorge und bedürftiger Personen in Achim.

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